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Collien Fernandes positionierte sich im ARD-Talk bei Caren Miosga erneut deutlich. Obwohl sich der Anwalt ihres Ex-Mannes anbot, wurde ein Auftritt von den Sendungsmachern abgelehnt.
Berlin – Die wenigsten bekamen es mit: Während zahlreiche ARD-Zuschauer gespannt auf den Auftritt von Collien Fernandes am Sonntagabend (29. März) warteten, gab es hinter den Kulissen mächtig Krach. Denn dass die Schauspielerin im Eins-zu-eins mit Talkshow-Gastgeberin Caren Miosga ihre Vorwürfe gegen Ex-Mann Christian Ulmen wiederholen durfte, verärgerte dessen Anwalt Christian Schertz.
Caren Miosga – Collien Fernandes forderte im Gespräch mit Caren Miosga ein härteres Vorgehen bei digitaler Gewalt. © NDR / Claudius Pflug
Fernandes wirft Ulmen vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Anwalt Schertz kündigte an, gegen die „initiale Berichterstattung“ des Spiegels gerichtliche Schritte einzuleiten.
Ulmen-Anwalt wütet gegen Miosga-Sendung mit Collien Fernandes
Am Sonntagnachmittag, nachdem klar war, dass Fernandes im ARD-Talk „Caren Miosga“ auftreten würde, sagte Schertz der FAZ: „Das Fernsehgericht tagt mit der höchsten Vertreterin der Justiz in Deutschland und der Anzeigenerstatterin. Und das bei einem gerade erst eingeleiteten Ermittlungsverfahren gegen einen Beschuldigten.“ Schon das sei „eklatant rechtsstaatswidrig“. Nur eine Seite bei laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen einzuladen, sei nicht akzeptabel. Er habe daher angeboten, in die Sendung zu kommen. „Dies wurde jedoch abgelehnt. Die Runde stehe schon fest.“
Einem Bild-Bericht zufolge war die Sendung Stunden vor der eigentlichen Ausstrahlung um 21.45 Uhr aufgezeichnet worden. Dabei war Miosga zunächst alleine mit Fernandes im Studio. Im Anschluss öffnete Miosga die Runde um Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD), SZ-Rechtsjournalist Ronen Steinke und Theresia Crone. Die angehende Juristin und Aktivistin ist selbst Betroffene von digitaler Gewalt. Fernandes war nicht mehr zu sehen.
Auf Bild-Anfrage meldete ein „Caren Miosga“-Sprecher: „Die Entscheidung, Collien Fernandes ausschließlich im Einzelgespräch zu befragen, ist eine redaktionelle Entscheidung. Die anschließende Diskussionsrunde behandelt das Thema digitale Gewalt in seiner ganzen Breite – einschließlich rechtlicher, politischer und gesellschaftlicher Aspekte, die über den konkreten Fall hinausgehen. Die Anwesenheit von Frau Fernandes in der Runde hätte den Eindruck erwecken können, alle diskutierten Sachverhalte beträfen auch ihren konkreten Fall – eine Gleichsetzung, die die Redaktion vermeiden wollte.“
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Laut FAZ versprach man: Die Sendung werde „die Unschuldsvermutung für Herrn Ulmen selbstverständlich ausdrücklich wahren. Allen Grundsätzen ordnungsgemäßer Verdachtsberichterstattung wurde von der Redaktion vollumfänglich Rechnung getragen – dokumentiert und nachweisbar“.
Collien Fernandes fordert „Schulungen für die Menschen, die die Anzeige entgegennehmen“
Wie zuvor schon Psychologin Sandra Boger im Interview beim Münchner Merkur drängte auch Fernandes bei Miosga inhaltlich auf mehr Sensibilität bei Behörden im Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt. Es brauche „Schulungen für die Menschen, die die Anzeige entgegennehmen“, sagte sie. Fernandes machte sich auch für bewusstseinsbildende Maßnahmen in Schulen stark. Bereits in der SWR-Sendung „Kölner Treff“ vor wenigen Wochen schilderte Collien Fernandes erschütternde Details über gefälschte Profile von ihr im Netz.
Justizministerin Hubig betonte, sie wolle sich zu den Vorwürfen von Fernandes nicht äußern. „Ich bin Justizministerin. Wir haben eine unabhängige Justiz.“ Die SPD-Politikerin forderte aber eine stärkere gesellschaftliche Debatte zu sexualisierter Gewalt. Von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen müsse signalisiert werden, dass sie Unterstützung erhielten. Es sei wichtig zu sagen: „Nein, kein Mann hat das Recht, übergriffig zu werden und Gewalt auszuüben gegenüber einer Frau. Und es ist nicht die Schuld der Frau, und sie muss sich auch nicht dafür schämen. Ich finde, das müssen wir in der Gesellschaft wirklich noch mal viel deutlicher auch leben und darüber diskutieren.“ (Quellen: dpa, Bild, FAZ) (mke)