
In Berlin-Neukölln sind am frühen Donnerstagmorgen erneut Schüsse gefallen. Wie die Leitstelle der Polizei dem rbb mitteilte, meldeten sich um kurz vor fünf Uhr zwei Zeugen, die angaben, Schüsse gehört zu haben. Einsatzkräfte einer Funkstreife entdeckten daraufhin zwei Einschusslöcher in einer Scheibe eines Cafés in Neukölln.
Das Lokal liegt in der Hermannstraße. Darin hätten sich zu dem Zeitpunkt bis zu sechs Personen befunden. Verletzt wurde niemand.
Vorfälle häufen sich
Zu möglichen Tätern liegen noch keine Informationen vor. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen wegen des Verdachtes der versuchten gefährlichen Körperverletzung übernommen.
Es ist bereits der dritte Vorfall mit Schüssen in Berlin in dieser Woche. Erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch waren bei einem Streit in einer Shisha-Bar Schüsse gefallen. Zwei junge Männer wurden mutmaßlich dabei verletzt. Beide wurden vorläufig festgenommen. Am Dienstag hatte die Polizei ebenfalls in Neukölln Einschusslöcher an einem Lokal in der Buschkrugallee gefunden.
Sondereinheit ermittelt
Schon in der Nacht auf Sonntag wurden ebenfalls Schüsse auf ein anderes Café in der Hermannstraße abgegeben. Zu dem Zeitpunkt sollen sich mehrere Personen in den Räumlichkeiten aufgehalten haben. Verletzt wurde dabei niemand.
Die Ermittlungen in diesen Fällen hatte nach Polizeiangaben immer die Sondereinheit „Ferrum“ (lateinisch für Eisen) übernommen. Auch in dem aktuellen Fall in Neukölln ermittelt sie. Sie wurde nach zahlreichen Schießereien am 13. November 2025 eingerichtet und wird hinzugezogen, wenn Taten im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität stehen können.
Hintergrund sind wiederholte Angriffe in Berlin mit Bezug zu Schutzgelderpressungen und Revierkämpfen. Auch die Staatsanwaltschaft hat deshalb eine neue Ermittlungsgruppe namens „Telum“ (lateinisch für Angriffswaffe) eingerichtet.
„Ferrum“ soll wachsen
Mehr als 60 Beamtinnen und Beamte ermitteln derzeit laut Behörde bei „Ferrum“. Weitere sollen hinzukommen. Nach Angaben eines Polizei-Sprechers soll die Einheit auf über 100 Kräfte wachsen. Einen konkreten Zeitpunkt nannte er dafür nicht. Die Anzahl variiere täglich und sei auch abhängig von geplanten Einsatzvorhaben.
Nach der polizeilichen Kriminalstatistik hat der Gebrauch von Schusswaffen in Berlin stark zugenommen. 2025 erfasste die Polizei 68 Prozent mehr Straftaten als 2024, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde. Insgesamt wurden laut Statistik 1.119 Fälle registriert, etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen.
Sendung: rbb 88.8, 02.04.2026, 16 Uhr
Audio: rbb 88.8, 02.04.2026, Michael Ernst