Zahlreiche grüne Fahrraäder der "Sprotten Flotte" in Kiel.

AUDIO: Leihfahrräder der SprottenFlotte ab sofort kostenpflichtig (1 Min)

Stand: 01.04.2026 05:00 Uhr

Ab dem 1. April gelten bei dem Bike-Sharing-Angebot der SprottenFlotte in und um Kiel neue Tarife. Bisher war die erste halbe Stunde kostenlos. Die neuen Tarife sollen die Kommunen finanziell entlasten. Das zahlen Nutzer ab sofort.

von Moritz Mayer

Sich per App mit wenigen Klicks ein Fahrrad ausleihen und damit zum Bahnhof in Plön, an den Strand in Kiel-Schilksee oder in die Innenstadt von Rendsburg fahren. Das war beim Bike-Sharing-Angebot der Sprottenflotte in Kiel, im Kreis Plön und im Kreis Rendsburg-Eckernförde bisher 30 Minuten lang kostenlos möglich. Ab dem 1. April gelten laut der KielRegion neue Tarife: Eine 15-minütige Leihe eines Standardrads kostet nun 50 Cent. Nur mit neuen Abonnements fallen für die ersten 30 Minuten keine Kosten an.

Wer ein Standardrad ausleiht, zahlt laut der KielRegion künftig 50 Cent pro 15 Minuten. Ein Lastenrad kostet im gleichen Zeitraum künftig einen Euro, E-Bikes zwei Euro. Der Preis für ein Monatsabo liegt bei acht Euro. Ein Jahresabo kostet regulär 45 Euro, für Studierende 25 Euro. Wer einen Vertrag bis zum 17. Mai abschließt, erhält Vergünstigungen. Mit den Abos sind die ersten 30 Minuten einer Leihe kostenfrei.

Kommunen sparen künftig bei den Zuschüssen

Die geänderten Tarife sollen die knappen Kassen der Städte und Gemeinden entlasten, sagt Benno Hilwerling von der KielRegion. Er rechnet durch neuen Preise mit jährlichen Einnahmen im niedrigen sechsstelligen Bereich. Dadurch sollen die Kommunen bei ihren Zuschüssen künftig rund 15 Prozent im Jahr sparen. Sie übernehmen bisher etwa 50 Prozent der jährlichen Kosten eines Leihrads. Das waren bisher etwa 1.000 Euro, künftig sind es etwa 850 Euro, so Hilwerling.

KielRegion rechnet mit weniger Ausleihen

Ein Fahrrad der Sprottenflotte steht an der entsprechenden Fahrradstation.

Das Stationsnetz der SprottenFlotte wird seit 2019 kontinuierlich ausgebaut.

Sein Kollege Ingo Meyer von der KielRegion ist nicht glücklich über die neuen Tarife: „Die Entscheidung tut weh.“ Er betont aber: „Die SprottenFlotte bleibt das günstigste Transportmittel in der Region.“ Meyer geht davon aus, dass künftig weniger Menschen die SprottenFlotte nutzen werden. „Ich hoffe, dass der Rückgang so gering wie möglich ausfällt“, so Meyer. Eine Prognose sei schwer, er rechnet mit etwa zehn bis zwanzig Prozent weniger Ausleihen. Im vergangenen Jahr wurden laut den Zahlen der KielRegion im Gebiet der SprottenFlotte 410.487 Fahrräder ausgeliehen.

Kritik kommt von Verkehrsclubs im Norden

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Schleswig-Holstein (ADFC) und die Kieler Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) gehen von einem Rückgang von über 20 Prozent aus. Die Verkehrsclubs sehen das Erfolgsmodell und den Vorreiterstatus der SprottenFlotte gefährdet. Jan Voß, Landesgeschäftsführer des ADFC, kritisiert, dass es keine speziellen Abo-Angebote für Schüler und Auszubildende gibt.

VCD: Menschen steigen vermehrt auf Busse um

Ähnlich sieht das Frederik Meißner vom VCD: „Es wird deutliche Einbrüche bei Schülerinnen und Schülern sowie bei Studierenden geben. Und bei Menschen, die sich die neuen Tarife schlichtweg nicht leisten können.“ Er geht davon aus, dass Menschen aus den betroffenen Gruppen nun vermehrt auf Busse umsteigen. Meißner kritisiert aber auch die Stadt Kiel. Die Ratsversammlung hat die Gelder für die SprottenFlotte kürzlich von 350.000 Euro auf 300.000 Euro gekürzt. „Da wird eine überschaubare Summe bei einem erfolgreichen Projekt eingespart, und das hat große Folgen“, so der VCD-Sprecher.

Panorama des Kieler Rathausplatzes.

In der Kasse klafft das größte Loch seit dem Zweiten Weltkrieg. Abhilfe soll auch die Bettensteuer schaffen.

Stadt Kiel: Leihradsysteme funktionieren auch mit niedrigen Preisen

Die Landeshauptstadt teilt auf NDR Anfrage mit, dass es aufgrund der finanziellen Lage Einsparungen geben müsse. Erfahrungen aus anderen Städten würden aber zeigen, dass Leihradsysteme auch mit einem „überschaubaren Kostenbetrag“ durch die Nutzer funktionierten, so ein Sprecher. Wichtig sei nun der Ausbau und die Verdichtung des Netzes.

SprottenFlotte soll mehr Stationen bekommen

Genau das plant gerade die KielRegion: Die will nach eigenen Angaben bis zum Ende des Jahres sogenannte „Light-Stationen“ – also zum Beispiel Stationen ohne Fahrradbügel – aufbauen, um Angebotslücken zu schließen. 25 Stationen sind demnach in Kiel geplant, 25 weitere im Umland. Insgesamt stehen bei der SprottenFlotte an über 200 Stationen mehr als 1.000 Fahrräder zur Verfügung.

Leihrad-Gebiete an der Schlei und KielRegion sind jetzt getrennt

Auch an der Schlei gibt es Leihräder, zum Beispiel in Schleswig und Kappeln (beide Kreis Schleswig-Flensburg). Dort bleiben die ersten 30 Minuten der Leihe kostenlos, heißt es vom dortigen Anbieter DonkeyRepublic. Der betreibt auch die grünen Räder der SprottenFlotte. Bisher war es möglich, mit den Fahrrädern über die Gebietsgrenzen hinweg unterwegs zu sein. Das geht zwar weiterhin, sagte eine Sprecherin. Wer ein Leihrad aus Schleswig aber in Rendsburg – oder andersrum – abstellt, muss künftig eine Strafe von 25 Euro bezahlen. Die Gebiete werden so praktisch getrennt.

Fahrradfahrer fährt neben einem LKW auf der Fahrradspur

Schleswig-Holsteins Mittelstädte wollen fahrradfreundlicher werden. Das braucht Personal, Geld und vor allem Zeit.

Ein Mitarbeiter der Stadtreinigung Hamburg stellt Schrottfahrräder in einen Lastwagen.

Bereits länger abgestellte Fahrräder sind im vergangenen Jahr eingesammelt worden und wurden nun teilweise verschrottet.

Ein Fahrrad der Sprottenflotte steht in Kiel an einer Station.

Der Betreiber begründet das mit knappen Kassen bei den Kommunen. An dem neuen Tarif gibt es Kritik von ADFC und VCD.