Liebe Leserin, lieber Leser,
zum Karfreitag eine gute
Nachricht: Die vegetarische Küche kommt zurück. Ganz weg war sie natürlich nie
in Hamburg – das Tassajara in Eppendorf gibt es schon seit einem halben
Jahrhundert. Aber vor zehn Jahren sah es ganz so aus, als gehörte eher dem
Veganismus die Zukunft. In der örtlichen Gastronomie schlug sich das allerdings
bis heute nicht nieder. Die veganen Lokale versorgen die Veganer, zeigen aber
wenig Ehrgeiz, richtig gut zu werden.
Vegetarisch wiederum kann
man hervorragend essen – auf Sterne-Niveau zum Beispiel im Zeik und im
Heimatjuwel; zwei Restaurants, die Fleisch servieren, aber so dosiert, dass die
fleischlosen Menüs gleichwertig sind. Aber auch bei den „echten“ Vegetariern
sind in letzter Zeit ein paar gute Adressen hinzugekommen: das Maquis in
Altona, das Blattgold in der Schanze und vor wenigen Wochen erst das Cena in
Stellingen.
Marc Mueller, der
Besitzer und Küchenchef, kommt aus der gehobenen Gastronomie, was man seinem
italienisch inspirierten Menü gleich anmerkt. Meines begann mit einem Ausflug
nach Japan: Dashi vom gerösteten Kürbis mit Blaualgen und Yuzu-Abrieb – ein
Geschmack so hell und klar wie ein Glockenschlag. Cremige Berglinsen mit
Haselnuss und Trüffel, Pasta mit Tomatenessenz, Steinblume und Bärlauchöl …
alles sehr gekonnt. Im Hauptgang dann etwas Schlichtes: ein halber Spitzkohl,
scharf angebraten, aber bissfest, dazu Aprikosenreduktion und eine Beurre
blanc.
© Pia Bublies für die ZEIT/DIE ZEIT
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Elbvertiefung – Der tägliche Newsletter für Hamburg
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So ein Teller ist typisch für die neuen
vegetarischen Restaurants: Sie verzichten auf Fleischersatzprodukte und
zelebrieren Gemüse – gerade solche Sorten, die in der klassischen Küche als
unfein abgetan wurden. Das ist spannend, weil es dazu einlädt, Essgewohnheiten
zu hinterfragen. Vielleicht diesmal Spitzkohl statt Spargel fürs Osteressen?
Apropos: Das Cena heißt tagsüber Pastorale und
nutzt einen besonderen Ort: das Café der Kirchengemeinde Stellingen. Wer also am
Karfreitag ausgehen möchte, kann es kaum sinniger treffen.
Ich
wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Michael Allmaier
P.S. Wir wünschen Ihnen frohe Osterfeiertage! Die
nächste Elbvertiefung erreicht Sie wieder am Dienstag, wie gewohnt
um 6 Uhr. Und wenn wir Ihnen bis dahin fehlen, dann hören Sie doch unseren
Podcast. Zur aktuellen Folge „Tod auf der Davidwache“ und zu unserem
Archiv geht es
hier.
WAS HEUTE WICHTIG IST
Der Wolf, der in Altona eine Frau verletzt hat, ist nun in einer Wildtierauffangstation bei
Sachsenhagen im Landkreis Schaumburg, teilte die Umweltbehörde mit. Auch der
Wolf habe oberflächliche Verletzungen und Wunden, gab sie weiter an, eine
Tollwuterkrankung sei aber unwahrscheinlich. Über seinen langfristigen Verbleib
soll zeitnah entschieden werden.
© Axel Heimken/picture alliance/dpa
Zu Ostern wird das
Wetter wechselhaft. Heute rechnet der Deutsche Wetterdienst mit Wolken am
Himmel und etwas Regen, bei etwa 11 Grad Celsius in Hamburg. Der Freitag
verläuft ähnlich mit 10 Grad, auch Samstag und am Ostersonntag bleibt es
voraussichtlich wolkenreich und regnerisch bei um die 14 Grad. Wann und wo Sie
sich in diesem Jahr an einem Osterfeuer wärmen können, finden Sie auf dieser Seite.
