Grußwort zur 800. Montagsdemo am 30.3.2026 von Christine Prayon, Kabarettistin, Schauspielerin und frühe S-21-Kritikerin

Liebe Obenbleiber, liebe Dagegen-Seierinnen, liebe Unermüdliche, liebe Renitenzlinge, liebe Kopfbahnhofis: Ich gratuliere euch! Dass Stuttgart 21 das sinnloseste und dümmste Großprojekt Deutschlands ist, habt ihr schon vor 20 Jahren geahnt – mittlerweile wissen es dank eures hartnäckigen Protests, dank 800 Montagsdemonstrationen nun wirklich alle. Kaum jemand dürfte heute wohl noch ernsthaft als bäumeumarmender Spinner und Eso-Freak mit Schaum vorm Mund bezeichnet werden, denn nahezu alles, was von euch damals kritisiert oder prophezeit wurde, hat sich bestätigt und hält jedem noch so objektiven, unabhängigen, megaseriösen „Check den Fuck“-Faktencheck statt.

Selbst das, was früher als satirische Überspitzung galt, ist mittlerweile von der Realität eingeholt worden. Ich erinnere mich an eine Kabarettistin, die 2010 frotzelte, dass von den 20 Milliarden Euro, die für Stuttgart 21 geplant seien, seit Jahren auf dem Killesberg ein Raumschiff gebaut werde, welches in zehn Jahren die Mächtigen und Superreichen auf den Mars befördere.

Das war damals ein WITZ!!!

Die größte Pointe müssen wir aber Angela Merkel lassen. Sie hat 2010 gesagt: „Wenn S 21 nicht kommt, ist Deutschland nicht mehr regierbar.“ Finde ich saukomisch. Das klang so übertrieben, fast pathetisch … Dabei war’s einfach nur die Überschrift für alles, was danach kam und wo wir heute stehen. Wer wissen will, wie dieses Land zu dem wurde, was es heute ist, der findet im Stuttgart-21-Wahnsinn die Blaupause dafür. Es ist deshalb nicht hoch genug zu schätzen, dass ihr, liebe Dauer-Störenfriede, liebe Beharrliche, liebe Ungehorsame, liebe zu Recht Zornige nie locker gelassen habt und es den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft bis heute schwer macht, diesen Skandal aus dem öffentlichen, kollektiven Gedächtnis verschwinden zu lassen.

Ihr seid ganz wunderbare Nervensägen und habt meinen Respekt und meinen Dank dafür. Oben bleiben!

Weitere Grußworte, unter anderem von Jürgen Resch, Luigi Pantisano und Kathrin Hartmann, finden sich hier.