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Tonndorf (Thüringen) – Am Ufer des kleinen Flusses sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld. Erlen und Weiden liegen kreuz und quer durcheinander. Mindestens 12 Bäume wurden in kurzer Zeit niedergemacht, als hätte hier ein Holzfäller auf Speed gewütet. Doch das Massaker hat Familie Biber angerichtet.

Was wir am Ufer des Tonndorfbaches sehen, seien die Reste eines opulenten Abendessens von mindestens drei Bibern, sagt Marcus Orlamünder (47), Biberexperte beim Naturschutzbund (NABU). „Das war eine ganze Biberfamilie, die offenbar einen sehr großen Appetit hatte.“ Pro Nacht verputze so ein Tier knapp ein Kilo Rinde.

Der Biber steht unter Naturschutz (Symbolbild). Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland nur noch rund 200 Tiere, heute sind es wieder knapp 40.000

Der Biber steht unter Naturschutz (Symbolbild). Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland nur noch rund 200 Tiere, heute sind es wieder knapp 40.000

Foto: Felix Heyder/dpa

„Er fällt nur so viele Bäume, wie er braucht“

Doch den Bibern ging es nicht nur ums große Fressen. Die gefällten Bäume nutzen sie, um ihre Staudämme zu bauen. Jetzt, Anfang April, bereiten sich die Biber auf ihren Nachwuchs vor, der im Mai und Juni erwartet wird, erklärt Orlamünder. „Die gefällten Bäume dürfen auf keinen Fall beseitigt werden! Sie sind das Baumaterial der Biber und werden Stück für Stück von ihnen abgeholt.“ Er weiß: „Der Biber gilt als Motor der Biodiversität, denn in seinem geschaffenen Revier siedeln sich Amphibien, Ringelnattern, Fische, Vögel und Libellen an.“ Und er gehe nachhaltig mit der Natur um: „Der fällt nur so viele Bäume, wie er tatsächlich braucht.“

Gleich neben ihrem Picknick-Platz haben die Biber einen Staudamm gebaut. Und er wird bald noch größer

Gleich neben ihrem Picknickplatz haben die Biber einen Staudamm gebaut. Und er wird bald noch größer

Foto: Marcus Scheidel/MAS Bildagentur

Biber wandern oft 200 Kilometer

Seit 2018 leben Biber im Raum Bad Berka an der Ilm und ihren Nebenarmen wie dem Tonndorfbach. „Die ersten Biber kamen 2007 aus Sachsen-Anhalt oder Hessen zu uns nach Thüringen“, sagt der Experte. Sie würden auf der Suche nach einem optimalen Revier manchmal bis zu 200 Kilometer weit wandern. „Haben sie das gefunden, bleiben sie dort ein Leben lang.“

Marcus Orlamünder (47) arbeitet beim Naturschutzbund Thüringen, ist Biberexperte

Marcus Orlamünder (47) arbeitet beim Naturschutzbund Thüringen, ist Biberexperte

Foto: NABU Thüringen Archiv

Einwohner leben mit den Nagern

Die Menschen in Tonndorf (650 Einwohner) haben sich inzwischen mit den Bibern arrangiert. Gärtner Kai Engel (50) zu BILD: „Mich stören die Nager nicht. Sie gehören zum Ökosystem, man soll sie in Frieden lassen.“

Gärtner Kai Engel (50) stören die Nager in seinem Dorf nicht

Gärtner Kai Engel (50) stören die Nager in seinem Dorf nicht

Foto: Marcus Scheidel/MAS Bildagentur

Auch Rentnerin Inge Spangenberg (83) hat kein Problem mit den Bibern: „Sie legen Bäume um, das ist klar. Aber es ist ihr Futter, sie fressen die Rinde. Ich kannte die putzigen Tiere früher nur aus dem Fernsehen, nun haben wir sie und ihr Revier direkt vor unserer Haustür. Das ist faszinierend.“

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