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Mit der Blockade der Straße von Hormus drosselt der Iran die globale Energieversorgung. Die USA erhöhen den Druck. Nun bietet die Ukraine Hilfe an.
Washington – Steigende Energiepreise weltweit und eine blockierte Meerenge, durch die ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggashandels fließt: Die Straße von Hormuz ist im Schatten des aktuellen Iran-Kriegs seit Wochen zum Brennpunkt der internationalen Energiepolitik geworden. Über 20 Nationen haben zugesagt, an US-geführten Bemühungen zur Öffnung der Route mitzuwirken – sind aber nicht daran interessiert, in einen bewaffneten Konflikt mit dem Iran verwickelt zu werden.
Die Straße von Hormus. Der Iran will nun ein Mautsystem einführen. Die Ukraine bietet den USA Hilfe an. (Archivbild) © -/The Visible Earth/NASA/dpa
Aus dieser Lücke zwischen Bereitschaft und Handeln heraus meldet sich eine unerwartete Stimme zu Wort: die Ukraine. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat während seiner jüngsten Nahostreise unmissverständlich signalisiert, dass Kiew nicht nur Waffen zu verkaufen hat – sondern Expertise, die in der Praxis bereits bewiesen wurde.
USA erhöhen Druck wegen Straße von Hormus – Iran kontern mit Gesetz
Während die USA Druck auf den Iran ausüben und eine internationale Koalition schmieden wollen, bietet die Ukraine ihre militärische Expertise an. Teheran seinerseits reagiert mit einem Gesetzentwurf, der die Kontrolle über die Meerenge weiter zementieren soll. Nach den Vorstellungen des Sicherheitsausschusses des iranischen Parlaments sollen Schiffe aus den USA, Israel sowie aus Staaten, die in den vergangenen Jahren Sanktionen gegen den Iran verhängt haben, die Meerenge nicht passieren dürfen. Auch Schiffe aus der EU wären davon betroffen. Donald Trump erklärte derweil laut Wall Street Journal, er sei bereit, den Krieg zu beenden, selbst falls die Straße von Hormus weitgehend blockiert bleibe.
Die USA haben in dieser angespannten Situation mit Blick auf die Straße von Hormus erklärt, dass die Meerenge wieder für den Schiffsverkehr geöffnet wird. „So oder so“, führte US-Außenminister Marco Rubio gegenüber dem Sender Al Jazeera aus. Entweder werde sich der Iran bereit erklären, „sich an internationales Recht zu halten“ und die Meerenge nicht zu blockieren, sagte der Trump-Minister. „Oder eine Koalition von Nationen aus der ganzen Welt und der Region wird mit Beteiligung der Vereinigten Staaten dafür sorgen, dass sie offen ist.“
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Der ukrainische Präsident Selenskyj sendete indes ein klares Signal: Kiew will nicht nur Waffen verkaufen. „Wir haben unsere Erfahrungen mit dem Schwarzmeerkorridor und dessen Funktionsweise ausgetauscht. Sie verstehen, dass unsere Streitkräfte bei der Öffnung des Schwarzmeerkorridors sehr effektiv waren“, sagte Selenskyj am Montag in einem Journalistengespräch via WhatsApp. Die Ukraine sieht ihre Erfahrungen aus dem Schwarzen Meer als direkt auf die Situation am Golf übertragbar an.
Ukraine-Hilfe wegen Straße von Hormus: Selenskyj bietet Trump Unterstützung an
Der Vergleich mit der aktuellen Lage in der Straße von Hormus ist nicht ohne Substanz. Ab 2023 blockierte Russland Ukraines Getreideexporte über das Schwarze Meer und löste damit eine globale Nahrungsmittelkrise aus. Die ukrainischen Streitkräfte versenkten in der Folge weite Teile der russischen Schwarzmeerflotte und drängten die verbliebenen Schiffe weit zurück. Heute laufen monatlich rund 200 Frachtschiffe die Häfen der Odessa-Region an, trotz anhaltender russischer Raketen- und Drohnenangriffe.
„Der Ukraine ist es gelungen, ein komplexes System zum Schutz von Frachtschiffen vor jeglichen Bedrohungen auf der Seeroute von den rumänischen Hoheitsgewässern bis zur Region Odessa zu schaffen“, erklärte Andrii Klymenko, Leiter der Monitoring-Gruppe zur Lage in der Schwarzmeerregion am Institut für Schwarzmeer-Strategiestudien laut Politico. „Ich nenne es einen Tunnel.“
Das ukrainische System umfasst Schutz vor Luftangriffen, Minenabwehr sowie koordiniertes Vorgehen von Küstenartillerie, Luftwaffe und weiteren Einheiten. Entscheidend waren dabei Seedrohnen, die weit über ihre ursprüngliche Kamikaze-Funktion hinausgewachsen sind. „Die Marinedrohnen der Ukraine sind heute nicht nur Kamikaze-Boote, sondern auch Plattformen, die Maschinengewehre, Raketenwerfer und FPV-Drohnen tragen können“, sagte Ihor Fedirko, CEO des ukrainischen Rates der Verteidigungsindustrie laut Politico. Zudem sind die Drohnen in der Lage, russische Hubschrauber und Kampfjets abzuschießen. Ergänzt wird das militärische Paket durch ein Versicherungsmodell: Das im November 2023 eingeführte „Unity Facility“-Programm teilt die Versicherungskosten für zivile Frachtschiffe mit Partnern wie Lloyd‘s of London und Marsh McLennan – und wurde im März verlängert.
Straße von Hormus: Trump-Minister pocht auf Öffnung – Iran plant Mautsystem
Parallel zu diesen aktuellen Entwicklungen im Iran-Krieg betonte Rubio, dass die USA mit Blick auf die Straße von Hormus und der Haltung in Teheran auch vor einer weiteren Eskalation nicht zurückschrecken würden. Als militärische Ziele nannte er die Zerstörung der iranischen Luftwaffe und Marine sowie eine erhebliche Reduzierung der Raketenabschussrampen – Ziele, die man in „Wochen und nicht Monaten“ erreichen wolle.
Der Iran hat derweil ein Mautsystem in der Straße von Hormus gebilligt. Die Maut soll in der Landeswährung Rial erhoben werden – ein Instrument, das Teheran nutzen will, um die eigene Währung zu stärken und US-Sanktionen zu umgehen. Der Entwurf solle „umgehend im Parlament beraten und verabschiedet werden“, sagte Ausschussmitglied Modschtaba Sarei der Nachrichtenagentur Fars.
Strategische Bedeutung der Straße von Hormus: Iran bremst globale Energieversorgung
Die Straße von Hormus ist eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt. In der Region liegen wichtige Häfen und Verladestationen für den globalen Handel mit Öl und Gas. Wie das Manager Magazin schreibt, bringen Schiffe von dort ihre Fracht in den Golf von Oman und weiter auf den Weltmarkt. Inzwischen ist die Schifffahrt in der Region wegen der Iran-Angriffe fast zum Erliegen gekommen. Mit der faktischen Blockade bremst Iran die globale Energieversorgung aus.
Auf lange Sicht kann sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz vorstellen, nach einem Ende des Iran-Kriegs zur Sicherung der Meerenge beizutragen. Der CDU-Politiker sagte bei einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin, das Beste sei, dass dieser Krieg so schnell wie möglich an sein Ende komme. „Wenn die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, dann wird Deutschland selbstverständlich bereit sein, seinen Beitrag zur freien Schifffahrt in der Straße von Hormus zu leisten.“ (Quellen: Politico, Wall Street Journal, Manager Magazin, dpa, afp) (fbu)