Bielefeld. „Der Letzte an der Bar schreibt beim Leben an“ singt Henning Wehland in der Kiezkneipe „Heimat+Hafen“ anlässlich ihres 14. Geburtstages und er meint es auch so. Wehland, Frontmann und Gründer der Rockband „H-Blockx“, die derzeit mit ihrem neuen Album „Fillin_the_blank“ die Charts stürmen (Platz Eins!) und Rampensau bei zahllosen Festivals – im Sommer auch in Wacken – weiß wörtlich ein Lied davon zu singen als jemand, der seine Alkoholsucht erfolgreich überwunden hat. Er war oft genug der Letzte an der Bar und macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er kann aber auch ohne Sprit richtig Stimmung machen. Das hat er jüngst bei seinem guten Kumpel, Walent-Tony Cerkez, Hafenmeister in der Hafenkneipe im Bielefelder Westen, dieses stets durstigen Etablissements, bewiesen.
Henning, der Münsteraner Tausendsassa, der zwischen Crossover, Rap, Rock, „Söhne Mannheims“ und „The Voice-Kids“ so ziemlich alles in der Schatulle hat, gibt eine steile Botschaft während seines „Wohnzimmerkonzerts“ in der Kneipe: „Punk rettet die Welt“. Der Typ ist so authentisch, man nimmt es ihm mit geschlossenen Augen ab. „Punk ist die Kreativität aus dir selbst heraus“, erklärt er seine These. „Der alte Mann und das Leergut mit den Taschen voller Flaschen“, das ist Punk.
Punk mit Sarah Conner und Johnny Cash im „Heimat+Hafen“
Sein schnulziges, aber heimeliges Duett mit Sarah Conner,„Bonnie & Clyde“ („Die wäre gerne hier bei euch im Hafen gewesen, hatte aber einen anderen Termin“), das ist Punk. Johnny Cash (Wehland singt „Give my love to Rose“), ist für Henning Wehland der erste Punk der Musikgeschichte – also gut zwanzig Jahre vor den Sex Pistols. Und sogar Oasis’ „Wonderwall“ ist Punk. Heimweh und Seenot, „Das ist Punk, Leute!“
Henning Wehland hatte eine komplette Band dabei und es waren nicht die H-Blockx, „Rising High“, die Hymne der Skater im Land, hat er dennoch gespielt mit „funky attitudes“, mit Janni (Gitarre), Josha (Bass) und Ben (Drums), sowie den fabulösen Beatboxern Rocko und Easy, ein echtes Vergnügen, ein großartiger Auftakt der Geburtstagsfeierlichkeiten im „Heimat+Hafen“…
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Shantallica zum Frühstück beim Frühschoppen.
| © Heimo Stefula
…die mit Punk, Pogo, Polonaise und viel Pils weitergingen zum Frühschoppen am Sonntag nach dem Kirchgang mit den lieben Stimmwundern von Shantallica. Nun, was soll man sagen? Sie können nix – jedenfalls nicht singen – aber das können sie gut, richtig gut! Abriss und Eskalation auf ganzer Linie in der proppevollen Hafenkneipe. Bielefeld-Schlager, Arminia-Hymnen, Seemanns-Shanties und „Sweet Caroline“, Herz, was willst Du mehr zum flüssigen Frühstück?
Verrückte Voraussetzungen fürs Mitsingen bei Shantallica
Ein stadtbekannter „A-Team“-Sprecher (also Henner Zimmat vom Altstadt-Team Bielefeld) verriet am Rande – besser am Tresen: „Ich hab’ mich bei dem Männerchor mal beworben, Einstellungsvoraussetzungen waren: Man musste Arminia-Fan sein, man musste trinkfest sein und man durfte nicht singen können. Da war ich raus, denn ich kann singen“. Das Leben schreibt seine eigenen Gesetze und Shantallica sowieso.
Shantallica beim weltgrößten Metal-Festival: Shantallica im siebenten Himmel (mit Video)
Diese Jungs waren letztes Jahr auch in Wacken und in einem jüngst veröffentlichten Podcast berichtete BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken über das Metal-Festival und erwähnte lobend den etwas anderen Bielefelder Männergesangsverein: „Die haben alle geweint“.
