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Manager Fabrice Cambolive zu Renault-Drohnen: „Fragen Sie die Behörden.“ © Kenzo Tribouillard/AFP
Renault folgt dem Aufruf des französischen Präsidenten zur „Kriegswirtschaft“. Erste Drohnen gehen an die Ukraine, autonome Fahrzeuge folgen im Juni.
Renault entwickelt sich von einem klassischen Autobauer zu einem breit aufgestellten Mobilitätskonzern – inklusiv militärischer Sparte. Renault folgt damit dem Aufruf von Präsident Emmanuel Macron im letzten Jahr, die französischen Unternehmen sollten sich einer „Kriegswirtschaft“ öffnen.
Diese Woche gab der Konzern, der 2024 weltweit 2,2 Millionen zivile Fahrzeuge absetzte, den Bau autonomer und unbemannter Fahrzeuge und von Robotern für den militärischen wie auch zivilen Gebrauch bekannt. Bei diesem Forschungsprojekt kooperiert Renault mit der Firma Arquus, einem französischen Hersteller militärischer Fahrzeuge für den Truppentransport oder als Waffenplattformen.
Das Gefährt soll im Juni bei einer Waffenschau in Paris vorgestellt werden. Es hat laut der Zeitung Le Figaro die „Dimensionen eines kleinen Autos“, was in den Sozialen Medien Witzeleien über einen „Twingo in Tarnfarben“ auslöste. Stückzahl und Produktionsort sind noch nicht bestimmt.
Luftdrohnen von Renault können mehrere militärische Zwecke erfüllen
Schon im Februar hatte Renault den Bau einer Luftdrohne mit dem französischen Rüstungsunternehmen Turgis Gaillard bestätigt. Sie soll laut Renaults Pressemitteilung verschiedene militärische Zwecke erfüllen können, etwa als Trägerin „ferngesteuerter Langstrecken-Munition“ oder als Beobachtungs- und Überwachungsdrohne. Ihr Name lautet Chorus; monatlich sollen in der Stadt Le Mans 600 Exemplare produziert werden. Fürs Erste sollen diese unbemannten Fluggeräte an die Ukraine geliefert werden.
Der Markendirektor von Renault, Fabrice Cambolive, erklärte auf dem TV-Sender BFM-Business, Renault sei von der nationalen Rüstungsagentur DGA gebeten worden, seine „industrielle Expertise in Sachen Produktion und Konzeption“ einzubringen. Die Oberleitung habe der Staat. Auf die Journalistenfrage, ob die Drohne offensiven oder defensiven Charakter haben soll, sagte Cambolive: „Fragen Sie die Behörden.“
Warum Renault den Auftrag zur Rüstungsproduktion von Frankreich bekam
Dass Frankreich den Auftrag an Renault vergibt, ist kein Zufall. Der französische Autohersteller hatte schon im Ersten Weltkrieg den Kleinpanzer FT 17 gebaut, der für den Kriegsausgang eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben soll. Vor dem Zweiten Weltkrieg produzierte Renault den Panzer R35 sowie diverse Militärvehikel. Nach Beginn der deutschen Besatzung Frankreichs im Jahr 1940 übernahm die Wehrmacht den Bau von Renault-Lastern für ihre eigenen Zwecke.
Nach dem Krieg wurde Renault verstaatlicht. Erst ein halbes Jahrhundert später, in den neunziger Jahren, wurde es wieder schrittweise privatisiert. Heute hält der Staat noch 15,01 Prozent der Anteile an Renault; der japanische Partner Nissan hält 15 Prozent.
Jetzt kehrt die französische Marke wieder in den militärischen Bereich zurück. Sie soll der Armee helfen, ihre Mobilität und autonome Systeme mit Drohnen und Robotern auszubauen. Generell soll sie eine vom Ausland unabhängige Rüstungsproduktion fördern. Frankreich wolle sich unabhängige Kernkompetenzen in den Bereichen Batterie, Elektromotoren, Sensorik und Software schaffen, erklärte Renault-Markenchef Cambolive. Ihm zufolge verschwimmen die Grenzen ziviler und militärischer Technik zunehmend.