
Viele Menschen verspüren den Druck, perfekt auszusehen.Bild: dasha petrenko / imago images
Gesundheit & Psyche
Kaum ein Körperteil bleibt heute unberührt: Von Fillern wie Hyaluronsäure versprechen sich viele eine schnelle „Optimierung“ ihres Körpers. Eine neue Methode erregt nun aber Aufsehen. Manche Menschen lassen sich Fett von verstorbenen Spender:innen injizieren.
31.03.2026, 17:0731.03.2026, 17:07

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Vollere Lippen, straffere Haut, ein größeres Gesäß: Im Jahr 2026 haben viele Menschen das Gefühl, ihr Aussehen optimieren zu müssen. Im TV und auf Social Media bekommt man quasi in Dauerschleife perfekt aussehende Models vorgesetzt. Gleichzeitig erzählen einem Influencer:innen, welche Skincare-Produkte und Nahrungsergänzungsmittel man angeblich braucht, um ein „healthy life“ mit glatter Haut und sexy Body zu leben.
Doch jeder Körper ist nun mal anders und so reicht es bei manchen nicht aus, regelmäßig Vitamin-C-Serum im Gesicht aufzutragen und jeden Tag eine Fischöl-Kapsel zu schlucken. Um trotzdem ihre Idealvorstellung zu erreichen, entscheiden sich einige Menschen daher für Beauty-Eingriffe. Ein wenig Filler und schon sieht man ein paar Jahre jünger aus – so zumindest die Hoffnung.
In der Regel kommt dafür Hyaluronsäure zum Einsatz oder Alternativen wie Calciumhydroxylapatit, Poly-L-Milchsäure oder körpereigenes Fett.
Alloclae lassen sich nicht nur Frauen injizieren
Aktuell erregt aber eine weitere Option Aufsehen: Alloclae. Der Name klingt trendy, doch er beschreibt etwas, was die meisten Menschen wohl eher abschrecken würde. Es handelt sich nämlich um Fett, das verstorbenen Personen entnommen wurde. Deshalb ist teils auch die Rede von „Kadaverfett“ oder „Zombie Filler“.
Das mag ziemlich unappetitlich klingen, doch in New York liegt Alloclae offenbar schon im Trend, wie der „Guardian“ berichtet. „Das ist ein Wendepunkt“, glaubt der Chirurg Douglas Steinbrech. Er sieht in der neuen Behandlungsform viele Vorteile: „Die Empfänger der Alloclae-Implantate benötigen keine Operation. Sie benötigen keine Vollnarkose. Sie haben keine Genesungszeit und die damit verbundenen Schmerzen.„
Das Fett der verstorbenen Spender:innen wird dem „Guardian“ zufolge sterilisiert, anschließend in Tuben abgefüllt und dann in die gewünschten Stellen injiziert. Davon würden vor allem die Menschen profitieren, die ihr eigenes Körperfett nicht nutzen wollen oder selbst zu wenig Körperfett besitzen, um eine klassische Fettabsaugung durchzuführen.
Doch anders als es das Klischee vielleicht vermuten lässt, zeigen nicht nur Frauen Interesse an der neuen Methode. Auch Männer lassen sich laut Steinbrech mit dem fremden Körperfett behandeln, zum Beispiel um Brustmuskeln, Bizeps oder Waden zu pimpen.
Bei manchen mag der Alloclae-Trend Kopfschütteln auslösen, doch er ist Ausdruck eines größeren gesellschaftlichen Wandels. Mittlerweile stehen auch Männer zunehmend unter Druck, einem idealisierten Körperbild zu entsprechen. Das sei etwa geprägt durch Superhelden-Blockbuster von Marvel oder dem „Looksmaxxing“-Trend, meint Steinbrech.
Selbst sehr fitte Menschen greifen zu solchen Eingriffen, wie laut „Guardian“ ein 68-jähriger Patient in Steinbrechs Praxis zeigt, der trotz durchtrainiertem Körper zusätzliches Brustvolumen durch Fremdfett erhalten möchte: „Es ist nur eine kleine Verbesserung.“
Beauty Trend bringt heikle ethische Fragen mit sich
Doch zu dem Trend gibt es auch kritische Stimmen. Der plastische Chirurg Glenn Lyle setzt Alloclae zwar ebenfalls in seiner Praxis ein, findet die rasante Ausbreitung des Trendprodukts aber bedenklich: „Wir gehen hier zu schnell vor. Es gibt noch nicht einmal Nachfolgestudien. Das wird wahllos eingesetzt.“
Er äußert zudem wie andere Ärzt:innen Bedenken, dass eine Injektion in die Brust routinemäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen erschweren könnte. Es ist zum Beispiel nicht klar, ob durch den „Zombie Filler“ Knoten entstehen, die (unbegründeten) Krebsverdacht wecken.
Das Produkt wirft zudem ethische Fragen auf: In den USA werden in standardisierten Spenderformularen keine Kategorien wie „Fett“ oder „Fettgewebe“ angegeben, berichtet der „Guardian“. Stattdessen fällt das unter „Knochen und zugehöriges Gewebe“.
Viele Spender:innen werden sich dessen wohl nicht bewusst sein. So stellt sich die Frage, ob sie der Spende überhaupt zustimmen würden, mit dem Wissen, dass Teile ihres Körpers etwa für eine größere Männerbrust oder einen Brazilian Butt Lift verwendet werden. Solche heiklen ethischen Fragen bleiben bislang unbeantwortet.
Preis: Alloclae ist alles andere als günstig
Momentan ist Alloclae aber ohnehin nur einer begrenzten Zahl an Menschen zugänglich. In Steinbrechs Klinik zahlt man pro 25 Milliliter bis zu 5000 US-Dollar (etwa 4335 Euro); für eine Bruststraffung wie im Fall des 68-Jährigen wären 20.000 Dollar (etwa 17.342 Euro) fällig. Das können sich nicht viele leisten.
Auf die Frage des „Guardian“, ob er den Beauty-Eingriff offen kommunizieren würde, weicht ein Patient von Steinbrech aus: Er sei ein glücklicher Mensch und wolle sich einfach nur wohlfühlen und gut aussehen.
Steinbrech selbst hat dagegen eine klare Meinung: „Er kann sagen, was er will. Er kann sagen, er war im Fitnessstudio. Wir wollen nur, dass es natürlich aussieht. Damit niemand überhaupt diese Frage stellt.“
Das bringt uns wohl wieder an den Anfang des Beauty-Teufelskreises, an dem sich viele fragen, warum sie nicht so aussehen wie die vermeintlich perfekten Models und Influencer:innen. Doch wenn den Zuschauenden klar wäre, dass „Zombie Filler“ mit im Spiel ist, würden sie ihre Selbstzweifel vielleicht schneller über Bord werfen, als es der Beauty-Industrie lieb ist.