„Puh, meine stressigste Schicht in letzter Zeit? Vor kurzem gab es eine Bombendrohung am Augsburger Hauptbahnhof. Der ganze Bahnhof war gesperrt. Kein Zug fuhr mehr ein oder aus. Da hatten wir in der Leitstelle ziemlich Druck. Können unsere Züge noch vor Augsburg wenden, wo muss das Zugpersonal als Nächstes hin, müssen Fahrgäste evakuiert werden? Wir Disponenten in der Leitstelle tragen viel Verantwortung. Wir müssen in sehr kurzer Zeit ein sehr großes Gebiet im Blick behalten. Diese Arbeit fordert mich geistig viel mehr als mein vorheriger Job.
Die Corona-Pandemie machte ihre Arbeit als Kosmetikerin unmöglich
Mit 18 Jahren habe ich meine Ausbildung zur Kosmetikerin in München abgeschlossen. Danach war ich zunächst fest angestellt. Nebenbei habe ich als Make-up-Artist gearbeitet. Zwei Jahre war ich sogar selbstständig. Und dann kam Corona. Dann ging gar nichts mehr. Kurz darauf ging ich für zwei Jahre in die USA. Als klar war, dass ich nach Deutschland zurückkehren werde, habe ich mich direkt nach einem anderen Job umgesehen. Als Kosmetikerin wollte ich nicht mehr arbeiten. Klar, ich habe meinen Job geliebt. Aber die Bezahlung war einfach zu schlecht.

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In der Leitstelle laufen alle Fäden zusammen. Hier behält das Bahnunternehmen den kompletten Zugverkehr im Blick.
Foto: Arverio/Winfried Karg
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In der Leitstelle laufen alle Fäden zusammen. Hier behält das Bahnunternehmen den kompletten Zugverkehr im Blick.
Foto: Arverio/Winfried Karg
Online stieß ich auf eine Stellenanzeige von Go-Ahead – so hieß Arverio damals noch. Sie haben Umschulungen zur Kundenbetreuerin, also zur Zugbegleiterin, angeboten. Die Ausbildung dauerte sechs bis acht Wochen. Mir fiel das leicht. Als Kosmetikerin hatte ich ja auch mit Kunden zu tun. Auf dem Zug ist das das Gleiche. Natürlich sind da auch herausfordernde Situationen dabei. Aber ich bin sehr stressresistent. Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe.
Zunächst arbeitete Angelina Mc Elroy als Zugbegleiterin
Trotzdem wollte ich nach ein paar Jahren eine Veränderung. Ich wollte mehr Verantwortung und mich weiterbilden. Also habe ich mich in der Leitstelle als Disponentin beworben. Jetzt arbeite ich nun schon knapp zwei Jahre hier in der Zentrale in Augsburg. Ich beobachte und plane den Zugverkehr. Kommt es zu einer Störung, wie neulich bei der Bombendrohung, greifen meine Kollegen und ich ein. Unser Hauptziel ist es, den Fahrgast von A nach B zu bringen.
Wir arbeiten hier in Schichten. Die Leitstelle ist rund um die Uhr besetzt. Bei uns laufen alle Fäden zusammen. An der Oberfläche sind wir für den Fahrgast nicht sichtbar. Aber jeder Fahrgast nimmt wahr, wenn bei uns etwas nicht funktioniert. Das ist eine andere Art von Stress. Entspannter als auf dem Zug ist das nicht. Aber mir macht die Arbeit Spaß, gerade weil sie so abwechslungsreich ist. Wenn ich meine Schicht beginne, weiß ich nie, was passiert.
Der berufliche Neustart hat der 34-jährigen Augsburgerin gutgetan
Es gibt Tage, an denen ich meine Arbeit als Kosmetikerin vermisse. Vor allem der Kontakt zu meiner Kundschaft fehlt mir. Aber ich habe das komplett an den Nagel gehängt. Der Neustart hat mir gutgetan. Ich bin jetzt älter und habe mich weiterentwickelt. Manchmal muss man sich einfach trauen. Auch, wenn man dafür ins kalte Wasser springen muss.
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Pauline Held
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