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München – Er lebte noch bei Mami und träumte vom großen Umsturz. Doch statt „das System zu Fall zu bringen“ und gegen den „Unterdrückerstaat“ zu kämpfen, traf Julian J. (21) ausgerechnet einen Handwerker. Der Einzelhandelskaufmann wollte die AfD und die CSU brennen sehen – am Ende fackelte er aber einen Handwerksbetrieb ab und richtete 300.000 Euro Schaden an.

Jetzt steht J. wegen versuchter Brandstiftung vor dem Amtsgericht München. Ihm drohen mehrere Jahre Haft.

Der Feuerwehreinsatz beim AfD-Kreisbüro in München-Ramersdorf Anfang Oktober 2025

Der Feuerwehreinsatz beim AfD-Kreisbüro in München-Ramersdorf Anfang Oktober 2025

Foto: Thomas Gaulke – FIRE Foto

Protest gegen die AfD

Er wollte ein Zeichen setzen gegen „menschenverachtende Parteien wie die AfD“ und gegen den „immer stärker werdenden Faschismus“, erklärte der 21-Jährige am Dienstag im Prozess. Seit Oktober sitzt er in U-Haft. Laut Anklage soll er im vergangenen Herbst mehrere politisch motivierte Brände gelegt haben.

Sein Ziel war vor allem das AfD-Kreisbüro im Münchner Stadtteil Ramersdorf. Es liegt im ersten Stock eines Wohnhauses. Um das Gebäude in Brand zu setzen, warf Julian J. die Scheibe einer Bauspenglerei im Erdgeschoss ein und legte dort Feuer.

Die Einsatzkräfte konnten den Brand im Erdgeschoss unter Kontrolle bringen. Dennoch entstand ein Schaden von 300.000 Euro

Die Einsatzkräfte konnten den Brand im Erdgeschoss unter Kontrolle bringen. Dennoch entstand ein Schaden von 300.000 Euro

Foto: Thomas Gaulke – FIRE Foto

Zwei Anläufe für den Brandanschlag

Für seine Tat brauchte der Angeklagte zwei Anläufe. Beim ersten Brandanschlag brannte eine Rauchfackel aus. Vier Tage später kam er nachts mit einem Benzinkanister zurück, drang erneut in die Werkstatt ein und entzündete dort eine Benzinlache – mit erheblichen Konsequenzen.

Julian J. vor Gericht mit seinen Anwälten Gerald Assner (li.) und Mathes Breuer. Assner legte gleich zu Beginn der Verhandlung das Mandat als Pflichtverteidiger nieder

Julian J. vor Gericht mit seinen Anwälten Gerald Assner (li.) und Mathes Breuer. Assner legte gleich zu Beginn der Verhandlung das Mandat als Pflichtverteidiger nieder – wegen Differenzen mit dem Angeklagten

Foto: Theo Klein/BILD

In seinem politischen Kampf „für die Arbeiterklasse“ traf J. ausgerechnet einen Handwerker. In der Spenglerei im Erdgeschoss richtete der Brand einen Schaden von 300.000 Euro an. Das AfD-Büro im ersten Stock blieb fast unversehrt.

Kripo fand angesengte Kleidung im Kinderzimmer

„Dass dort eine Werkstatt ist, war mir nicht klar“, so J. vor Gericht. Zwei Tage darauf legte er auch vor der CSU-Zentrale in München mit Benzin einen Brand. Beschädigt wurde lediglich die Fassade.

Auch bei der CSU-Zentrale in München legte J. Feuer, beschädigte ein Schaufenster

Auch bei der CSU-Zentrale in München legte J. Feuer, beschädigte ein Schaufenster

Foto: Robert Gongoll

Besonders schlau stellte sich J. nicht an. Eine Tankstellen-Kamera filmte ihn beim Benzinkauf. Zudem zahlte er dort mit Bankkarte. In seinem Kinderzimmer fand die Kripo Tatwerkzeuge und angesengte Kleidung.

Brandstifter droht Haft und Vollstreckungstitel

Dem Brandstifter droht Jugendhaft. Im Prozess gab es Verständigungsgespräche darüber, ob eine Bewährungsstrafe möglich sei – trotz mehrfacher Vorstrafen, unter anderem wegen Gewaltdelikten. Richterin Kathrin Lohmöller: „Es ist nicht auszuschließen, hängt vom persönlichen Eindruck ab.“

Im Anschluss erklärte J., dass er hoffe, an einer „Widerstandsbewegung zu arbeiten“, um das „System zu Fall zu bringen“.

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Die Taten aus der Anklage gab J. zu. Eine Verurteilung könnte daher teuer werden. Ihm könnten dann Schadensersatzforderungen von 300.000 Euro drohen, die bis zu 30 Jahre lang eingetrieben werden könnten.