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Britische Krimiserien haben sich vom gemächlichen Whodunnit zum internationalen Streamingphänomen entwickelt. Welche Serien dabei besonders herausstechen und was sie auszeichnet, zeigt diese Auswahl an 25 herausragenden Produktionen.
1 / 25„Mord auf Shetland“ spielt auf den gleichnamigen schottischen Inseln, auf denen Detective Inspector Jimmy Perez in einer abgeschiedenen, rauen Landschaft Verbrechen aufklärt, die tief in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt sind. Douglas Henshall prägte die Figur über viele Jahre, bevor Ashley Jensen die Rolle übernahm. Die seit 2013 laufende Serie ist in der ARD Mediathek zu finden. © ARD Degeto/ITV Studios
2 / 25„The Gentlemen“ basiert auf dem gleichnamigen Film von Guy Ritchie und spinnt dessen Geschichte um ein verborgenes Marihuana-Imperium im britischen Landadel zur Serie weiter. Theo James spielt einen Adeligen, der nach dem Tod seines Vaters entdeckt, dass das Familiengut seit Jahren als Drogenanbaufläche genutzt wird – und sich plötzlich zwischen skurrilen Kriminellen und altem Geld wiederfindet. Die Netflix-Serie startete 2024 und verbindet schwarzen Humor mit stilsicherer Gangster-Ästhetik. © Christopher Rafael/Netflix/dpa
3 / 25„The Fall“ zeigt parallel die Ermittlerin Stella Gibson und den Serienmörder Paul Spector – ein Katz-und-Maus-Spiel, das in Belfast angesiedelt ist und die Frage stellt, was die beiden eigentlich voneinander trennt. Gillian Anderson und Jamie Dornan liefern sich ein faszinierendes Duell über drei Staffeln von 2013 bis 2016. Die Serie ist auf Netflix zu sehen. © BBC Two
4 / 25„Line of Duty“ dreht sich um eine interne Ermittlungseinheit der Polizei, die korrupten Kollegen auf die Spur kommen soll, und wurde für seine langen, hochspannenden Verhörszenen bekannt. Martin Compston, Vicky McClure und Adrian Dunbar bilden ein Ermittler-Trio, das über sechs Staffeln von 2012 bis 2021 Kultstatus erlangte. Die Serie ist auf BritBox streambar und gilt als einer der packendsten Polizei-Thriller, den das britische Fernsehen je hervorgebracht hat. © BBC/World Productions/Steffan Hill
5 / 25„Bodyguard“ wirft den Kriegsveteranen und Polizisten David Budd in den Schutzauftrag für eine ehrgeizige Innenministerin – und entfaltet daraus einen atemlosen Polit-Thriller voller Wendungen. Richard Madden und Keeley Hawes liefern sich ein elektrisierendes Spiel aus Misstrauen und Abhängigkeit. Die sechsteilige BBC-Serie aus dem Jahr 2018 brach in Großbritannien Einschaltrekorde und ist auf Netflix zu sehen. © BBC One
6 / 25„The Crow Girl“ ist ein psychologischer Thriller aus dem Jahr 2025, der auf dem gleichnamigen schwedischen Bestseller basiert und in einer britischen Produktion neu interpretiert wurde. Die Serie folgt einer Ermittlerin, die in eine Reihe grausamer Verbrechen hineingezogen wird, während sie selbst mit einer traumatischen Vergangenheit kämpft. Die Produktion ist in Deutschland über MagentaTV abrufbar. © Paramount+
7 / 25„Unforgotten“ nimmt sich in jeder Staffel eines Cold Case an, bei dem jahrzehntealte Verbrechen ans Licht kommen und längst vergessene Leben erschüttert werden. Nicola Walker und später Sinéad Keenan führen als Ermittlerinnen mit großer Empathie durch die Fälle. Die seit 2015 laufende Serie besticht durch ihr feines Gespür für menschliche Abgründe und ist in Deutschland beim Prime-Channel BBC Player zu sehen. © ITV
