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Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn gewinnt Russland an der Front kaum noch Terrain. Ukrainische Gegenangriffe im Süden zeigen Wirkung.

Kiew – Die Frontkarte im Ukraine-Krieg hat sich im März kaum bewegt. Russische Truppen haben entlang der rund 1.200 Kilometer langen Front so wenig Boden gewonnen wie seit Jahren nicht mehr. Laut Daten des US-amerikanischen Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) erzielten russische Kräfte im März netto kaum noch Geländegewinne – ein historischer Tiefpunkt seit Beginn des Kriegs im Februar 2022.

Russische Soldaten der Dnepr-Streitkräfte nehmen an einem Kampftraining teil.Russische Soldaten der Dnepr-Streitkräfte nehmen an einem Kampftraining teil. (Symbolbild). © IMAGO/Sergey Mirniy

Die ISW-Daten verdeutlichen den Trend: Im Januar hatte Russland noch rund 363 Quadratkilometer gewonnen, im Februar waren es 152 Quadratkilometer – und im März schrumpfte dieser Wert auf gerade noch 5,46 Quadratkilometer. Dieser Wert wurde vom ISW sogar nachträglich nach oben korrigiert, weil russisch besetztes Gebiet nahe der Stadt Lyptsi in der Region Charkiw zunächst nicht mitgerechnet worden war. Geblieben ist dennoch: ein historisches Minimum.

Ukraine drängt Russland im Süden zurück

Grund für die Entwicklung sind vor allem ukrainische Gegenangriffe im Süden der Ukraine. Laut ISW haben ukrainische Streitkräfte in den Richtungen Oleksandrivka und Hulyaipole seit Ende Januar über 400 Quadratkilometer zurückerobert. Es waren die größten ukrainischen Geländegewinne in der Ukraine selbst seit der Gegenoffensive 2023. Über alle Frontabschnitte hinweg bezifferte der ukrainische Armeechef General Oleksandr Syrsky die zurückeroberten Gebiete seit Januar in einem Fernsehinterview auf rund 480 Quadratkilometer. Laut dem General übertreffe dies sogar die Ergebnisse des Gegenangriffs bei Dobropillja im vergangenen Jahr.

„Unser Ziel ist es, die feindlichen Kräfte zu erschöpfen, Territorium zu halten und gleichzeitig dort anzugreifen, wo der Feind schwach ist“, sagte Syrsky laut Kyiv Post dem ukrainischen Sender ICTV. Die aktuellen Erfolge seien kein Zufall, sondern Teil einer gezielten Strategie.

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Das ISW sieht noch weitere Gründe für die russische Verlangsamung: Russische Einheiten können das Satellitennetz Starlink in der Ukraine nicht mehr wie zuvor nutzen. Zudem versucht der Kreml, den Zugang zu Telegram einzuschränken – einem Messenger-Dienst, der auch unter russischen Soldaten weit verbreitet ist.

Von einer Trendwende kann trotzdem nicht die Rede sein. Laut ISW bleibt die Lage für ukrainische Truppen in der Region Donesk, etwa rund um Kostjantyniwka, weiterhin schwierig. Dort erzielten russische Kräfte zuletzt Fortschritte. Und die ukrainische Forschungsgruppe DeepState, die die Frontlinien ebenfalls unabhängig auswertet, kommt laut Kyiv Post für den März sogar auf ein Plus von 160 Quadratkilometern für Russland. DeepState betonte dabei, dass einige russische Vorstöße möglicherweise nur vorübergehend seien. (Quellen: ISW, AFP, Kyiv Post) (no)