Mehr als 40 Staaten haben bei einer von Großbritannien initiierten Videokonferenz über ein gemeinsames Vorgehen gegen die iranische Blockade der Straße von Hormus beraten. Im Zentrum der Gespräche standen laut britischem Außenministerium diplomatische, wirtschaftliche und militärische Optionen, um die wichtige Handelsroute wieder zu öffnen.

Außenministerin Yvette Cooper sprach nach dem Treffen von einer „klaren Entschlossenheit“, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Es werde „jede mögliche diplomatische, wirtschaftliche und koordinierte Maßnahme“ geprüft, berichtete die Zeitung The Guardian unter Berufung auf die britische Regierung. Ziel sei es, Teheran zur Freigabe der Meerenge zu bewegen, deren Blockade weltweit Lieferketten und Energiepreise beeinflusst.

EU bringt militärische Absicherung ins Spiel

Parallel zu den diplomatischen Bemühungen rücken militärische Optionen stärker in den Fokus. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas brachte laut BBC ins Spiel, die europäische Marinepräsenz auszuweiten, um die sichere Passage durch die Straße von Hormus nach den kriegsbedingten Störungen wiederherzustellen. 

Konkret geht es um eine mögliche Verstärkung der EU-Mission „Aspides“, die bislang Schiffe im Roten Meer schützt. Diese müsse angesichts der Lage ausgeweitet werden, erklärte Kallas. „Diese Wasserstraße ist ein globales öffentliches Gut. Der Iran darf keine Gegenleistungen für die Durchfahrt verlangen.“ Die EU verfüge über Instrumente, um den Schiffsverkehr zu überwachen und zu unterstützen, sagte Kallas weiter. Ziel sei es, die wichtige Handelsroute wieder zugänglich zu machen und einen weiteren Ausfall zentraler Lieferwege zu verhindern.

Damit reagierte sie auch auf Berichte, wonach Teheran die Passage zunehmend kontrolliert und wirtschaftlich nutzt. Laut einem Bloomberg-Bericht aus der vergangenen Woche wurden zuletzt informell Transitgebühren von bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Schiff erhoben, wenn auch nur in Einzelfällen.

Inzwischen geht der Iran offenbar einen Schritt weiter: Eine Parlamentskommission billigte laut Staatsmedien Pläne für ein offizielles Mautsystem, das auch Durchfahrtsverbote für Staaten wie die USA und Israel vorsehen könnte. Als Reaktion prüfen Golfstaaten laut aktuellen Berichten den Bau neuer Ölpipelines, um ihre Abhängigkeit von der Meerenge zu verringern.

Auch bei den Vereinten Nationen werden Optionen geprüft. Dem Guardian zufolge wird unter anderem über einen humanitären Korridor nachgedacht, um wichtige Güter wie Düngemittel trotz der Blockade transportieren zu können.

Sanktionen gegen den Iran und globaler Druck

Neben militärischen Maßnahmen diskutierten die Teilnehmer der Konferenz auch über wirtschaftlichen Druck. Nach Angaben aus London ging es unter anderem um zusätzliche Sanktionen gegen den Iran sowie um die Einbindung weiterer Staaten, insbesondere aus dem globalen Süden. Wie der Guardian berichtet, gilt es in westlichen Regierungen als bemerkenswert, dass sich auch Länder offen für Druckmaßnahmen zeigen, die bislang Sanktionen eher skeptisch gegenüberstanden.

Konkrete Beschlüsse wurden bei der Schalte jedoch nicht gefasst. Stattdessen soll der Druck schrittweise erhöht und in weiteren Gesprächen konkretisiert werden.

Militärplaner sollen Optionen prüfen

Bereits für die kommende Woche ist ein weiteres Treffen angekündigt. In Northwood bei London sollen Militärplaner prüfen, wie sich die Sicherheit in der Straße von Hormus konkret wiederherstellen lässt. Diskutiert werden laut britischem Verteidigungsministerium unter anderem Maßnahmen zur Räumung von Seeminen und zur Unterstützung festsitzender Schiffe.

Die USA nahmen an der aktuellen Krisenschalte nicht teil. Präsident Donald Trump hatte zuletzt erklärt, betroffene Staaten sollten selbst handeln und sich notfalls Zugang zur Meerenge verschaffen. „Ihr müsst lernen, für euch selbst zu kämpfen. Die USA werden euch nicht mehr helfen – so wie ihr uns nicht geholfen habt. Der Iran ist im Wesentlichen zerschlagen. Das Schwierigste ist geschafft. Holt euch euer eigenes Öl!“, so Trump. Großbritanniens Premierminister Keir Starmer stellte hingegen klar, dass eine Öffnung der Route „nicht einfach“ sei.

Straße von Hormus: 2000 Schiffe warten auf Durchfahrt

Die Gespräche zeigen, wie stark der Konflikt inzwischen über die Region hinaus wirkt. Nach Angaben Coopers sind nicht nur westliche Staaten betroffen, sondern vor allem auch Länder in Afrika und Asien. So könnten etwa Düngemittellieferungen unterbrochen werden, was die Ernährungssicherheit in ärmeren Regionen gefährde. Die Weltbank warnt demnach, dass Millionen Menschen zusätzlich von Nahrungsmittelknappheit betroffen sein könnten.

Zu Beginn der Videoschalte sagte die britische Außenministerin, in den vergangenen 24 Stunden hätten 25 Schiffe die Meerenge passieren können – eine internationale Schifffahrtsroute, auf der normalerweise 150 Schiffe pro Tag gezählt würden. Insgesamt würden derzeit 2000 Schiffe auf die Durchfahrt warten. Der Iran habe eine internationale Schifffahrtsroute gekapert, so Coopers weiter, und die Weltwirtschaft sei als Geisel genommen worden.