Eine offizielle EU-Beschwerde zum VMware-Umbau und eine Analysten-Herabstufung trüben die Stimmung bei Broadcom, obwohl das KI-Chipgeschäft weiterhin rasant wächst.

Der Halbleiterriese Broadcom glänzt eigentlich mit rasantem Wachstum bei KI-Chips. Aktuell ziehen allerdings dunkle Wolken über dem wichtigen Software-Geschäft auf. Eine offizielle Beschwerde bei der EU-Kommission wegen des radikalen Umbaus der VMware-Sparte trifft auf eine überraschende Abstufung durch Analysten.

Radikaler Umbau ruft Kritiker auf den Plan

Auslöser für den regulatorischen Druck ist die Neuausrichtung des Partnerprogramms von VMware in Europa. Der Branchenverband CISPE wirft Broadcom vor, seine Marktmacht zu missbrauchen. Seit der Übernahme hat das Unternehmen das offene Netzwerk für Cloud-Dienstleister massiv zusammengestrichen und durch ein exklusives Programm ersetzt. Die Dimension dieses Schnitts ist enorm: Während VMware früher mit über 4.000 Partnern arbeitete, sind es in den USA nur noch 19 und in Großbritannien neun.

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CISPE fordert nun von den EU-Wettbewerbshütern einen sofortigen Stopp dieser Maßnahmen, da europäische Infrastruktur-Partner systematisch ausgeschlossen würden. Broadcom weist die Vorwürfe scharf zurück. Das Unternehmen bezeichnet den Verband als Sprachrohr der großen Hyperscaler, welches die Realitäten des Marktes verzerrt darstelle. Die EU-Kommission prüft die Beschwerde derzeit nach ihren Standardverfahren.

Software-Sorgen bremsen Euphorie

Erschwerend kommt eine skeptische Einschätzung der Erste Group hinzu. Analyst Hans Engel senkte das Rating am Mittwoch von „Buy“ auf „Hold“. Er begründet diesen Schritt mit der Erwartung, dass das Software-Segment langfristig stark unterdurchschnittlich wachsen wird. Zudem dürften notwendige Firmenwertabschreibungen das Gewinnwachstum dämpfen. Diese Einschätzung bildet einen Kontrast zur breiten Wall Street, wo weiterhin Kaufempfehlungen dominieren und das durchschnittliche Kursziel bei 435,30 US-Dollar liegt.

Trotz dieser Störfeuer bleibt das fundamentale KI-Geschäft ein massiver Treiber. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz mit KI-Halbleitern um 106 Prozent auf 8,4 Milliarden US-Dollar. CEO Hock Tan stellt für das Jahr 2027 allein in diesem Bereich Einnahmen von über 100 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Die hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden wie Google birgt zwar Risiken, die aktuelle Wachstumsdynamik bei der Hardware ist jedoch intakt.

Die Entscheidung der Europäischen Kommission über eine mögliche formelle Untersuchung wird den weiteren Kurs des margenstarken Software-Segments diktieren. Sollten die Behörden einstweilige Maßnahmen gegen den VMware-Umbau verhängen, drohen Broadcom empfindliche Verzögerungen bei der Umstellung auf höhere, wiederkehrende Software-Einnahmen. Bis dahin fungiert das florierende KI-Hardware-Geschäft als wichtiges Gegengewicht.

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