Nach dem Messerangriff an einer Hamburger Schule hat ein
Haftrichter nun Haftbefehl gegen einen der beiden 15-jährigen mutmaßlichen
Täter erlassen. Nach Angaben der Polizei sitzt der Jugendliche wegen des
Verdachts des versuchten Totschlags mit gefährlicher Körperverletzung in
Untersuchungshaft.
Für den an der Ostsee festsitzenden Buckelwal sollen die
Rettungsversuche eingestellt werden. „Wir gehen fest davon aus, dass das Tier
dort verstirbt“, sagte der wissenschaftliche Direktor des Deutschen
Meeresmuseums. Die Chance, dass der Wal freikomme, sei sehr gering. Derzeit
liegt das große Tier in der Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht.
Am Mittwoch ist der laut Energiebehörde größte
Batteriespeicher der Stadt in Betrieb gegangen. Mit einer Kapazität von
fünf Megawattstunden kann der volle Speicher südlich vom Flughafen im
Gewerbepark Hamburg-Nord einen durchschnittlichen Fünf-Personen-Haushalt ein
Jahr lang versorgen. Er soll überschüssigen Strom aus Windparks und
Photovoltaikanlagen aufnehmen.
Nachricht des Tages
© Georg Wendt/picture alliance/dpa
Die Erosion des Hamburger Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) geht weiter: Im Mai 2025 war der Hamburger Spitzenkandidat Jochen Brack ausgetreten, im Dezember legte der Vorsitzende Konstantin Eulenburg sein Amt nieder. Am Dienstag erklärte nun Zaklin Nastić ihren Austritt aus der Partei. Nastić saß bereits für die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft und von 2017 bis 2023 im Deutschen Bundestag. 2023 trat sie im Streit aus der Linken aus und gründete 2024 das BSW mit. Sie hatte die Mitgliedsnummer 11 und war im Parteivorstand.
In einem Brief wirft sie jetzt der Parteiführung unter anderem Klüngelei und Verachtung für die kleinen Leute vor: „Wer oben und bei den Medien unbequem war, weil er oder sie zu scharfe Kritik an Corona-Lockdowns oder dem Ukraine-Krieg geübt hatte, durfte oft nicht eintreten“, schreibt sie darin. Die Bundesvorsitzenden Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi nannten Nastićs Austrittserklärung „konfus“. In dem Schreiben plädiert sie außerdem für eine „punktuelle und pragmatische Zusammenarbeit“ mit der AfD und lobt Tino Chrupalla und Alexander Gauland als potenzielle Mitstreiter gegen eine Unterstützung der Ukraine. Will Zaklin Nastić am Ende bei der AfD ihre politische Laufbahn weiterführen? „Nein, ich bin parteilos und habe nicht vor, es zu ändern“, erklärte sie gegenüber der ZEIT.
Christoph Twickel
AUS HAMBURG
© Böhm Monika/plainpicture
Dann kam der Häcksler
80 Jahre lang lieferten Forsythien an der Lombardsbrücke
Daten für die Wissenschaft. Nun ließ die Bahn fast alle abholzen. Doch es keimt
Hoffnung, schreibt ZEIT-Redakteur Yannick Ramsel. Lesen Sie hier einen Auszug
aus seinem Artikel.
Jens Iska-Holtz ahnte nicht, dass er Zeuge einer Zerstörung werden würde.
An einem sonnigen Tag Ende Februar verließ der Rentner sein Haus in Hohenfelde
und machte sich zu Fuß auf den Weg zur Lombardsbrücke zwischen Binnen- und
Außenalster. Auf einem Erdhang an der Brücke stehen Forsythien. Iska-Holtz
wollte kontrollieren, ob sie schon erste, leuchtend gelbe Blüten tragen. Das
machte er in den vergangenen 42 Jahren, wenn es zu Jahresbeginn wärmer wurde,
täglich. Er hatte seine Digitalkamera bei sich, um Fotos zu schießen.
Die Forsythien an der Lombardsbrücke stehen seit über 80 Jahren unter
Beobachtung: Jedes Jahr wird festgehalten, wann genau sie zu blühen beginnen.
