Der neue Cara-Supercomputer für das DLR-Softwareinstitut in Dresden. Foto: Heiko WeckbrodtDer neue Cara-Supercomputer für das DLR-Softwareinstitut in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Neue Flugzeuge, Raumschiffe und Windräder im Fokus – und womöglich auch ein bisschen Rüstung

Dresden, 01.04.26. Das DLR-Softwareinstitut Dresden hat heute seinen millionenteuren Supercomputer „Cara“ offiziell in Betrieb genommen. Mit dem Rechner wollen die Forscher digitale Zwillinge künftiger Passagier-Jets und Raumschiffe generieren, Luftströmungen an neuen Auto-Modellen und Windrädern simulieren, außerdem Künstliche Intelligenzen (KI) für den Industrieeinsatz in Deutschland nutzbar machen, kündigt Vorstand Karsten Lemmer vom „Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ (DLR) an. „Und wir können Cara auch für die Entwicklung von Quantencomputern und neuartige Flugzeugkonzepte verwenden.“

Trend im Flugzeugbau geht zur Virtualisierung

Dabei steht „Cara“ wahlweise für „die Geliebte“ oder „Computer for Advanced Research in Aerospace“. Dieses Akronym deutet bereits die Hauptaufgabe an: Der Superrechner soll vor allem die deutsche Luftfahrtindustrie beflügeln. Denn der Trend im Flugzeugbau geht zur Virtualisierung: Wenn sich neue Konstruktionen und Bauteile schon vorab im Computer, am Digitalen Zwilling, durchsimulieren lassen, dann spart dies Entwicklungszeit, Geld und womöglich auch Zertifizierungsaufwand. Ein Beispiel unter vielen: Airbus plant ein Nachfolgemodell für den erfolgreichen A320 und will für diese Entwicklung ganz massiv auf virtuelle Zwillinge und digitale Simulationen setzen – eine Spezialität von Cara.

Das „DLR-Institut für Softwaremethoden zur Produkt-Virtualisierung“ auf dem Campus der TU Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Je nach Aufgabe rechnet hybride Cara mal mit AMD-CPUs, dann mit Nvidia-Grafikprozessoren

Dafür bekam das System 1540 AMD-Prozessoren, 60 Intel-Prozessoren und 120 Nvidia-Grafikprozessoren spendiert. Letztere Knoten sind vor allem da, um „Künstliche Intelligenzen“ (KI) zu trainieren und für den Flugzeugbau einzuspannen – insoweit ist Cara teilweise auch ein KI-Rechner. Zwei interessante Fakten am Rande: Weil das System warmwassergekühlt und mit Großwärmepumpen gekoppelt ist, heizt es nebenher noch den Bürotrakt des „DLR-Instituts für Softwaremethoden zur Produkt-Virtualisierung“, das Physikgebäude auf dem Uni-Campus und – über das Fernwärmenetz – auch noch Tausende Dresdner Wohnhäuser. Außerdem ist Cara genau genommen nicht völlig neu, sondern das Nachfolgemodell für eine gleichnamige Vorgängerin – die erste „Cara“ galt nach nur vier Jahren Betriebszeit schon wieder als überholt.

Das Lehmannzentrum Dresden beherbergt neben den eigenen Rechnern der TU Dresden auch Cara vom DLR und weitere Supercomputer. Foto: Heiko WeckbrodtDas Lehmannzentrum Dresden beherbergt neben den eigenen Rechnern der TU Dresden auch Cara vom DLR und weitere Supercomputer. Nebenher heizen diese heißen Rechner auch Institute und Wohnhäuser in der Stadt. Foto: Heiko Weckbrodt

Meilenstein für Sachsen zur Wiedergeburt seiner Flugzeugindustrie

Wieviel genau Cara kostet, wollten DLR-Vertreter nicht verraten. Es dürfte sich aber um einen Betrag zwischen 14 und 21 Millionen Euro handeln. In die Finanzierung von „Cara“ hatten sich Bund und Land hineingeteilt.

So etwa soll die D328eco aus Sachsen aussehen. Visualisierung: Deutsche AircraftNeben den Elbe-Flugzeugwerken gelten die Produktionshangare der Deutschen Aircraft in Leipzig als Vorzeigebeispiel für den wieder aufstrebenden Flugzeugbau in Sachsen. Hier im Bild die geplante D328eco. Visualisierung: Deutsche Aircraft

Gerade für Sachsen waren und sind dieser Supercomputer und die Ansiedlung des DLR-Softwareinstituts im Jahr 2017 wichtige Bausteine für das Ziel, wieder ein Luftfahrtindustrie-Standort ersten Ranges zu werden. Zudem soll speziell Cara auch einem jüngeren Plan von Staatskanzlei und Wirtschaftsministerium in Dresden dienen: Bisher profitiert Ostdeutschland mangels eigener Panzerschmieden, Kampfdrohnen-Fabriken oder Düsenjet-Werke kaum von der jüngsten Aufrüstungsspirale in der Bundesrepublik. Das wollen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), sein SPD-Wirtschaftsminister Dirk Panter sowie Ex-Militärs und Teile der Unternehmerschaft gerne ändern. Und da kommen die besonderen Simulations- und KI-Fähigkeit von Cara, der Geliebten, gerade recht: Was sie für zivile Flugzeuge, Satelliten oder andere Technologieerzeugnisse ersinnt, wäre gut und gern auch militärisch nutzbar – neudeutsch-euphemistisch auch „dual use“ genannt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Besuch, Auskünfte DLR, SMWA, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt