Siegburg (dpa/anwi). Inmitten der Oster-Reisewelle hat ein Mann in einem ICE in Nordrhein-Westfalen Polizeiangaben zufolge mit einem Anschlag gedroht und Böller explodieren lassen. Zwölf Fahrgäste wurden leicht verletzt. Ein 20-Jähriger warf in dem Zug auf dem Weg nach Frankfurt am Donnerstagabend gegen 21 Uhr laut Zeugenaussagen pyrotechnische Gegenstände, die mit Kunststoffkugeln gefüllt waren, wie ein Sprecher der Polizei Siegburg der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Polizei rückte mit schwer bewaffneten Beamten an, der ICE 19 wurde geräumt. Die Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar.

Die verletzten Fahrgäste erlitten dem Sprecher zufolge unter anderem Knalltraumata. Eine Sprecherin der Bundespolizei sprach nach einer ersten Lageeinschätzung auch von „leichten, oberflächlichen Hautverletzungen“ bei Betroffenen. Die meisten Fahrgäste in dem Zug kamen kurz vor Ostern aber mit dem Schrecken davon. Der Mann habe mit einem Anschlag gedroht und ein Messer im Rucksack gehabt, sagt die Sprecherin der Bundespolizei.

„Um 20.55 Uhr wurden vermeintliche Schüsse im Zug ICE 19 am Bahnhof Siegburg gemeldet“, teilt eine Bahn-Sprecherin mit. Nach ersten Untersuchungen der Polizei habe sich herausgestellt, dass es sich bei den Knallgeräuschen um gezündete Feuerwerkskörper gehandelt habe. Die Bundespolizei sprach von sogenannten Softair-Böllern.

Fahrgäste sperren Verdächtigen in Zug-WC ein


Ein Polizeifahrzeug vor dem Bahnhof Siegburg. Schwer bewaffnete Polizisten rückten zu dem Einsatz aus. - © Roberto Pfeil/dpa

Ein Polizeifahrzeug vor dem Bahnhof Siegburg. Schwer bewaffnete Polizisten rückten zu dem Einsatz aus.
| © Roberto Pfeil/dpa

Wie die Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis am frühen Freitagmorgen mitteilt, hatte der Tatverdächtige zunächst die Böller gezündet und sich dann auf eine Zugtoilette zurückgezogen. Dort hätten ihn Fahrgäste eingeschlossen, bis der Zug am Bahnhof eintraf.

Der 20-Jährige, ein Mann aus Aachen, sei dort von der Bundespolizei herausgezogen worden. Die Polizei nahm ihn in Gewahrsam. Das Motiv für die Tat unklar. Bei der Durchsuchung den Verdächtigen fanden die Beamten eine Maske, zwei Messer und zwei frei verkäufliche Rauchkörper.

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Insgesamt seien rund 180 Fahrgäste an Bord gewesen, die den Zug verlassen mussten. Viele von ihnen sind den Angaben zufolge Urlaubsreisende und standen mit Koffern auf dem Bahnsteig. Die Passagiere wurden in einer nahe gelegenen Turnhalle von der Siegburger Feuerwehr versorgt. Notfallseelsorger standen zur Betreuung bereit.

Der Zug wurde vorsichtshalber komplett untersucht und blieb so lange im Bahnsteig stehen. Ein Teil des Bahnhofsgeländes wurde zeitweise gesperrt.

Zugverkehr in NRW über mehrere Stunden eingeschränkt

Laut Bundespolizei war lediglich das betroffene Gleis gesperrt. Für andere Zugreisende zwischen Köln und Frankfurt blieb der Zwischenfall in der Nacht zum Karfreitag aber nicht ohne Folgen. „Die auf der Strecke befindlichen Züge des Fernverkehrs fahren zurück nach Frankfurt und führen die Fahrt zum Zielort über das Rheintal fort“, sagte eine Bahnsprecherin.

Das bedeutet: Es komme dort zu Verspätungen von zwei bis drei Stunden. Andere Fernverkehrszüge wurden laut Bahn umgeleitet.

Die Zugstrecke zwischen Hennef (Sieg) und Troisdorf war wegen des Polizeieinsatzes zwischenzeitlich gesperrt gewesen, wie aus dem Portal zuginfo.nrw hervorging. Betroffen gewesen seien Regionalexpress-Züge sowie Linien der S-Bahn Köln. Gegen 0.45 Uhr wurde das Bahngleis freigegeben.

Die Kriminalpolizei ermittelt gegen den Verdächtigen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung sowie Verstößen gegen das Sprengstoff- und das Waffengesetz.