8 / 25„Gangs of London“ wirft den Zuschauer ohne Umschweife in einen brutalen Machtkampf zwischen rivalisierenden Verbrecherorganisationen, der nach der Ermordung des mächtigsten Gangsterbosses der Stadt ausbricht. Joe Cole und Sope Dirisu sind Hauptdarsteller der actiongeladenen Serie. Die seit 2020 laufende Produktion ist bei Sky beziehungsweise WOW zu sehen. © Sky Atlantic
9 / 25„Ripper Street“ versetzt die Zuschauer ins viktorianische East End Londons, kurz nach den Morden von Jack the Ripper, und folgt einer Polizeibrigade, die in einem Viertel voller Armut, Korruption und Gewalt für Ordnung sorgen soll. Matthew Macfadyen und Jerome Flynn spielen ein ungleiches Ermittlerduo, das in jeder Folge tief in die Abgründe der Epoche eintaucht. Die von 2012 bis 2016 ausgestrahlte Serie ist auf Prime Video verfügbar. © Prime Video
10 / 25„Killing Eve“ dreht sich um die gegenseitige Obsession zwischen der MI5-Agentin Eve Polastri und der exzentrischen Auftragskillerin Villanelle – ein Katz-und-Maus-Spiel, das sich über vier Staffeln von 2018 bis 2022 erstreckt. Sandra Oh und Jodie Comer spielen das ungleiche Duo mit einer Chemie, die die Serie zu etwas Einzigartigem macht. Zu sehen ist „Killing Eve“ auf Netflix. © AMC/BBC America
11 / 25„Slow Horses“ begleitet eine Gruppe von MI5-Agenten, die nach beruflichen Fehlern in eine Abteilung für gescheiterte Geheimdienstler verbannt wurden und trotzdem immer wieder mitten in brenzlige Lagen geraten. Gary Oldman spielt den grummeligen Abteilungsleiter Jackson Lamb mit einer Mischung aus Zynismus und versteckter Brillanz. Die seit 2022 laufende Serie ist auf Apple TV+ verfügbar und gilt als Kritikerliebling. © Apple TV+
12 / 25„Blue Lights“ taucht in den hektischen Alltag junger Polizisten in Belfast ein und zeigt, wie sie zwischen kriminellen Milieus, politischen Spannungen und persönlichen Krisen navigieren. Die Serie überzeugt durch Authentizität und ein starkes Ensemble ohne große Einzelstars. Seit 2023 läuft die BAFTA-prämierte Produktion, die man in Deutschland beim BBC Player über Prime Video sehen kann. © BBC One
13 / 25„Peaky Blinders“ erzählt vom Aufstieg der Shelby-Familie, einer Gangsterdynastie im Birmingham der Nachkriegszeit, mit einem Stil, der historisches Drama und moderne Ästhetik miteinander verschmilzt. Cillian Murphy prägt als Tommy Shelby eine der ikonischsten Figuren der jüngeren Seriengeschichte. Die sechs Staffeln der BBC-Produktion liefen von 2013 bis 2022 und sind auf Netflix abrufbar. Im März 2026 erschien der Film „Peaky Blinders: The Immortal Man“, den man ebenfalls bei Netflix findet. © Netflix / BBC
14 / 25„Adolescence“ erschüttert von der ersten Minute an mit der Geschichte eines 13-jährigen Jungen, der des Mordes an einer Mitschülerin verdächtigt wird. Gefilmt wurde in je einer einzigen langen Einstellung pro Folge, ohne einen einzigen Schnitt. Stephen Graham, der auch als Produzent fungiert, und Owen Cooper als der Junge liefern Leistungen ab, die lange nachwirken und der Netflix-Miniserie aus dem Jahr 2025 zahlreiche Preise einbrachten. © Netflix
15 / 25„Vera“ erzählt von der schrulligen, aber messerscharfen Detective Chief Inspector Vera Stanhope, die in der rauen Landschaft Northumberlands ermittelt, in der hinter idyllischen Moorlandschaften und Küstendörfern dunkle Geheimnisse lauern. Brenda Blethyn verkörpert die Figur mit einer unverwechselbaren Mischung aus barscher Direktheit und tiefem Mitgefühl, die die Serie über vierzehn Staffeln hinweg zu einer der beliebtesten britischen Krimiserien gemacht hat. Die ITV-Produktion lief von 2011 bis 2025 und ist bei Prime Video zu finden. © ITV
