
Nach dem Vorwurf der Vergewaltigung in einem Berliner Jugendzentrum will der Bezirk Neukölln die Aufklärung vorantreiben. Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) hat eine Kommission eingesetzt, die die Vorgänge aufarbeiten soll. Ende Mai solle das Gremium erste Ergebnisse vorlegen, teilte das Bezirksamt am Mittwoch mit.
Die Kommission besteht den Angaben zufolge aus Fachleuten, die sich mit Kinderschutz und dem Umgang mit sexualisierter Gewalt auskennen. Dazu gehören Vertreter des Kinderschutz-Zentrums Berlin und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Der Verein Yekmal, der Familienberatung anbietet, nimmt beratend an den Sitzungen teil, wie es weiter hieß.
Eine 16-Jährige soll in der Einrichtung von anderen Jugendlichen vergewaltigt und später belästigt worden sein. Die Polizei erfuhr davon erst durch eine Anzeige des Vaters. Weder das Jugendzentrum, noch das Jugendamt hatten den Vorfall gemeldet. Nach den Worten von Stadträtin Nagel soll die Kommission nun die Vorgänge untersuchen und notwendige Konsequenzen vorschlagen.
CDU im Bezirk hält an Abwahl von Jugendstadträtin fest
Die CDU-Fraktion in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) fordert weiterhin die Abwahl von Jugendstadträtin Nagel. Ein entsprechender Antrag sei Montagabend nach einer Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses erneut eingereicht worden, sagte der Fraktionsvorsitzende Markus Oegel.
Für seine Fraktion stehe fest, dass der „skandalöse Vorgang“ Konsequenzen haben und die politisch verantwortliche Stadträtin ihren Hut nehmen müsse, so Oegel. „Die Sondersitzung hat die bisherigen Berichte eher bestätigt.“ Eine Beratung über den Abwahlantrag könne im April erfolgen, im Mai dann die Abstimmung darüber. Die Linke-Fraktion warf der CDU „Wahlkampfgetöse“ vor. Die Jugendstadträtin habe im Ausschuss „sehr transparent den aktuellen Kenntnisstand“ dargestellt.
Die SPD-Fraktion sieht hingegen „erheblichen weiteren Aufklärungsbedarf“. Sie sprach von einem „eklatanten Verantwortungs- und Führungsversagen im Jugendamt“. Die fachliche und politische Verantwortung dafür trage die Jugendstadträtin. Auch von der Grünen-Fraktion hieß es, Nagel sei „weiterhin die Antwort auf zentrale Fragen schuldig geblieben“. Sie forderte eine „lückenlose Aufklärung“ und setzte Nagel Fristen für von ihr angekündigte Konsequenzen: Bis zum 1. Juni müsse ein Zwischenbericht, bis zum 1. September ein Abschlussbericht der Untersuchung vorliegen.
Ermittlungen wegen Strafvereitelung
Inzwischen ermitteln Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Berlin zu dem Vorfall. Nach Angaben der Polizei wurden auch Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung und der Strafvereitelung im Amt eingeleitet. Zudem seien – überwiegend online über die Internetwache – mehrere Hinweise auf „fehlerhaftes bzw. gegebenenfalls strafrechtlich relevantes Handeln bzw. Unterlassen eingegangen“, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Details nannte sie mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht.
Aus Sicht der Linke-Fraktion wurde bei der Sondersitzung am Montag klargestellt, „dass die Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt gegen Stadträtin Nagel jeglicher Grundlage entbehrt“, wie es in einer Mitteilung hieß.
Sendung: rbb 88,8 01.04.2026, 17:00 Uhr
Audio: rbb 88,8, 01.04.2026, Andreas Marschner