Den Begriff „Freiheit“ hat der Augsburger Weihbischof Florian Wörner ins Zentrum seiner Karfreitagspredigt im Augsburger Dom gestellt. Und darin betont, dass viele, die heute von Freiheit sprechen, damit in Wirklichkeit Unabhängigkeit und Unverbindlichkeit meinten, was nicht selten zu Beliebigkeit und Eigennutz führe. Doch Freiheit entstehe da, wo Menschen bereit seien, etwas zu geben, sich zu geben, aus Liebe, aneinander, an Gott. „Christen sind nicht trotz, sondern wegen ihres Glaubens frei“, so Wörner. Und am Karfreitag feierten sie den großen Befreiungsschlag und ehrten den Garanten dafür: Jesus Christus, der um der Freiheit der Menschen willen zugelassen habe, dass man sie ihm äußerlich genommen habe. Der sich nicht gegen den Verrat, seine Festnahme, die Fesseln und den Prozess gewehrt habe. Der es klaglos hingenommen habe, dass man ihn grausam gequält, verspottet und entwürdigt hat. „Was auf den ersten Blick ein Sieg des Unrechts, ein Triumph des Bösen und eine Niederlage der menschlichen Freiheit ist, erweist sich in Wirklichkeit als das genaue Gegenteil. Für den, der glaubt, ist es der entscheidende Befreiungsschlag der Liebe Gottes, der Durchbruch unserer Erlösung“, so Wörner am Freitagnachmittag im Augsburger Dom.

Siegt am Ende die Gewalt? Diese Frage ist 2000 Jahre später immer noch aktuell

Ähnlich wollte auch der evangelische Regionalbischof Klaus Stiegler in seiner Predigt die Geschehnisse nach der Kreuzigung verstanden wissen. Mit bleischwerem Herzen seien Maria Magdalena und Maria, Mutter des Jakobus, danach zum Grab gekommen. Und mit der Frage: Siegt am Ende nicht doch immer das Recht des Stärkeren? Triumphiert am Ende nicht doch immer die Gewalt? Fragen, die auch heute, 2000 Jahre später, noch aktuell seien. Angesichts des Kriegs in der Ukraine, der Kämpfe im Iran. Von Menschenverachtung, Massengräbern und nationalem Wahn. Doch die Bibel erzähle faszinierend davon, wie es doch noch Ostern wurde. Wie in dieser Hoffnungslosigkeit neue Hoffnung entstanden sei. „Er ist auferstanden!“ Nur drei Worte, aber sie verändern alles. Es sind die unglaublichsten und zugleich die stärksten Worte des christlichen Glaubens“, so Stiegler. Sie führten von der Verzweiflung zur Hoffnung, von der Resignation zum Aufbruch, vom Tod zum Leben – und nicht zuletzt vom Krieg zum Frieden. „Friede sei mit euch! Mit diesen Worten habe sich der Auferstandene an Ostern zu erkennen gegeben. Als Friedensbote und Friedensbringer. (AZ)

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