Oerlinghausen. Die Alte Synagoge an der Tönsbergstraße, ganz in der Nähe des Bürgerhauses und der Kunstschmiede von Michael Raum sowie des jüdischen Friedhofs ist seit dem Jahr 1979 Ausstellungsort des Kunstvereins Oerlinghausen. Der aus einer Bürgerinitiative entstandene Verein feiert sein 50-jähriges Bestehen mit einer Reihe von Vorträgen, Konzerten, Ausstellungen und einem Sommerfest. Gisela Burkamp, langjährige künstlerische Leiterin, hat jüngst von den turbulenten Anfängen berichtet.
Den damals jungen Gründungsmitgliedern, darunter Dieter Kochsiek (86), sei es zu verdanken, dass die „Judenkirche“, wie sie im Volksmund oft genannt wurde, „aus der Vergessenheit, besser gesagt vor dem völligen Verfall gerettet wurde“. Gisela Burkamp skizzierte die weitere Entwicklung, „die im Laufe der Jahrzehnte für viel Aufregung in den Vorstandssitzungen des Vereins und für etliche Tumulte in den Ratssitzungen und Ausschüssen der Stadt sorgte“.
Historisches Haus fällt zunächst in die Hände des Landes NRW
Als in der ersten Ausstellung am historischen Ort Zeichnungen von Bernhard Oberdick gezeigt wurden, war die nötige Infrastruktur vorhanden, die Besitzverhältnisse aber waren ungeklärt. „Fünf Jahre nach dem Tod von Johann Sikka, dem letzten Eigentümer der Synagoge, war das Haus an das Land NRW gefallen“, erläuterte Gisela Burkamp. „1983 stand es zum Verkauf, nachdem die jüdischen Kulturgemeinden im Umkreis kein Interesse gezeigt hatten.“ Die Stadt Oerlinghausen besaß das Vorkaufsrecht.
Für den Kaufpreis von 20.000 D-Mark fand sich seinerzeit im Stadtrat allerdings keine Zustimmung. „Lediglich 10.000 D-Mark standen zur Verfügung“, weiß Gisela Burkamp. „Andere Interessenten meldeten sich bereits.“ Also kratzte der Kunstverein mit Spenden und dem restlichen Eigenkapital die fehlende Summe zusammen. „In einem unbürokratischen und schnellen Schritt besiegelte der damalige Stadtdirektor Bollhorst im letzten Augenblick den Kauf.“ Der Kunstverein konnte aufatmen – vorerst.
Die Kaufsumme, so die Vereinbarung, sollte „abgewohnt“ werden, so die lose Vereinbarung. Im Herbst 1984 stellte sich dann aber heraus, „dass eine noch umfangreichere Renovierung unumgänglich war“, so Burkamp. Kälte und Feuchtigkeit hätten der Bausubstanz zu schaffen gemacht. 135.000 D-Mark wurden veranschlagt, um das Haus vor dem totalen Verfall zu bewahren. Mit Kultusminister Schwier und Bauminister Zöpel, die nach Oerlinghausen kamen, gab es prominente Fürsprecher. „Und auch vor Ort“, führte Burkamp weiter aus, „waren sich die Kommunalpolitiker schließlich ihrer Verantwortung bewusst – mehr oder weniger, wenn auch im Finanzausschuss manchmal – wie berichtet wurde- die Fetzen flogen.“
Von 1985 bis 1986 ließ die Stadt die Alte Synagoge mithilfe von Denkmalschutzmitteln gründlich renovieren und baulich erweitern. Der Kunstverein wurde alleiniger Nutzer des Hauses. Am 7. September 1986 konnte die neue, alte Synagoge mit der Ausstellung von Verena Vernunft wiedereröffnet werden. Die Sorgen um den Erhalt des Hauses aber seien bis heute geblieben, hob Burkamp hervor und nannte etwa die nötige Sanierung der Fenster.