Was ist am Montagabend geschehen?
Der Wolf hatte sich am Montagabend in der Einkaufsmeile Große Bergstraße im Stadtteil Altona verirrt. Eine Frau hat laut Polizei versucht, dem Tier zu helfen. Dabei soll der Wolf die Frau ins Gesicht gebissen haben. Wie Zeugen berichten, sei die Frau wohl davon ausgegangen, dass es sich bei dem Tier um einen verirrten Hund gehandelt habe. Das Tier flüchtete. Die Polizei entdeckte es später am Jungfernstieg in der Binnenalster – Beamte retteten es aus dem Wasser. Zunächst untersuchte ein Tierarzt den Wolf. Dann brachten ihn Tierschutzexperten vorübergehend im Wildpark Klövensteen bei Rissen an der Grenze zu Schleswig-Holstein unter. Vor dem Vorfall hatten Zeugen das Jungtier mehrfach in Hamburgs Westen gesichtet.
Gibt es Zweifel an der Darstellung mit dem Biss?
Ja, die gibt es. Es sind allerdings viele Vermutungen im Spiel. Mehrere Medien schreiben von der Möglichkeit, dass es sich nicht um einen Biss, sondern um einen Hieb mit einer Tatze handeln könnte. Sie beziehen sich dabei auf die Erfahrungen von Expertinnen und Experten. Das „Abendblatt“ beispielsweise zitiert eine Tierpflegerin aus dem Wildpark Lüneburger Heide, die Erfahrungen mit Wölfen haben soll und einen Hieb für wahrscheinlich hält. Das Magazin „Spiegel“ bezieht sich auf den Wolfsaktivisten Christian Berge, der nach Analysen diverser Augenzeugenberichten davon ausgeht, dass der Wolf die Frau „schlicht und ergreifend umgerannt“ hat. Die Naturschutzinitiative Niedersachsen und Hamburg hat in einer Pressemitteilung die Auswilderung des Wolfes gefordert. Eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung des Wolfes sei rechtswidrig.
Was sagt die Umweltbehörde Hamburg zu diesen Darstellungen?
Er habe die Berichte und Vermutungen, es handele sich möglicherweise nicht um einen Biss, auch gelesen, sagte Behördensprecher Fricke dem NDR. Bislang gebe es von Behördenseite aber nichts Neues in dem Fall. „Bei der Untersuchung der Wunde deutet vieles darauf hin, dass es ein Biss gewesen sein könnte“, sagte Fricke.
Welche Optionen gibt es?
Laut niedersächsischem Umweltministerium kann man ein Wildtier, das nicht an Gefangenschaft gewöhnt ist, nicht lange in einem Gehege belassen. Womöglich sei das Gehege dafür auch nicht ausgelegt. Eine Tötung eines gefangen genommenen Tieres wäre ein Sonderfall, sagte ein Ministeriumssprecher dem NDR Niedersachsen. „Auch eine Auswilderung wäre eine Option“, so der Sprecher.
Wie geht es der Frau?
Bei der Betroffenen handelt es sich um eine 60 Jahre alte Frau. Laut Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sei die Frau ambulant im Universitätsklinikum Eppendorf behandelt worden. Offenbar habe sie die Klinik nach der Behandlung wieder verlassen. Mehr ist über die Frau nicht bekannt.
Wie wahrscheinlich ist ein Wolf in einer Großstadt?
Wie Umweltsenatorin Fegebank am Dienstag auf einer Pressekonferenz sagte, handelt es sich um „einen Präzedenzfall“. Eine derartige Mensch-Wolf-Begegnung habe es „nach unseren Recherchen und Kenntnissen in Deutschland noch nicht gegeben“. Raoul Reding, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, sagte dem NDR, dass es Regionen in Niedersachsen gebe, wo in Stadtnähe ganze Wolfsrudel ansässig seien. Von ihnen gehe allerdings nicht zwingend eine Gefahr aus. „Der innerstädtische, urbane Bereich gehört nicht zum klassischen Habitat eines Wolfs, sodass ein Wolfsrudel, was vor Ort ansässig ist, diese Bereiche eher meidet.“ Reding geht davon aus, dass sich der junge Wolf verirrt und unter großem Stress gestanden habe.