Die Audio-Installation ist eine Art Collage aus Zeitzeugenberichten und Texten aus „Oyf der Fraj“, vorgetragen auf Jiddisch und Deutsch. Sie erzählt von den 2.187 jüdischen Männern aus der polnischen Stadt Radom, die 1944 in das Konzentrationslager in Vaihingen/Enz kamen. Sie erzählt von dem langen Graben, den die Häftlinge für die Toten ausheben mussten, und der offen blieb, bis er voll war. Am 7. April 1945 befreite die französische Armee das Lager, die Überlebenden kamen im August 1945 nach Stuttgart. Ihnen folgten immer weitere Überlebende.
An der Reinsburgstraße entsteht ein Lager für die DPs. Kein Lager, wie man es sich vorstellt, eher ein kleines Stadtviertel. Die US-Militärregierung requirierte Häuserzeilen, schmiss die deutschen Familien raus, damit jüdische Familien, oft mehrere in einer Wohnung, dort leben konnten.
Ein Mikrokosmos voller Lebenshungriger
Und dann blüht das Leben wieder auf. „Wir bilden (hier) eine große gemeinschaftliche Familie. Jeder von uns hat bereits seinen Winkel in Stuttgart“, so ein Zeitzeugenbericht. Die Stuttgarter Siedlung habe nicht den Charakter eines Ghettos, „die Juden sehen gut aus und fühlen sich würdig. Wenn man sie ansieht, würde niemand glauben, dass diese Menschen in Treblinka, Chelmno, Auschwitz gewesen sind“. Auch neues kulturelles Leben erwacht, ein religiöses Ressort wird gegründet, Schulen, eine historische Kommission, eine medizinische Ambulanz, ein Sportclub, ein Kulturhaus. Theatervorstellungen und Konzerte werden organisiert, eine Bibliothek entsteht und Werkstätten, um junge Leute in verschiedenen Handwerken auszubilden. Und eine Zeitung, „Oyf der Fraj“, die im Dezember 1945 erstmals erscheint. Ein Mikrokosmos voller Lebenshungriger.