Das Ergebnis ist die längste ununterbrochene Beobachtungsreihe einer Pflanze in
Deutschland, auch international gibt es nicht viele, die länger andauern. Die
Daten fließen beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Vorhersagen zum Pollenflug
ein oder in meteorologische Modelle, auf die Landwirte zurückgreifen, um etwas
über Bodenfeuchtigkeit oder das Waldbrandrisiko zu erfahren. Aus der
Beobachtung von Pflanzen ziehen Wissenschaftler auch Hinweise auf die Effekte
der Klimaerwärmung. So wurde etwa errechnet, dass die Blüte und die
Blattentfaltung von Pflanzen in den mittleren und höheren Breiten der
Nordhalbkugel zuletzt pro Jahrzehnt einen bis vier Tage früher eingesetzt haben
– dass der Frühling also immer früher beginnt.
Rund 1.000 Ehrenamtliche beobachten deutschlandweit im Auftrag des DWD
Pflanzen. Außer Forsythien zum Beispiel auch Hasel, Holunder und Stieleichen.
All diese Pflanzen reagieren sensibel auf Klimaveränderungen und sind weit
verbreitet, also lassen sie sich gut vergleichen. Der ehemalige
Immobilienmakler Iska-Holtz übernahm 1984 die Beobachtung an der Lombardsbrücke
von seinem Bekannten Carl Wendorf, der 1945, noch im Krieg, damit begonnen
hatte. Für gute Berechnungen ist wichtig, dass die Aufzeichnungen lückenlos
sind und Jahr für Jahr dieselben Exemplare beobachtet werden.
Als Iska-Holtz an jenem Tag Ende Februar die Brücke erreichte, erwartete
den 86-Jährigen ein „brutaler“ Anblick, wie er später erzählt: Arbeiter in
Warnwesten, große Landwirtschaftsmaschinen. Ein Häcksler spuckte Holzspäne in
eine Mulde. „Ich dachte, ich hätte mich verlaufen“, sagt Iska-Holtz. Die
Forsythien waren abgeholzt. „Was machen Sie da?“, fragte er die Arbeiter, doch
sie sprachen nur Polnisch.
Ob der Häckslereinsatz nun
das Ende der Beobachtungsreihe bedeutet, erfahren Sie hier.
→ Zum
Artikel (Z+)
SCHON GELESEN?
© Image By Marc Gutierrez/Getty Images
„Aber
dann fing es an zu eskalieren“
Bei öffentlichen Ostereiersuchen gab es
mancherorts so viel Ärger, dass sie dieses Jahr abgesagt werden mussten. Nicht
wegen der Kinder, sagt die Organisatorin der Ostereiersuche in Bad Oldesloe. ZEIT-Redakteurin Stella Schalamon sprach mit ihr darüber. → Zum
Artikel (Z+)
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
Seit dem vergangenen Wochenende ist das
Hafenmuseum wieder geöffnet. Zu sehen sind nicht nur die zahlreichen
Exponate im 50er-Schuppen am Kai, sondern auch die Außenanlagen, über die
früher der Warenverkehr von und nach Südamerika umgeschlagen wurde. Auch die
Viermastbark „Peking“ kann wieder besucht werden: In der Winterpause sind die
Kapitäns- und Mannschaftsräume restauriert worden. Das Schiff kann im Rahmen
einer Führung besichtigt werden.
Deutsches Hafenmuseum, Schuppen 50 A, Australiastraße; Mo, Mi–Fr 10–17 Uhr, Sa+So, Feiertage
10–18 Uhr, Di geschlossen
MEINE STADT
Vorbereitungen laufen – frohe Ostern! © Jan Jepsen
HAMBURGER SCHNACK
Religionsunterricht 2. Klasse.
Die Kinder schauen gemeinsam ein Bilderbuch zum Thema Ostern an. Zum Abschluss
taucht die Frage auf, was denn die Engel mit Gott zu tun haben. Antwort einer Schülerin:
„Das sind seine Angestellten.“
Gehört von Birgit Petzold
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