Muss man aus Ulmer Sicht Mitleid haben mit den Braunschweiger Löwen? Schließlich hat der Ulmer Publikumsliebling Tommy Klepeisz vier Jahre lang in Braunschweig gespielt und er war dort auch Kapitän. Außerdem ist der frühere Ulmer Nils Mittmann Geschäftsführer der Löwen und Josh Hawley, einer der Ulmer Meisterhelden von 2023, ist inzwischen auch in Braunschweig gelandet. Aber generell dürfen derartige Gefühle im Profisport natürlich keine Rolle spielen. Daran lag es also sicher nicht, dass Ratiopharm Ulm am Samstagabend beim Tabellenschlusslicht und fast sicheren Absteiger aus der Basketball-Bundesliga mit 67:77 verlor und sich damit nach den Niederlagen gegen Heidelberg und Hamburg eine weitere Peinlichkeit leistete. Es lag wohl vielmehr erneut an der richtigen Einstellung gegen eine Mannschaft, die man als deutscher Vizemeister eigentlich einfach schlagen muss.
Mit 7:0 führte Ulm nach drei Minuten und bereits fünf Ballverlusten des Gegners, das Spiel schien den erwarteten Verlauf zu nehmen. Aber nach einer frühen Auszeit war Braunschweig angekommen in der Partie und die Ulmer bekleckerten sich schon während des Rests dieses ersten Viertels nicht mit Ruhm gegen das Schlusslicht. Zwei Minuten vor dem Ende dieses Spielabschnitts führte Braunschweig mit 11:9 und jetzt war eine Auszeit der Ulmer fällig. Die nahmen dann zwar einen 16:14-Vorsprung mit in die erste kurze Pause, aber spielerisch und kämpferisch war bei ihnen noch sehr viel Luft nach oben. Das gilt uneingeschränkt auch für das komplette zweite Viertel. Braunschweig lag lange Zeit knapp vorne, erst in den letzten Minuten vor der Halbzeit drehten die Ulmer das Spiel mühsam in eine eigene knappe 40:38-Führung.
Es stellte sich auch für die wenigen nach Braunschweig mitgereisten Fans in der Volkswagen-Halle die bange Frage: Würde der deutsche Vizemeister irgendwann einen Zahn zulegen? Die blutleere Vorstellung der Ulmer erinnerte schließlich schon in der ersten Halbzeit stark unter anderem an die Heidelberg-Spiele und dieser Eindruck verstärkte sich noch. In den Schlussabschnitt ging es zunächst mit einem 54:54-Gleichstand und die Situation spitzte sich für Ulm weiter zu: Nach der Hälfte des letzten Viertels hieß es 67:58 für Braunschweig, kurz zuvor hatte sich auf Ulmer Seite Nelson Weidemann mit fünf Fouls in den Feierabend verabschiedet. Der Abstiegskandidat witterte die Sensation und das setzte letzte Kräfte frei, bei Ulm war so etwas wie ein Aufbäumen nicht zu erkennen. Die Schützlinge von Trainer Ty Harrelson bauten sogar noch weiter ab und wehrten sich nur halbherzig. Nachdem Chip Flanigan etwas mehr als zwei Minuten vor dem Ende einen zweistelligen Braunschweiger 72:62-Vorsprung besorgt hatte, war das Ding durch und die Ulmer Blamage perfekt. Tommy Klepeisz stellte fest: „Wir haben zu viele Schwankungen. So kommen wir nicht da hin, wo wir hin wollen.“
Beste Ulmer Werfer waren Chris Ledlum mit 16, Joel Soriano mit 11 und Christian Sengfelder mit 10 Punkten.
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Pit Meier
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Braunschweig
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