03. April 2026
Lars Lange

KI-generierte Grafik
Während das Pentagon Truppen verlegt, wächst eine strategische Lücke: Iran und Russland setzen auf Drohnen – die USA holen nur langsam auf. Eine Einschätzung.
Das Pentagon bereitet, vielen Anzeichen nach, Bodenoperationen im Iran vor — möglicherweise seit Wochen.
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Wie die Washington Post berichtet, umfassen die Planungen angeblich Kommandounternehmen durch Spezialkräfte und konventionelle Infanterie sowie mögliche Operationen entlang der iranischen Küste, darunter die Einnahme strategisch wichtiger Inseln im Persischen Golf.
Vom Luftkrieg zur Bodenoption – und zur entscheidenden Frage
Tausende US-Soldaten und Marineinfanteristen sind bereits in die Region verlegt worden. Das 31. Marine-Expeditions-Korps mit rund 2.200 Mann wurde laut Washington Post in den vergangenen Wochen in die Region beordert.
Wie es aussieht, hat die seit dem 28. Februar laufende US-israelische Luftkampagne nach mehr als vier Wochen weniger erreicht, als es die Ankündigungen des US-Präsidenten verstehen ließen. Es gibt einige Probleme, und die sind nicht klein.
Die Straße von Hormus ist für die Schifffahrt gesperrt. Das hat weltweite Auswirkungen. Und überdies dauern die iranischen Drohnen- und Raketensalven gegen Golfstaaten, US-Stützpunkte und Israel an. Die Aufgabe des iranischen Atomprogramms bleibt eine offene Frage.
Offenbar wird, dass in Washington der Druck steigt, militärisch nachzulegen. Stellt sich die Frage: Wie gut wären die USA auf eine Bodenoperation im Drohnenzeitalter vorbereitet?
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Ukraine-Krieg zeigt: Billige Drohnen schlagen teure Panzer – und werden unterschätzt
Zu bedenken ist: Der Krieg in der Ukraine hat die Regeln des Bodenkampfes neu geschrieben. Die FPV-Drohne — ein handelsüblicher Quadkopter mit Kamera und Sprengstoff — kann einen Kampfpanzer im Wert von Millionen Dollar zerstören.
Laut Aussage von General Christopher Cavoli, damals Oberbefehlshaber des US-Europakommandos, vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats wurden allein auf russischer Seite schätzungsweise 3.000 Kampfpanzer sowie 9.000 gepanzerte Fahrzeuge vernichtet. Als Hauptwaffe der ukrainischen Seite identifizierte Cavoli die Einwegdrohne zum Herstellungspreis von rund 400 Dollar.
Armin Papperger, Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, einem der weltgrößten Panzerhersteller, zeigte sich gegenüber The Atlantic davon unbeeindruckt. „Das ist wie mit Lego spielen“, wird er zitiert. Und weiter:
„Was ist die Innovation der Ukraine? Sie haben keinen technologischen Durchbruch. Sie machen Innovationen mit ihren kleinen Drohnen und sagen: ‚Wow!‘ Das ist großartig. Na und. Aber das ist nicht die Technologie von Lockheed Martin, General Dynamics oder Rheinmetall.“
Der Krieg kippt: Masse schlägt Hightech
Im Artikel von The Atlantic wundert man sich, dass Rheinmetall bis heute keine Schutzvorrichtungen gegen Drohnenangriffe für seine Panzer entwickelt hat.
Allem Anschein nach steht der Konzernchef damit exemplarisch für eine strukturelle Unfähigkeit westlicher Militärapparate, die neuen Schlachtfeldrealitäten anzuerkennen. Was in der Ukraine gerade passiert, gilt wohl als Behelfslösung von Amateurstaaten.
Was aus dem Iran kommt, gilt als Bedrohung zweiter Klasse. Der Krieg in der Ukraine und der Krieg gegen den Iran zeigen allerdings, wie gefährlich diese Haltung ist.
Denn wir sehen eine grundlegende Verschiebung im Charakter des Krieges: Wirkung wird nicht mehr primär durch komplexe Plattformen erzeugt, sondern durch massenhaft verfügbare, präzise und verlusttolerante Wirkmittel. Drohnen, Sensoren und günstige Angriffssysteme bilden ein Gefechtsfeld, auf dem nicht mehr einzelne Systeme dominieren, sondern ihre Skalierung. Und bald schon ihre Vernetzung.