16 / 25„Luther“ stellt einen brillanten, aber emotional unkontrollierbaren Mordermittler in den Mittelpunkt, der in den dunkelsten Ecken Londons ermittelt und dabei selbst an moralische Grenzen stößt. Idris Elba trägt die Serie mit einer physischen Präsenz und Intensität, die kaum zu übertreffen ist. Die fünf Staffeln liefen von 2010 bis 2019 und sind auf Netflix verfügbar. © BBC One
17 / 25„Father Brown“ ist eine leichtfüßige Krimiserie, die im englischen Cotswolds der 1950er Jahre spielt und einen unkonventionellen katholischen Priester in den Mittelpunkt stellt, der mit scharfem Menschenverstand und unerschütterlichem Glauben Mordfälle löst. Mark Williams spielt die Figur mit einer warmherzigen Verschmitztheit, die die Serie zu einem angenehmen Gegenentwurf zu düsteren Polizeidramen macht. „Father Brown“ läuft seit 2013. © BBC One
18 / 25„Mobland“ taucht in die Unterwelt des organisierten Verbrechens im modernen Großbritannien ein und erzählt von den Machtkämpfen zwischen alten Gangsterdynastien und einer neuen Generation skrupelloser Krimineller. Tom Hardy, Pierce Brosnan und Helen Mirren führen ein hochkarätiges Ensemble an, das der Paramount+-Serie von 2025 sofort Gewicht verleiht. Die Serie ist eine der ambitioniertesten britischen Gangster-Produktionen der jüngsten Zeit. © Paramount+
19 / 25„Happy Valley“ gilt weithin als eine der besten britischen Serien überhaupt und folgt der Polizistin Catherine Cawood in einem kleinen Yorkshire-Tal, in dem sie einem gefährlichen Kriminellen gegenübersteht, der ihr Leben für immer verändert hat. Sarah Lancashire liefert in der Hauptrolle eine Leistung ab, die in drei Staffeln von 2014 bis 2023 immer intensiver wird. James Norton spielt den Antagonisten mit beunruhigender Überzeugungskraft. © BBC One
20 / 25„Endeavour“ alias „Der junge Inspector Morse“ begleitet den jungen Inspektor Morse in seinen frühen Ermittlerjahren im Oxford der 1960er und 1970er Jahre und ist ein Spin-off zum Klassiker „Inspector Morse“. Shaun Evans verleiht der Figur eine verletzliche Intelligenz und einen melancholischen Charme, der die Herkunft des späteren Einzelgängers glaubwürdig macht. Die Serie lief von 2012 bis 2023. © ITV1
21 / 25„Broadchurch“ beginnt mit dem Tod eines Kindes in einer kleinen Küstenstadt und entfaltet daraus ein melancholisches Drama, das eine ganze Gemeinschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Olivia Colman und David Tennant ermitteln als ungleiches Detektivduo mit großer Wirkung. Die drei Staffeln liefen von 2013 bis 2017 und sind auf Netflix sowie Disney+ verfügbar. © ITV
22 / 25„Sherlock“ versetzt den legendären Detektiv in das London des 21. Jahrhunderts und erfindet die Figur von Arthur Conan Doyle dabei so überzeugend neu, dass die Serie schnell Kultstatus erlangte. Benedict Cumberbatch und Martin Freeman als Holmes und Watson wurden zu einem der beliebtesten Duos der Seriengeschichte. Die vier Staffeln liefen von 2010 bis 2017 und sind unter anderem bei MagentaTV abrufbar. © IMAGO/Hartswood Films
