Herford. Kurz vor den Osterfeiertagen geht plötzlich nichts mehr am Herforder Bahnhof. Aus einem Güterzug ist Schwefelsäure ausgetreten. Die Feuerwehr wird am Gründonnerstag gegen 11.10 Uhr von Mitarbeitern der Deutschen Bahn alarmiert. Der Bahnhof muss evakuiert werden. Auch für den Busverkehr bedeutet das erhebliche Konsequenzen.
Nach ersten Informationen soll eine geringe Menge der hochgradig giftigen Substanz ausgelaufen sein. Der Zug steht etwa 150 bis 200 Meter vor dem Bahnhof auf einem Gleis. Die Ursache des Austritts sei unklar, berichtet die Feuerwehr. Es könne womöglich eine Undichtigkeit am Kesselwagen sein oder auch ein Überlauf.
„Aktuell treten keine Gase oder Dämpfe aus, die Lage ist statisch“, sagt ein Feuerwehrsprecher. Die Deutsche Bahn muss die Oberleitung im Bereich erden, damit die Einsatzkräfte keinen elektrischen Schlag riskieren. Dann muss die Schwefelsäure mit Chemikalien gebunden werden.
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Einsatz in Herford dauert bis zum Abend an
Konzentrierte Schwefelsäure kann bei Kontakt schwere Verätzungen, die einer Verbrennung ähneln, verursachen. Die Einsatzkräfte tragen entsprechende Schutzanzüge in leuchtendem Gelb. 80 Feuerwehrleute sind vor Ort – darunter das Team vom Herforder ABC-Spezialfahrzeug und die Werksfeuerwehr Minden. Verletzt wird nach ersten Erkenntnissen niemand.
„Die Kollegen aus Minden prüfen, wo die Säure austritt. Ist der Kessel undicht? Oder gibt es Überdruck? Entweder muss dann eine Dichtung getauscht oder Druck abgelassen werden“, sagt Karsten Buschmann, Leiter der Herforder Feuerwehr.
Schläuche müssen im Bereich der Gleise verlegt werden, um mögliche weitere auslaufende Schwefelsäure verdünnen zu können. Zur Sicherheit der Einsatzkräfte kann der Bahnverkehr bis zum Ende des Einsatzes nicht wieder aufgenommen werden.
Wagon ist wieder dicht
Inzwischen (Stand 18 Uhr) ist der Wagon mit der auslaufenden Schwefelsäure wieder dicht. „Die Feuerwehr Herford hat mit Unterstützung der Kollegen aus Minden ganze Arbeit vor Ort geleistet“, schreibt die Stadt Herford und bedankt sich bei den Einsatzkräften.
Einsatz am Herforder Bahnhof beendet
Gegen 19.30 Uhr ist der Einsatz beendet und der Zugverkehr kann wieder aufgenommen werden. In der Folge kann es laut Angaben der Bahn aber noch zu teilweise hohen Verspätungen und gegebenenfalls zu Teilausfällen kommen.
Zugverkehr in ganz NRW ist von dem Einsatz in Herford betroffen
ABC-Einsätze seien nichts Außergewöhnliches für die Feuerwehr, so Buschmann. Eine Lage in dieser Größenordnung, die am Ende Konsequenzen sogar für den gesamten Bahnverkehr in NRW kurz vor Ostern hat, aber schon, so Buschmann.
Laut „Zuginfo.NRW“ sind etliche Linien wegen des Feuerwehreinsatzes von der Streckensperrung betroffen, so die RE6, die RE70, die RE78 sowie die RB61 und RB71. „Die Züge halten am nächsten Bahnhof und warten zunächst. In der Folge kommt es zu Verspätungen und wahrscheinlich zu Teilausfällen“, informiert die Bahn. Zwischen Bielefeld und Löhne fahren Ersatzbusse. In Bielefeld führt die Evakuierung in Herford ebenfalls zu einem großen Andrang am Bahnhof und zu Zugausfällen.
Stadtbusverkehr in Herford wird eingestellt
Zur Nervenprobe wurde der Einsatz am Bahnhof auch für die Fahrgäste des Stadtbussystems ab 12 Uhr. Denn ab dieser Uhrzeit stellte die Stadtbusverkehr Herford GmbH (SVH) den Fahrbetrieb aller Stadtbuslinien komplett ein. Die Entscheidung hierfür sei gegen 11.30 Uhr gefallen, berichtet Tobias Tempel, bei der SVH für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, auf Nachfrage der Neuen Westfälischen.