Russland und Iran vernetzen ihre Kriegsführung – mit Lehren aus dem Ukraine-Krieg
Der Iran hat das offenbar verinnerlicht. Am 17. Januar 2025 unterzeichneten Russland und Iran in Moskau einen Zwanzigjahresvertrag über eine umfassende strategische Partnerschaft, der unter anderem engere Geheimdienstkooperation, gemeinsame Militärübungen und die Entwicklung militärisch-technischer Zusammenarbeit vorsieht.
Vor allem aber bestätigte Russlands Präsident Wladimir Putin bei der Unterzeichnung öffentlich, was westliche Geheimdienste seit Jahren vermuteten: Moskau informiere Teheran regelmäßig über den Verlauf des Ukraine-Krieges, wie Reuters berichtete.
Russland hatte ab 2022 iranische Shahed-Drohnen in der Ukraine eingesetzt, sie dort weiterentwickelt — mit verbesserter Navigation, Antijamming-Systemen, teils Jet-Antrieb, teils KI-Steuerung — und liefert nun verbesserte Varianten zurück an den Iran.
Der britische Militärgeheimdienst stufte es laut AP als nahezu sicher ein, dass Russland den Iran vor Kriegsbeginn mit Training und Informationen über Drohnentechnologie und elektronische Kriegsführung versorgt hat.
Iran baut seine Drohnenstreitkräfte systematisch aus
Erst im Januar 2025 integrierte die iranische Armee nach Angaben der Staatszeitung Tehran Times 1.000 neue Drohnen in ihre Kampfverbände — darunter Systeme für Aufklärung, Angriff und elektronische Kriegsführung.
Eine weitere Tranche folgte im Januar 2026, deren technische Spezifikationen nach offiziellen iranischen Angaben ausdrücklich aus den Erfahrungen des Zwölf-Tage-Krieges vom Juni 2025 abgeleitet wurden.
Im Mai 2025 präsentierte die iranische Armee in Zahedan drei neue Drohnentypen: den Homa, einen VTOL-Aufklärer für elektronisch umkämpften Luftraum, den Dideban für koordinierte Schwarmeinsätze, und den Shahin-1 — eine FPV-Suiziddrohne gegen mobile Ziele. Brigadegeneral Kioumars Heidari, Kommandeur der Heereslandstreitkräfte, brachte die Strategie auf eine Formel, die Tehran Times zitierte:
„Unsere Vision ist es, eine Streitmacht aufzubauen, die auf diesen Technologien aufgebaut ist.“
US-Stützpunkte werden zur Zielscheibe
Dass die Anstrengungen erfolgreich gewesen sein könnten, zeigen die jüngsten Ereignisse im Irak: Am 24. März 2026 veröffentlichten iranisch unterstützte irakische Milizen Videoaufnahmen eines Angriffs auf die Victory Base am Flughafen Bagdad, einen formal an die irakische Regierung übergebenen, aber weiterhin von US-Kräften genutzten Komplex.
Das Filmmaterial, das mit einer glasfasergesteuerten FPV-Drohne aufgenommen wurde, zeigt einen US-amerikanischen Black-Hawk-Hubschrauber sowie ein Sentinel-Luftüberwachungsradar als Ziele. Dem Fachmagazin The War Zone zufolge handelte es sich um den ersten bekannten erfolgreichen Angriff dieser Art auf ein US-Militärluftfahrzeug.
Bereits Mitte März hatte eine mit dem Iran verbündete Miliz eine FPV-Drohne fast zwei Minuten lang ungehindert über das Gelände der US-Botschaft in Bagdad fliegen lassen. Gegenmaßnahmen waren in keinem der Fälle zu erkennen.
Unsichtbar für Radar und Jamming: Die nächste Drohnengeneration
Glasfasergesteuerte FPV-Drohnen senden keine Funksignale — sie sind damit immun gegen elektronische Kampfführung und Jamming, die bisher als erste Verteidigungslinie gegen kleine Drohnen galten. Sie können in Bodennähe fliegen, wo herkömmliche Radarsysteme blind sind, und Spulen mit bis zu fünfzig Kilometern Glasfaserkabel erlauben Angriffe aus großer Entfernung.
