• Die Royal Navy ist laut eigenen Militärs nicht auf einen Krieg vorbereitet.
  • US-Präsident Trump bezeichnete britische Kriegsschiffe als «Spielzeuge».
  • Es gibt Kritik an Premierminister Starmer wegen fehlender Verteidigungsausgaben.

«Britannia rules the waves», also Britannia beherrscht die Wellen, heisst es in der inoffiziellen Nationalhymne Grossbritanniens. Doch seit Beginn des Ukraine-Krieges wird über den Zustand der europäischen Streitkräfte diskutiert, und laut ranghohen Militärangehörigen ist es um die Royal Navy nicht gut bestellt.

Das Vereinigte Königreich hatte Anfang März 2026 die HMS Prince of Wales in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt, um bei Bedarf auf die Spannungen im Nahen Osten reagieren zu können. Eine Entsendung des Flugzeugträgers und seines Schwesterschiffes, der HMS Queen Elizabeth, wurde jedoch nicht beschlossen. US-Präsident Donald Trump kritisierte sowohl die Passivität der Briten als auch die Leistungsfähigkeit der beiden Kriegsschiffe: «Sie sind Spielzeug im Vergleich zu dem, was wir haben.»

«Sind nicht so gut vorbereitet, wie wir sein sollten»

In Grossbritannien reagierte man mit Empörung, gelten die beiden 2019 in Betrieb genommenen Flugzeugträger doch als Stolz der Royal Navy. Gleichzeitig räumte der First Sea Lord Grossbritanniens, General Sir Gwyn Jenkins, ein, dass die Royal Navy derzeit nicht auf einen Krieg vorbereitet wäre. «Wenn man uns dazu auffordern würde, würden wir natürlich in den Krieg ziehen», so der General, «aber sind wir so gut vorbereitet, wie wir sein sollten? Ich glaube nicht», so Jenkins weiter.

Jenkins ist der ranghöchste in einer Reihe von Militärangehörigen Grossbritanniens, welche den Zustand der Streitkräfte öffentlich kritisieren. Bei der Eröffnung der «Royal Navy Warfighting Conference» im Februar berief sich Jenkins auch konkret auf die von Russland ausgehende Gefahr. Russland investiere weiterhin enorme Ressourcen in seine Nordflotte und seine zunehmend leistungsfähigen U-Boote. «Wir werden derzeit im Atlantik – direkt vor unserer Haustür – auf die Probe gestellt. Es sind instabile und gefährliche Zeiten. Unsere Aufgabe ist es, unsere Inselnation zu schützen. Wir sind die erste und letzte Verteidigungslinie des Vereinigten Königreichs», so der General.

Der Zerstörer HMS Dragon wurde im März 2026 nach Zypern entsandt, um die Insel und britische Stützpunkte vor iranischen Angriffen zu schützen.Der Zerstörer HMS Dragon wurde im März 2026 nach Zypern entsandt, um die Insel und britische Stützpunkte vor iranischen Angriffen zu schützen.IMAGO/Dreamstime

Nato erwartet 5-Prozent-Ausgabenziel

Die Kritik richtet sich dabei auch an Premierminister Keir Starmer, der bislang keinen konkreten Zeitplan für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben vorgelegt hat. Wie die BBC berichtet, sollen Berater des Premierministers derzeit Vorschläge prüfen, um bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode, die bis 2029 dauern könnte, ein Drei-Prozent-Ziel zu erreichen.

Damit solle, laut einem Sprecher des Verteidigungsministeriums, eine Rückkehr zu «den geschwächten Streitkräften der Vergangenheit» verhindert werden. Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen, und das Finanzministerium agiert offenbar vorsichtig. Die Nato-Mitgliedstaaten haben sich zu einem neuen, höheren Verteidigungsausgabenziel von fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts bis 2035 verpflichtet.

Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.