„Total ärgerlich“, nennt Tempel diese Maßnahme, die aber unausweichlich gewesen sei. „Da sind uns die Hände gebunden.“ Denn mit der kompletten Sperrung des Bahnhofsvorplatzes durch Einsatzkräfte wie Feuerwehr und Polizei sei auch der Hauptknotenpunkt für die Stadtbusse nicht mehr nutzbar gewesen. Folge: „Die Leute, die zum Bahnhof kommen, sind verloren.“
Gegen 13.30 Uhr sei der Betrieb laut SVH wieder angelaufen, teilt die Verkehrsgesellschaft mit. Doch warum wurde der Busverkehr direkt gestoppt? Man habe die Buslinien aufgrund der im Aufbau befindlichen Osterkirmes auf der Straße „Auf der Freiheit“ nicht mehr vernünftig umleiten können. Die Straßen im Bahnhofsumfeld seien durch den allgemeinen Kraftverkehr schon überfüllt gewesen. „Es ist schwierig, den Leuten zu sagen, wie sie an ihr Ziel kommen können“, fasst Tempel die missliche Situation des SVH-Verkehrs in dieser Phase zusammen.
Was Reisende zu dem ungewollten Zwischenstopp in Herford sagen
Man habe verhindern wollen, dass Fahrgäste irgendwo im Stadtgebiet gestrandet wären, so Tempel weiter. Über die Einstellung des Stadtbusverkehrs habe man die Fahrgäste über die neue WhatsApp-Gruppe informiert. Diese Gruppe habe mittlerweile 779 Follower, wie Tempel berichtet. Aus der Tatsache, dass unter der SVH-Servicerufnummer relativ wenige Anrufe von Ratsuchenden eingegangen seien, schließe man bei der SVH, dass dieses digitale Angebot funktioniere.
Besonders über das Osterwochenende ist viel los am Bahnhof und Passanten sind auf die Bahn angewiesen. Die sitzen fest. „Das Schlimmste ist, dass wir jetzt keine Info kriegen. Ich weiß jetzt nicht, wie es weiter geht“, so Senja Konttori im Gespräch mit der NW kurz nach der Evakuierung. Sie war auf dem Weg nach Hause. Bahnausfälle seien aber für sie keine Neuigkeit mehr. Auch den zwei Freundinnen Nesrin Khali und Lina Qaro steht der 30-minütige Heimweg bevor. „Als wir mit dem Bus in Herford angekommen sind, wussten wir gar nicht, was los ist“, so Khali. Qaro hofft: „Wir versuchen, Freunde zu erreichen, die uns abholen könnten.“
Auch am Bielefelder Hauptbahnhof sorgen die Zugausfälle für Chaos. – © Barbara Franke
Man habe verhindern wollen, dass Fahrgäste irgendwo im Stadtgebiet gestrandet wären, so Tempel weiter. Über die Einstellung des Stadtbusverkehrs habe man die Fahrgäste über die neue WhatsApp-Gruppe informiert. Diese Gruppe habe mittlerweile 779 Follower, wie Tempel berichtet. Aus der Tatsache, dass unter der SVH-Servicerufnummer relativ wenige Anrufe von Ratsuchenden eingegangen seien, schließe man bei der SVH, dass dieses digitale Angebot funktioniere.
Besonders über das Osterwochenende ist viel los am Bahnhof und Passanten sind auf die Bahn angewiesen. Die sitzen fest. „Das Schlimmste ist, dass wir jetzt keine Info kriegen. Ich weiß jetzt nicht, wie es weiter geht“, so Senja Konttori im Gespräch mit der NW kurz nach der Evakuierung. Sie war auf dem Weg nach Hause. Bahnausfälle seien aber für sie keine Neuigkeit mehr. Auch den zwei Freundinnen Nesrin Khali und Lina Qaro steht der 30-minütige Heimweg bevor. „Als wir mit dem Bus in Herford angekommen sind, wussten wir gar nicht, was los ist“, so Khali. Qaro hofft: „Wir versuchen, Freunde zu erreichen, die uns abholen könnten.“