Russland hatte diese Technologie ab März 2024 in der Ukraine eingeführt und damit entscheidende taktische Vorteile erzielt. Dass iranisch unterstützte Milizen sie nun in Bagdad einsetzen, legt nach Einschätzung von Forbes nahe, dass Russland entweder Drohnen direkt geliefert oder technisches Know-how weitergegeben hat.
Die USA lernen – aber sie stehen noch am Anfang
Auch das Militärkommando der USA zieht Lehren aus dem Ukraine-Krieg. Oberst Donald Ray Neal, Kommandeur des 2. Kavallerieregiments, der größten US-Kampfformation in Europa, beschrieb bei einem Pressegespräch im März 2026 offen, was seine Einheit von ukrainischen Soldaten gelernt hat: den koordinierten Einsatz von Drohnen, Gegendrohnenmaßnahmen und elektronischer Kriegsführung als integriertem System.
Das Projekt „Flytrap“, mit dem das Regiment offensive Drohnenabwehrfähigkeiten entwickelt, läuft seit 2025 — die nächste Iteration ist für Mai 2026 in Litauen geplant, mit rund sechzig verschiedenen Geräten von sechzig Anbietern.
Dass ein solches Programm noch in der Erprobungsphase steckt, sagt viel über den Stand der Dinge.
Beim Marinekorps sieht es kaum anders aus. Erst Ende 2025 genehmigte es sechs neue Pilotlehrgänge für kleine unbemannte Systeme, darunter erstmals einen Lehrgang für den tödlichen Einsatz von Angriffsdrohnen. Die ersten FPV-Teams der US-Marines befinden sich laut Wall Street Journal noch in einer frühen Ausbildungsphase.
Michael Kofman, Senior Fellow an der Carnegie Endowment for International Peace, brachte den Befund gegenüber dem Wall Street Journal auf den Punkt:
„Wir befinden uns noch in den frühen Phasen, in denen das US-Militär versucht, die FPV-Technologie zu verstehen und ihre Auswirkungen zu begreifen. Wenn man sich die verfügbaren Abwehrfähigkeiten ansieht, haben wir noch einen langen Weg vor uns, bis wir dort sind, wo die Ukraine heute steht.“
Selbstbewusstsein in Washington – Zweifel bei Experten
US-Präsident Trump hat da eine andere Wahrnehmung. Auf das Angebot Kiews, Drohnenexpertise bereitzustellen, antwortete er im März 2026 lapidar:
„Wir brauchen ihre Hilfe bei der Drohnenabwehr nicht. Wir wissen mehr über Drohnen als irgendjemand sonst.“
Der ehemalige ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin sah das anders.
„Keine Streitkräfte sind auf diese Herausforderung vorbereitet, nicht die Amerikaner und nicht die Europäer“, sagte er dem Wall Street Journal. „Nicht technisch, nicht mental und nicht von der Erfahrung her.“
Ein struktureller Vorsprung – und viele offene Fragen
Die genauen Fähigkeiten des Iran im Bereich der Drohnenkriegsführung sind von außen nicht vollständig zu beurteilen. Was sich jedoch aus den verfügbaren Quellen ergibt: Teheran hat vier Jahre Zeit gehabt, die Lektionen des Ukraine-Krieges mit russischer Unterstützung systematisch auszuwerten und in die eigenen Streitkräfte zu integrieren.
Iran besitzt augenscheinlich als eines der wenigen Länder weltweit eine eigenständige Fertigungskapazität für FPV-Kampfdrohnen. Und man hat diese Technologie bereits an regionale Verbündete weitergegeben, die sie gegen US-Ziele einsetzen.
Die USA hingegen stehen vor einer strukturellen Herausforderung, die sich nicht in wenigen Wochen beheben lässt: Ihre Militärdoktrin, ihre Beschaffungslogik und ihre Ausbildung sind auf ein Schlachtfeld ausgerichtet, das es in dieser Form nicht mehr gibt. Die Transformation läuft — aber sie läuft hinterher.
Ob der Iran seine Drohnenfähigkeiten tatsächlich so tief in seine Streitkräfte integriert hat, wie es die jüngsten Ereignisse andeuten, wird sich erst im Ernstfall zeigen.