Fred Stein wurde 1909 in Dresden geboren und studierte später in Leipzig Jura. Doch 1933 wurde er als Jude und Sozialist aus dem juristischen Staatsdienst entlassen und musste nach Frankreich fliehen. In Paris musste er sich völlig neu erfinden und für sein Überleben sorgen. So begann er als Autodidakt mit der Fotografie.
Die Kinder des Spanischen Bürgerkriegs
Mit seiner Leica hielt er die zerbrechlichsten Opfer des Spanischen Bürgerkriegs fest: Die Kinder, die nach Frankreich verschickt worden waren. Es war eine Arbeit im Auftrag der republikanischen Regierung in Spanien und des französischen Gewerkschaftsbunds, erzählt Kurator Tim Rood: „Es ging langsam das Geld aus und dann wurde Fred Stein beauftragt, ein Stück weit Öffentlichkeitsarbeit zu machen für dieses Programm, die Kinder zu schützen.“
Entstanden sind berührende Gruppenporträts von entwurzelten Kindern, die verschlossen, neugierig oder verloren in die Kamera blicken. Aber auch das Einzelporträt eines kleinen Jungen mit Baskenmütze ist beeindruckend. Mit seinen ernsten, dunklen Augen starrt er frontal den Betrachter an.
Fotograf des Deutschen Exils
Daneben hat sich Fred Stein aber auch als Fotograf des deutschen Exils in Paris profiliert. Er fertigte unzählige Porträts von Emigranten an. Dazu gehörte auch eine junge Frau, die später Fotografiegeschichte schreiben sollte: Gerda Taro. „So ist noch mal ein ganz direkter Bezug zu Leipzig entstanden, denn Gerda Taro hat, bevor sie ins Exil gegangen ist nach Paris, längere Zeit mit ihrer Familie in Leipzig gelebt“, erklärt Kurator Rood.
Sie lebte zeitweilig in der Wohnung von Fred Stein und dort hat der Fotograf dann auch die eigenwillige junge Frau in facettenreichen Porträts festgehalten. „Gerda Taro ist teilweise sehr nahbar zu sehen, rauchend, auch sehr witzig, grimassenschneidend“, erzählt Rood. Manche Aufnahmen seien aber auch sehr inszeniert mit Kleidung aus dem 19. Jahrhundert, „wo man ihre Extravaganz förmlich spüren kann, die sie ganz bewusst auch spielerisch nach außen trägt“, so Rood.
Kurz darauf wird Gerda Taro in den Spanischen Bürgerkrieg ziehen, zusammen mit ihrem Lebensgefährten Robert Capa. Und dort in Spanien, da haben sie dann maßgeblich die moderne Kriegsfotografie mitgeprägt. Fred Stein bleibt unterdessen in Paris, doch bei Kriegsausbruch 1939 wird er dann wie so viele deutsche Emigranten interniert.
Beeindruckende Porträts von Albert Einstein und Hannah Arendt
1940 gelingt es ihm unter dramatischen Umständen von Marseille aus nach New York zu flüchten. In den USA muss er wieder von vorne anfangen, doch auch dort wird er wieder zum Porträtisten des deutschen Exils. Er schafft lebendige Charakterbilder von Hannah Arendt, Alfred Döblin oder Albert Einstein. Sylvia Asmus ist verantwortlich für die Schau in der Deutschen Nationalbibliothek zu Leipzig. Sie glaubt, das Besondere an Fred Stein sei, „dass in seinem Blick immer die eigene Biografie auch sichtbar wird“, weshalb er viele Exilierte fotografierte.
Doch er entdeckt auch die faszinierende Metropole mit den Wolkenkratzerschluchten und der Vielfalt der Kulturen. Und dabei entwickelt er dann auch einen ganz eigenen Blick, um diese fremden Welten festzuhalten. „Er hat ganz ungewöhnliche Perspektiven von oben gewählt“, erzählt Sylvia Asmus. Er habe viele grafische Fotografien hinterlassen mit starken Kontrasten. „Da kommt sehr viel zusammen in diesem Blick von Fred Stein.“
Dieses facettenreiche Werk kann man jetzt erkunden im Capa-Haus und in der Deutschen Nationalbibliothek.