Während rund sieben Millionen Menschen am Freitagabend das Spiel der DFB-Elf gegen die Schweiz verfolgten, verbrachten gute 100 Weitere den Abend im Loch mit guter Popmusik. Spoiler: Beides war eine gute Wahl.

Sänger, Songwriter, Schlagzeuger, Produzent, Pianist – was kann Leon Mucke eigentlich nicht? Zu allem Überfluss ist er auch noch ein sympathischer Charmebolzen, der sich selbst nicht zu wichtig nimmt. Kurz vor 20 Uhr, während sich Kimmich und seine Teamkollegen noch aufwärmten, betraten Ingo Zapke und Thorsten Sala die Bühne. Beide feierten Anfang der 2000er Jahre mit ihrer Band Heyday Erfolge. Seit Kurzem spielen sie gemeinsam in der neuen Band Sumik. Am Schlagzeug, ein gewisser Leon Mucke. Weil man ihm zwei Konzerte an einem Abend ersparen wollte, reduzierten Zapke und Sala ihr kurzweiliges Set auf zwei Gitarren und eine Stimme. Zapke betonte, wie wichtig das Publikum heutzutage für Bands und Clubs sei und bedankte sich bei den zahlreichen Menschen, die den Weg ins Loch gefunden haben. Daran, dass hier neuerdings deutsch gesungen wird, muss man sich durchaus gewöhnen. Was bleibt, sind Songs mit Tiefgang, abgefahrene Gitarrensounds von Sala und die seit eh und je fantastische Stimme von Ingo Zapke. Der Abend ging extrem gut los.

Fliegender Wechsel
vor dem Anstoß

Nahezu nahtlos ging es 15 Minuten vor Anpfiff mit Leon Mucke als Solo-Act weiter. Sala konnte gleich auf der Bühne bleiben, ist er doch neben Bassist Theo Fotiadis und Drummer Richard Münchhoff Teil der Band. „Das ist meine erste Solo-Show in drei Jahren. Daher bin ich etwas angespannt“, gab Mucke direkt nach dem ersten Song zu. Bassist Theo beruhigte ihn mit einem simplen „Ist doch nur Musik.“ Wohl dem, der so versierte Musiker auf seiner Seite hat, die für einen klaren, druckvollen aber niemals zu lauten Sound sorgen. Und natürlich überzeugten auch die Songs, die problemlos täglich in den Radios des Landes laufen könnten und sollten. Kleine Geschichten und große Gefühle, von denen Mucke da singt und damit das Publikum immer wieder berührt.

Mucke wechselte von der Akustikgitarre zum brandneuen hauseigenen Flügel, was den Sound nochmals deutlich aufwertete. Es braucht gar nicht viel, um Musik so zelebrieren zu können. Popmusik kann manchmal so einfach sein. Oder einfach wirken. Während Mucke den Song „Tier“ vom 2023er Debütalbum „Kein Moment, der mir noch bleibt“ als Duett mit Sala performt, führt die Schweiz in Basel mit 1:0 – mitbekommen hat das im Loch niemand. Auch als die DFB-Elf ausgleicht, gibt es keine Reaktion, denn Muckes Solostück „Ich warte auf dich“ hat den Saal fest im Griff. Mit der Band im Nacken geht es zurück an den Flügel für den Song „Bis wieder alles funktioniert“. Beim folgenden „Kapitulieren“ von der neuen, gleichnamigen EP, wird die Band noch mal richtig laut, sodass niemand den erneuten Ausgleich nach der zwischenzeitlichen Schweizer Führung bemerkt. Sala ist zwar immer Teamplayer, für sein Gitarrensolo bekommt er jedoch verdienten Szenenapplaus. Dieser Mann ist so unfassbar talentiert – kein Wunder, dass Acts wie Bosse oder Rea Garvey seit Jahren auf ihn setzen. Im letzten Song gesteht Mucke „Nein, ich kann nicht zaubern. Ich bin nicht Dumbledore.“ In Basel ist beim Zauberfußball Pause. Im Loch skandiert die eigene Fankurve hingegen „Zugabe“ und Mucke setzt sich noch mal alleine ans Klavier. Ein neuer Song, der durchaus an Bosse erinnert, wird Mucke zum Verhängnis, da er den Text der zweiten Strophe vergisst. Das Publikum verzeiht ihm, lacht mit ihm gemeinsam. Weil es so wunderbar egal ist. Weil es am Ende doch nur Musik ist. Bei der Disco nach dem Konzert fragt jemand kurz, wie das Spiel ausgegangen sei. Keine Ahnung, es gibt Wichtigeres als Fußball. An diesen Abenden, „made in Wuppertal“, haben eh alle gewonnen. Lokale Künstlerinnen und Künstler verdienen Unterstützung – ob vor Ort oder durch den Kauf von Tonträgern und Merchandise. Die Bandcamp-Seite von Leon Mucke sei dafür wärmstens empfohlen.