Stand: 04.03.2026 20:51 Uhr
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat wegen Geldnot eine Stellenbesetzungssperre verkündet – bis auf Weiteres mit offenem Ende. Das betrifft rund 150–200 Stellen. GEW und AStA kritisieren das Land.
Die CAU steht nach eigenen Angaben vor erheblichen Finanzproblemen. Nach Angaben von Uni-Kanzlerin Claudia Ricarda Meyer ist die neue Ziel- und Leistungsvereinbarung mit dem Land Schleswig-Holstein für die Jahre 2026 bis 2029 ein Grund dafür. Dadurch sei die Uni mit massiven Haushaltskürzungen in ihrer Grundfinanzierung bei gleichzeitig steigenden Betriebskosten konfrontiert. Deshalb gibt es laut Meyer ab sofort eine Stellenbesetzungssperre. Etwa 150 bis 200 Stellen würden in diesem Jahr frei und bleiben dies erstmal auch.
Freie Stellen bleiben für neun Monate unbesetzt
Diese gilt laut Universität mit offenem Ende und funktioniert folgendermaßen: Wenn ab jetzt eine Stelle frei wird, bleibt sie für neun Monate unbesetzt. Das bedeutet auch, dass es in diesem Jahr keine neuen Anstellungen geben wird. Am stärksten betroffen seien wissenschaftliche Mitarbeiter, von denen viele befristet angestellt sind und deren Verträge nicht verlängert werden. Grundsätzlich seien aber alle Stellen der Universität betroffen. Die Uni rechnet entsprechend mit Qualitätseinschnitten bei Lehre und Forschung.
Maßnahme bleibt womöglich auch im Jahr 2027 bestehen
Die Maßnahme soll laut Claudia Ricarda Meyer dazu beitragen, die Universität handlungsfähig zu halten. Sonst drohe eine komplette Haushaltssperre. 8 Millionen Euro von den notwendigen 20 Millionen möchte die Uni laut Meyer dieses Jahr mit der Maßnahme einsparen. Die Uni wolle regelmäßig prüfen, ob man die Sperre aussetzen könne – Meyer geht aber fest davon aus, dass sie bis ins kommende Jahr bestehen bleibt. Der Posten einer neuen Uni-Präsidentin oder Präsidenten ist von dieser Maßnahme nicht betroffen, sagte sie. Auch die Bewerbung zur Exzellenz-Uni soll nicht unter der Maßnahme leiden.
Flensburg hat bereits Wiederbesetzungssperre
Auch die Europa-Universität Flensburg (EUF) steht vor ähnlichen Herausforderungen. Dort gibt es schon seit dem vergangenen Jahr eine Wiederbesetzungssperre. Laut Pressestelle ist die Hochschule in Abstimmung mit dem Ministerium gewachsen, doch das Grundbudget sei nicht im gleichen Maß gestiegen. Es gebe mehr Aufgaben, aber nicht ausreichend zusätzliche Mittel. Konkrete Folgen der Sperre nennt die Universität nicht. Aktuell laufen Struktur- und Entwicklungsplanungen, die die Hochschulen alle fünf Jahre durchführen müssen. Ziel sei es, sich trotz knapper Kassen so aufzustellen, dass die Europa-Universität Flensburg ein guter Ort für Bildung bleibt.
Bildungsministerin steht zu Ziel- und Leistungsvereinbarung
Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) verweist auf die Hochschulautonomie. Das bedeutet: Die Universitäten können selbst entscheiden, wie und wo sie sparen.
Ich glaube, die Universitäten werden gute Entscheidungen mit Augenmaß treffen, wie sie mit der Situation jetzt umgehen.
Bildungsministerin Dorit Stenke, CDU

Dr. Dorit Stenke, CDU, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, hält an Ziel- und Leistungsvereinbarung mit den Hochschulen fest.
Das Land habe außerdem zugesagt, steigende Tariferhöhungen zu bezahlen. Auch wenn zunächst mehr Geld zugesagt wurde, seien keine Gelder gekürzt worden. Das Land plane nicht, die Vereinbarung wieder rückgängig zu machen.
AStA und GEW warnen vor Qualitätsverlust
Auch der Allgemeine Studierendenausschuss der CAU, kurz AStA, und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) befürchten Einschnitte bei der Lehrqualität.
Wir sehen jetzt schon immer vollere Kurse und immer mehr studentische Hilfskräfte, die konkret die Lehre übernehmen. Das ist kein Zustand, der für uns langfristig tragbar ist.
Lea Marie Lopau, Studierendenausschuss AstA
Eine weitere Befürchtung sei, dass administrative Prozesse noch länger dauern. Bereits aus Flensburg wisse Lopau, dass es massive Probleme mit der Einschreibung gab. Auch dort würden Kurse immer voller und einige Fächer stünden auf der Kippe.
GEW-Landesvorsitzende Franziska Hense sagte, dass vor allem befristet Beschäftigte die Finanzprobleme ausbaden müssten und viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um ihre Verträge bangen müssten.

Studierende sitzen in einem Hörsaal. Hörsäle könnten künftig voller werden.
Kritik auch von Opposition
Die hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Birgit Herdejürgen, sagte zu der Stellensperre, dies sei zwar eine notwendige Reaktion auf die Haushaltskürzungen der Landesregierung – mit diesen Kürzungen aber würden die Universitäten kaputtgespart werden.
Der Landesvorstand der FDP, Christopher Vogt, bemängelte die falsche Schwerpunktsetzung der Landesregierung und forderte, den „aktuellen Irrweg der Hochschulpolitik“ zu verlassen.

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel soll 18,5 Millionen Euro weniger Geld bekommen. Das Ministerium spricht von einer geringeren Summe.

Bewerbungsschluss ist Mitte Februar. Das Verwaltungsgericht Schleswig hatte die vergangene Wahl gekippt.

400 Millionen Euro bekommen alle Hochschulen jedes Jahr vom Land. Etwa 500 Millionen bräuchten sie, sagt das Präsidium der Kieler Uni.

Ein neues Finanzierungsmodell für staatliche Unis und Hochschulen in Schleswig-Holstein sorgt für Unsicherheit.