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Dublin – Also doch! Nachdem die irische Billigfluglinie Ryanair beteuert hat, sich gegen Kerosinmangel und explodierende Preise abgesichert zu haben, spricht der Chef jetzt doch von drohenden Lieferengpässen und möglichen Flugstreichungen. In jedem Fall könnten die Preise steigen, erklärte Michael O’Leary, Vorstandsvorsitzender der nach Passagierzahlen größten Airline in Europa.
Ryanair gab an, 80 Prozent seiner Treibstoffkosten bis zum nächsten März zu einem Preis von 67 US-Dollar pro Barrel abgesichert zu haben – bei einem Marktwert von heute annähernd 200 US-Dollar pro Barrel. Allerdings: O’Leary zufolge habe die Blockade der Straße von Hormus, über die zu Friedenszeiten mehr als ein Fünftel des weltweiten Erdöls transportiert wird, zu Unsicherheit geführt, ob der Treibstoff vollständig ankommt.
Konkret geht es um Lieferungen aus Kuwait. O’Leary: „Der Transport nach Europa ist noch ungewiss, und wir wissen nicht, wann und wie das geschehen wird.“

Klingt plötzlich weniger optimistisch: Ryanair-Chef Michael O’Leary (65)
Foto: REUTERS
Im Mai und Juni könnten dadurch 25 Prozent der Lieferungen für Ryanair gefährdet sein, sagte O’Leary bei Sky News. „Sollte im Juni, Juli oder August ein Risiko für 10 oder 20 Prozent der Treibstoffversorgung bestehen, müssten wir und alle anderen Fluggesellschaften damit beginnen, Flugstreichungen oder Kapazitätsreduzierungen in Betracht zu ziehen.“
Ryanair plant derzeit keine Preiserhöhungen wegen des Kriegs im Iran. Sollten Wettbewerber die Preise erhöhen, könnte Ryanair nachziehen. Am Sonntag hatte O’Leary in einem Interview in seiner irischen Heimat gesagt, er erwarte für den Sommer einen Anstieg der Flugpreise um mehr als drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einer der Gründe: Kapazitätsengpässe. In Asien haben Fluggesellschaften verschiedener Länder bereits damit begonnen, Flüge zu streichen.
Lufthansa-Chef spricht schon von Kurzarbeit
Auch der Lufthansa-Konzern, der seinen Treibstoffbedarf nach eigenen Angaben bis zu 80 Prozent abgesichert hat, stellt sich auf steigende Ticketpreise ein. Diese könnten dafür sorgen, dass dauerhaft weniger Menschen in ein Flugzeug steigen, heißt es aus Frankfurt am Main.
Nach Informationen des „Handelsblatts“ lässt Lufthansa-Chef Carsten Spohr (59) derzeit intern prüfen, ob man bis zu 40 Flugzeuge am Boden stehen lassen könne. Erste Wahl seien Spritfresser-Jets, die ohnehin kurz vor der Ausmusterung stünden. Auf der Streichliste stünden dann wenig profitable Europastrecken. Die eigene Belegschaft bereitete Spohr schon vorsorglich auf mögliche Kurzarbeit vor.