Musiker Juma vermisst das „harte Viertel“, also das Leonhardsviertel von früher. Foto: privat
Das Leonhardsviertel in Stuttgart wandelt sich: Vom authentischen Szeneviertel zum gehypten Hotspot. Der Musiker Juma erzählt, was das für das Leben dort bedeutet.
„In Stuttgart lässt es sich bestens leben, wenn man weiß, wo man hingehen muss, um eine gute Zeit zu haben – im Leonhardsviertel ist das für mich die Holzmalerbar“, sagt Juan-Martín Cuesta Bustamante, bekannt als Juma. Der Salesmanager und leidenschaftliche Musiker lebt seit sechs Jahren in Stuttgarts Altstadt.
Die Wohnung hat der 33-Jährige damals durch Zufall gefunden. „Eine Freundin von mir hatte von meiner Suche nach einer neuen Bleibe erfahren und mir dann eine Wohnung bei ihr im Haus vermittelt.“
Verliebt in die Idee: Leben im pulsierenden Leonhardsviertel
Als Juma erfährt, dass sich die Wohnung im Leonhardsviertel befindet, war er direkt verliebt in die Idee, dort zu leben. „Das hat mich einfach gereizt, so mitten in der Stadt zu wohnen, mit vielen coolen Bars nebenan, im Suessholz war ich oft – das fand ich natürlich alles sehr spannend.“
Das Viertel sei „wirklich verrückt, schön und ganz schön dreckig – etwas ganz Eigenes“. Man wisse nie, was als nächstes passiert, so direkt vor der Haustür. „Und du weißt auch nie, ist das jetzt legal oder illegal?!
Wer steht vor der Tür – Freund oder Freier?
Nach sechs Jahren sei nicht mehr alles im Viertel sein Ding. „Aber ich liebe meine Wohnung. Ich habe eine schöne, kleine Terrasse, viel Platz für mich, oben im Dachgeschoss. Sobald ich die Fenster zumache, bin ich ganz in meiner Welt.“
Und wenn der Musiker eines der Fenster nur ein bisschen öffnet, dann sei er mitten im Geschehen – das könne cool sein, aber auch nerven. „Aber genau das schätze ich und es inspiriert mich, Songs zu schreiben.“ Und wenn man nachts die Tür öffne, wisse man nie: Steht da jetzt ein Freund oder ein Freier?!
„Hype statt hartes Viertel“ – Authentizität im Leonhardsviertel schwindet
Das Viertel befindet sich im Wandel. Foto: Lichtgut
Das sei aber das kleinste Problem, findet Cuesta Bustamante. Vieles habe sich im Viertel verändert. „Das Publikum ist mittlerweile ein anderes, früher war es irgendwie echter.“ Es habe an Authentizität verloren, findet der kreative Stuttgarter: „Hype statt hartes Viertel, das finde ich nicht sehr attraktiv. Mal sehen, wie lange ich dort noch wohne“.