23 / 25„Foyle‘s War“ alias „Inspector Foyle“ spielt im englischen Hastings während des Zweiten Weltkriegs und zeigt Detective Chief Superintendent Foyle, der trotz Bomben und Kriegschaos unbeirrt Verbrechen aufklärt. Michael Kitchen verleiht der Figur eine unaufgeregte, stoische Würde, die die Serie von anderen Krimis abhebt. Die von 2002 bis 2015 ausgestrahlte Produktion gilt als Musterbeispiel des historischen britischen Krimis und ist bei Prime Video zu finden. © ITV
24 / 25„Dept. Q“ folgt dem eigenwilligen Edinburgher Detective Carl Morck, der in eine Kellerabteilung für ungelöste Cold Cases verbannt wird und dort gemeinsam mit einem syrischen Ex-Polizisten und einer jungen Constable einen jahrelang verschwundenen Fall aufrollt. Matthew Goode spielt Morck als verletzten, kantigen Einzelgänger mit einer Intensität, die die Netflix-Serie sofort von generischen Krimis abhebt. Die seit Mai 2025 streambare Produktion basiert auf den Romanen des dänischen Autors Jussi Adler-Olsen und wurde bereits für eine zweite Staffel verlängert. © Netflix
25 / 25„Get Millie Black“ folgt einer jamaikanisch-britischen Ermittlerin, die nach Jahren in London in ihre Heimat Kingston zurückkehrt und dort in einen komplexen Vermisstenfall hineingezogen wird. Die Serie aus dem Jahr 2024 verbindet harten Noir-Krimi mit karibischer Atmosphäre und sozialer Sprengkraft. Wunmi Mosaku trägt die Produktion als Hauptdarstellerin, die bei Sky beziehungsweise WOW zu sehen ist. © © Warner Bros. Discovery, Inc.Vom Dorfpfarrer zum Geheimdienstler: die Vielfalt des britischen Krimis
Britische Krimiserien haben eine lange Tradition, die weit über Agatha Christie und Sherlock Holmes hinausreicht. Seit den frühen Tagen des Fernsehens produziert Großbritannien Kriminalgeschichten, die das Genre immer wieder neu definieren. Was einst mit gemächlichen Whodunnits in malerischen Dörfern begann, hat sich zu einem breiten Spektrum entwickelt, das von psychologischen Thrillern über Gangsterepen bis hin zu Spionagedramen reicht. Serien wie „Inspector Foyle“ oder „Father Brown“ pflegen dabei bewusst die klassische Tradition, während neuere Produktionen wie „Adolescence“ oder „Slow Horses“ zeigen, wie weit das Genre inzwischen gedacht werden kann.
Miniserien, Romanadaptionen und Serien mit Spielfilmlänge
Neben den großen Langläufern wie „Father Brown“ oder „Vera“ hat sich im britischen Fernsehen eine starke Kultur serieller Erzählweisen etabliert. Produktionen wie „Broadchurch“, „Happy Valley“ oder „Killing Eve“ entfalten ihre komplexe Handlung über wenige, in sich geschlossene Staffeln. Viele dieser Stoffe basieren auf literarischen Vorlagen, etwa „Mord auf Shetland“ (Ann Cleeves) oder die britische Adaption von Jussi Adler-Olsens „Dept. Q“.
Auffällig ist bei britischen Serien die Vorliebe für längere Formate. Produktionen wie „Sherlock“, „Endeavour“ und „Vera“ nutzten statt der üblichen 45 oder 60 Minuten oft die volle Spielfilmlänge von 90 Minuten pro Episode, wodurch eine ganz andere Erzählstruktur möglich gemacht wurde.
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Fotostrecke ansehenStreaming hat den britischen Krimi weltweit sichtbar gemacht
Was früher allenfalls im Nachtprogramm öffentlich-rechtlicher Sender zu sehen war, ist heute auf Netflix, Apple TV+ und anderen Streaming-Plattformen weltweit abrufbar. Serien wie „Peaky Blinders“, „Bodyguard“ oder „Slow Horses“ haben dadurch ein internationales Publikum gewonnen, das weit über die traditionelle Krimi-Fangemeinde hinausgeht. Die großen Streaminganbieter haben mit hochwertigen Eigenproduktionen wie „Adolescence“ gezeigt, dass britische Krimistoffe endlich auch global für Aufsehen sorgen.