Vor 120 Jahren wurde Hannah Arendt in Hannover-Linden geboren: Mit ausgewählten Veranstaltungen erinnert die Landeshauptstadt ab April mit zahlreichen Partner*innen an die international bekannte Politiktheoretikerin.

Gedenken an Hannah Arendt (Egon Kuhn und Edelgard Bulmahn)

Gedenken an Hannah Arendt am Lindener Markt (Egon Kuhn und Edelgard Bulmahn)

Das Geburtstagsprogramm startet mit einem spannenden Vortrag am Donnerstag, 9. April, um 18 Uhr im Museum August Kestner über einen bislang weniger bekannten Aspekt aus Arendts Biografie. Es sprechen die Historiker*innen und Provenienzforscher*innen Silke Bremer und Dr. Johannes Schwartz über „Hannah Arendt und die NS-Provenienzforschung – Die Jewish Cultural Reconstruction Inc. und die Suche nach NS-Raubgut in Hannover“.

Hintergrund

Am 15. Februar 1949 erhielt die seit 1947 aktive Vereinigung „Jewish Cultural Reconstruction Inc.“ (JCR) mit Sitz in New York den vertraglich geregelten Auftrag der US-amerikanischen Militäradministration in Deutschland, die Verantwortung für erbenlose jüdische Kulturgüter in der US-amerikanischen Besatzungszone zu übernehmen. Die JCR übernahm dabei die Belange der Kulturrestitution im Auftrag der wichtigsten damals aktiven internationalen jüdischen Organisationen aus Palästina/Israel, den USA und Europa. So erhob sie für sich den Anspruch, das jüdische Volk weltweit zu vertreten, und war zuständig für jene Kulturgüter, die nicht unter das Rückerstattungsgesetz fielen.

Hannah Arendt, Geschäftsführerin der JCR seit 1949, bereiste in den Jahren 1949/50 Deutschland und fuhr auch in die britische Besatzungszone, unter anderem nach Hamburg und Hannover.

Festprogramm

„Hannah Arendt und ihre Werke sind aktueller denn je. Insbesondere ihre Aufforderung zu unabhängigem Denken, ihre Appelle für Freiheit und das gemeinsame Handeln sind gerade in Zeiten des Erstarkens autoritärer Systeme wegweisend“, so Oberbürgermeister Belit Onay. „Mit dem Arendt-Zitat „stop and think“* möchten die HANNAH ARENDT TAGE (HAT) mit ausgewählten Veranstaltungen bereits im Vorfeld des 120. Geburtstages Hannah Arendts am 14. Oktober 2026 an die berühmte Tochter unserer Stadt erinnern. Arendts Zitat ist eine Einladung zum Innehalten in der Informationsflut, zum selbstständigen und selbstreflexiven Denken, zum gemeinsamen Diskurs über Freiheit und Demokratie. Aspekte, die das facettenreiche Programm aufgreift und zum Besuch einlädt. Happy 120th Birthday, Hannah!“

Mit unterschiedlichen Formaten wie Theateraufführungen, Kinofilmen, Vorträgen, Gesprächen, Diskussionen und Schreib-Workshops laden die HAT bereits ab April ein, Hannah Arendt in ihrem 120. Geburtstagsjahr neu zu entdecken.

Hannah Arendt und die NS-Provenienzforschung
Ort: Museum August Kestner, Platz der Menschenrechte 3, 30159 Hannover
Termin: 09.04.2026 ab 18:00 Uhr
Eintritt: frei

Hannah Arendt Tage
Termin: 22. – 26.09.2026

*Zitat aus: H. Arendt, The Life of the Mind, Göttingen 2024, S. 16 © Hannah Arendt Bluecher Literary Trust