Der in Hamburg gefangene Wolf.

AUDIO: Nachrichten aus Niedersachsen (5 Min)

Stand: 01.04.2026 17:23 Uhr

Ein junger Wolf war am Montagabend in der Hamburger Innenstadt aufgetaucht und hatte eine Frau verletzt. Das Tier befindet sich nach NDR Informationen mittlerweile in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen (Landkreis Schaumburg).

Das weitere Schicksal des Tieres, das am Montagabend von der Polizei an der Binnenalster gefangen wurde, ist unklar. Zunächst war der Wolf kurzzeitig im Wildgehege Klövensteen im Westen von Hamburg untergebracht worden, mittlerweile wurde er in die Artenschutzstation Sachsenhagen (Landkreis Schaumburg) gebracht. Zuständig für den Wolf ist nach eigenen Angaben weiterhin die Hamburger Umweltbehörde. „Zum langfristigen Verbleib des Tieres laufen Gespräche“, erklärte ein Sprecher der Behörde.

Entscheidung über Wolf soll zeitnah fallen

Ein Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums sagte zuvor: „Man guckt sich jetzt erstmal an, wie ist der Zustand des Wolfes und lässt ihn zur Ruhe kommen. Dann wird entschieden, was mit ihm passiert.“ Viele Fragen seien nach wie vor offen. Der Ministeriumssprecher erklärte, man könne ein Wildtier, das nicht an die Gefangenschaft gewöhnt ist, nicht sehr lange in einem Gehege belassen, das darauf womöglich gar nicht ausgelegt sei. „Deshalb muss schon kurzfristig und zeitnah entschieden werden, was mit dem Tier passieren soll.“ Eine Tötung eines gefangen genommenen Tieres wäre demnach ein Sonderfall. „Das wäre trotzdem womöglich eine Option, aber ich kann da nichts vorwegnehmen.“ Möglicherweise werde das Tier wieder freigelassen: „Auch eine Auswilderung wäre eine Option“, sagte der Sprecher.

„Wolfsmanagement wird überprüft“

Einen Fall wie diesen habe es so in Deutschland noch nie gegeben, sagte Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank auf einer Pressekonferenz am Dienstag. Ihrer Aussage nach hatte das Thema Wolf in einer Stadt wie Hamburg bislang keinen so hohen Stellenwert wie in Flächenländern wie zum Beispiel Niedersachsen oder Brandenburg. Das Wolfsmanagement werde aufgrund der Erfahrungen, die man jetzt gemacht habe, erneut überprüft und gegebenenfalls auch angepasst, sagte Fegebank. Der Einsatz werde nun gemeinsam mit Polizei und weiteren Experten ausgewertet. Das oberste Ziel dabei sei die Sicherheit der Hamburgerinnen und Hamburger. Das Bundesnaturschutzgesetz verbiete den präventiven Abschuss eines streng geschützten Tieres, betonte Fegebank. Eine aktive Treibjagd in der Stadt wäre „ein unkalkulierbares Risiko“ gewesen. Es hätte zu Unfällen oder Panikreaktionen kommen können.

Video:
Umweltsenatorin Fegebank über den Hamburger Wolf (32 Min)

Wolf verletzt Frau in Einkaufspassage in Altona

Der Wolf wurde von Polizistinnen und Polizisten am Montagabend in der Hamburger Innenstadt eingefangen. Sie holten das erschöpfte Tier aus der Binnenalster. Zuerst war der Wolf am Wochenende am westlichen Stadtrand gesichtet worden – am Montagnachmittag tauchte das offensichtlich verängstigte Tier in einer Einkaufspassage in Altona auf. Vermutlich wurde der Wolf durch einen äußeren Reiz, etwa ein Auto oder ein anderes Tier, aktiviert, sagte der Sprecher der Umweltbehörde. In der Folge sei er in eine Stresssituation geraten und losgerannt. In einer Geschäftsstraße im Zentrum Altonas habe er sich dann in eine kleine, wenige Meter breite Einkaufspassage mit mehreren Geschäften verirrt. In der Passage biss er eine Frau.

