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Wer abends in deutschen Großstädten einen Parkplatz sucht, braucht oft vor allem eines: starke Nerven. Genau darin sehen Supermärkte und Discounter jetzt ein neues Geschäftsfeld. Aldi, Lidl und andere Händler vermieten ihre Parkplätze in einigen Städten bereits außerhalb der Öffnungszeiten an Anwohner. Die Idee: tagsüber Kundenparkplatz, nachts bezahlter Stellplatz für die Nachbarschaft. Netto Marken-Discount startet dieses Modell ab dem 1. April bundesweit an rund 150 Filialen.
Gebucht wird per QR-Code direkt vor Ort. Autofahrer können die Buchung jederzeit verlängern oder verkürzen. Die entscheidende Frage lautet: Lohnt sich das?
Das kostet das Nachtparken beim Supermarkt
Für viele Autofahrer in dicht bebauten Stadtgebieten ist die Antwort: Ja, finanziell lohnt sich das. Während ein regulärer Tiefgaragenplatz schnell zwischen 80 und 150 Euro pro Monat kostet, liegen die Preise bei Discountern deutlich darunter.
Bei Aldi und Lidl kostet das Parken meist rund drei Euro pro Nacht. Es gibt dann zusätzlich rabattierte Angebote. Autofahrer zahlen oft zwölf Euro pro Woche oder 30 Euro im Monat. In einzelnen Städten ist es sogar günstiger: In Bochum wurden bereits Tarife von zwei Euro pro Nacht und 20 Euro pro Monat angeboten. Netto nennt bislang keine festen Einheitspreise, verweist aber ebenfalls auf Tages-, Wochen- und Monatstarife.
Dazu kommt: Das Risiko für Knöllchen sinkt, weil Sie aus der Not heraus nicht an Stellen parken, die eigentlich verboten sind.
Kein stundenlanges Suchen mehr
Nicht nur Geld können Sie beim Nachtparken sparen, sondern auch Zeit. Kein abendliches Kreisen mehr um den Block! Gerade in Vierteln mit hohem Parkdruck ist ein fester Stellplatz am Abend fast schon Luxus. „Das Modell ist ein Service für die Nachbarschaft unserer Filialstandorte und bietet dort zusätzliche Parkmöglichkeiten“, sagt Christina Stylianou, Pressesprecherin von Netto Marken-Discount, zu BILD.
Das müssen Sie beim Discounter-Parkplatz beachten
Das Nachtpark-Modell passt nur zu Ihnen, wenn die Zeiten zu Ihrem Alltag passen. Wer morgens erst nach 9 Uhr ins Büro fährt und deshalb später wegfährt, riskiert Vertragsstrafen, weil die Plätze tagsüber wieder für Kunden freigehalten werden. Immer mehr Märkte setzen auf digitale Überwachung mit Kennzeichenerfassung durch Anbieter wie APCOA, Wemolo oder Park & Control. Wer zu lange bleibt oder zu spät wegfährt, muss schnell mit Vertragsstrafen von 30 bis 50 Euro oder mehr rechnen. Das gilt übrigens auch für Kunden, die nur zum Einkaufen kommen. Fahren Sie auf den Supermarktplatz, stimmen Sie den AGB zu. Meist stellt der Händler eine maximale Parkdauer von beispielsweise 90 Minuten zur Verfügung. Überschreiten Sie diese, können Sie ein Knöllchen kassieren.
Mehr zum ThemaAuch für die Händler ist das Konzept attraktiv
Der Vorteil der Supermärkte beim Nachtparken: Bisher ungenutzte Flächen bringen plötzlich zusätzliche Einnahmen, ohne dass neue Parkplätze gebaut werden müssen. Gleichzeitig können die Märkte darauf verweisen, vorhandene Flächen sinnvoller zu nutzen, statt weitere Flächen zu versiegeln. Damit dürfte auch ein wichtiger Kritikpunkt entschärft werden, denn Supermarktparkplätze gelten seit Jahren vielen als Platzfresser.