Leopoldshöhe. Dass Nachwuchs in der lokalen Politik unentbehrlich ist, ist wohl unstrittig. Auch in Leopoldshöhe gibt es einige junge Gesichter im Gemeinderat. Sie eint: Alle sind höchstens 30 Jahre alt. Heute geht es um Rouven Diekmann (FDP) – mit 22 das derzeit jüngste Ratsmitglied.

Wie kann man junge Menschen für Politik begeistern? Diese Frage beschäftigt viele Parteien, auch auf kommunaler Ebene. Um Nachwuchs zu gewinnen, setzen sie zunehmend auf soziale Medien, hoffen, dort Interesse zu wecken und Einblicke in die politische Arbeit vor Ort zu geben.

Auch im Gespräch mit Rouven Diekmann kommt diese Frage schnell auf. Der 22-Jährige ist das jüngste Mitglied im Gemeinderat von Leopoldshöhe und vertritt dort die FDP. Seine eigene politische Laufbahn zeigt: Oft sind es persönliche Kontakte, die den ersten Anstoß geben. Bei ihm war es ein Schulfreund, der sein Interesse an politischen Themen geweckt hat.

Gemeinsam besuchten sie die Oberstufe und diskutierten nicht nur im Unterricht oder auf dem Pausenhof, sondern auch in ihrer Freizeit regelmäßig über das politische Geschehen. Besonders der Sozialwissenschaftsunterricht hinterließ Spuren. „Das war kein trockenes Fach, sondern eines, das zum Mitdenken eingeladen hat“, sagt Diekmann rückblickend.

Seit rund fünf Jahren ist Diekmann Mitglied der FDP. Er ist in Leopoldshöhe verwurzelt, besuchte den Kindergarten „Kleine Strolche“ und lebt bis heute in der Gemeinde. Nach seinem Abitur in Bielefeld studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Universität Paderborn.

Bei der Kommunalwahl 2025 kandidierte er erstmals für den Gemeinderat. Über die Reserveliste zog er schließlich in das politische Gremium ein – als einziger Vertreter der Liberalen. Eine Rolle, die nicht nur Verantwortung, sondern auch eine gewisse Eigenständigkeit mit sich bringt. Ohne Fraktion im Rücken fehle mitunter der Rückhalt. „Man fühlt sich manchmal etwas abgesondert“, sagt Diekmann. „Der Einfluss, den man am Ende wirklich hat, ist vielleicht etwas begrenzt im Vergleich zu den Fraktionen“, sagt Diekmann. Letztendlich hänge jedoch vieles von den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen im Rat ab.

Sein Fokus liegt auf den Finanzen

Der 22-Jährige arbeitet in Vollzeit als Wirtschaftsprüfungsassistent in Bielefeld. Zahlen, Strukturen, Verantwortung – das sind Themen, die ihn auch politisch leiten. Sein Fokus liegt klar auf der Haushaltskonsolidierung der Gemeinde. „Ich glaube, dass man nur mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Finanzen langfristig investieren kann“, sagt er. Große Projekte wie das Baugebiet Brunsheide, das vor allem für junge Familien attraktiv sei, seien nur realistisch, wenn die Gemeinde finanziell solide aufgestellt ist.

Trotz aller Herausforderungen sieht Diekmann seine Position nicht als Bürde, sondern als Signal. Junge Menschen seien mehr als nur eine Randnotiz, sie können Vorbilder sein. „Es braucht junge Leute in der Politik, damit andere überhaupt auf den Zug aufspringen“, sagt er. So könnten sie sehen, dass man auch in jungen Jahren etwas bewegen kann.

Sein Rat an Gleichaltrige: einfach den ersten Schritt wagen und Kontakt aufnehmen. „Politik wirkt nach außen manchmal verschlossener, als sie eigentlich ist“, sagt er. Wenn er gerade nicht arbeitet oder politische Themen wälzt, findet man Diekmann oft draußen in der Natur beim Wandern.

Und noch eine Leidenschaft hat der junge Kommunalpolitiker: Kaffee. Ein Besuch im Café gehört für ihn zu den kleinen Auszeiten vom beruflichen und politischen Alltag.