Die Frau hatte wohl versucht, das verwirrte Tier, das immer wieder gegen eine Glasscheibe lief, aus der Einkaufsmeile zu führen. Dabei wurde sie ins Gesicht gebissen. Einsatzkräfte versorgten sie und brachten sie in ein Krankenhaus. Die Wunde musste genäht werden – anschließend konnte die Frau das Krankenhaus wieder verlassen.

„Das Tier hatte richtig Angst“

Beobachtet wurde die Situation vom Musicaldarsteller Lionel von Lawrence-Oehlen, der mit seiner zweijährigen Tochter einkaufen war. „Ich sah eine Frau, die gefallen ist. Dann hab ich Blut gesehen und gedacht: ‚Das ist ja ein großer Hund. Warte, der hat kein Halsband: Das ist ein Wolf'“, schildert er seine Wahrnehmung im Gespräch mit dem NDR. „Das arme Tier hatte richtig Angst, lief dann wieder gegen die Scheibe und hat es irgendwann dann rausgeschafft.“

Erster solcher Fall seit Rückkehr des Wolfs 1998

Behördenangaben zufolge ist damit in Deutschland erstmals ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden, seit sich dieser wieder in Deutschland ausgebreitet hat. „Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung 1998“, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz. Später sprach das Amt vom ersten Fall seit der „Etablierung“ des Wolfes im Jahr 1998, da dieser eigenständig zurückgekommen sei. „Seit der Rückkehr der Art nach Deutschland wurde kein Mensch durch einen Wolf verletzt.“

Klaus Hackländer, Wolfs-Experte der Deutschen Wildtierstiftung, sagt dazu: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in eine Siedlung oder sogar in eine Stadt geht, ist groß aufgrund der hohen Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile haben.“

Mehr als 20 Wolfsnachweise seit 2013

Laut Umweltbehörde gab es in Hamburg seit 2013 insgesamt 21 bestätigte Wolfsnachweise. Zuletzt wurde Mitte März ein verendeter Wolf auf der Autobahn 25 in Höhe der Auffahrt Curslack nach einem Wildunfall aufgefunden.

Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kamen mehrere Tiere über Polen wieder nach Deutschland. Mittlerweile streifen Wölfe durch die Wälder zahlreicher Bundesländer.

Die Polizei trägt einen Käfig in den Polizei·wagen. In diesem Käfig ist ein Wolf.

Der Biss ist der erste Angriff von einem Wolf auf einen Menschen in Deutschland seit der Wiederansiedlung 1998. Das Tier wurde vorerst in den Wildpark Klövensteen gebracht.

Ole Wackermann und Maiken Nielsen stehen vor einem Hintergrund, der den Hamburger Hafen und die Elphilharmonie am Abend zeigt, und lächeln in die Kamera.

Erstmals seit 1998 hat in Deutschland ein Wolf einen Menschen angegriffen – in Altona. Wieder mehr ausbildungswillige Jugendliche, aber weniger Ausbildungsplätze. Keine Streiks mehr im Nahverkehr.

Andreas Kinser, Deutsche Wildtierstiftung

Einen Vorfall wie in Hamburg habe es „in Europa in den letzten 200 Jahren nicht gegeben“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung.

Ein Wolf blickt nach links.

Der Bundestag hatte die Aufnahme ins Jagdrecht bereits beschlossen. Der Umgang mit dem Wolf ändert sich damit grundsätzlich.

Ausschnitt eines Privatvideos: Ein Wolf läuft über eine Straße. (Quelle: Facebook)

Am Elbdeich bei Fliegenberg und im Hamburg-Rönneburg sind in den vergangenen Tagen Wölfe mit dem Handy gefilmt worden.