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Der Iran-Konflikt bremst Katar-Gas und treibt Preise. Afrika deckte 2025 schon über 17 Prozent von Europas LNG-Bedarf. Doch Engpässe und Instabilität bleiben ein Risiko.

Berlin – Der Iran-Konflikt hat die Gaslieferungen aus Katar abgewürgt und die Großhandelspreise in die Höhe getrieben – und rückt damit Afrika als möglichen Energieretter für Europa ins Blickfeld. Analyst Sean Harrison von der britischen Beratungsfirma Wood Mackenzie macht deutlich, wie weit der Kontinent bereits ist: „Der Kontinent deckte 2025 über 17 Prozent des europäischen LNG-Bedarfs.“ Die Lieferungen stammten aus Algerien, Nigeria, Angola sowie kleineren Produzenten wie Äquatorialguinea, Kamerun und der Republik Kongo. Das Potenzial reicht jedoch weit über diese Zahlen hinaus.

Der LNG-Tanker „Seapeak Meridian“ übergibt Flüssigerdgas an das Regasifizierungs-Schiff (Floating Storage and Regasification Unit, FSRU) „Neptune“ im Hafen Mukran in der Gemeinde Sassnitz. Der LNG-Tanker „Seapeak Meridian“ übergibt Flüssigerdgas an das Regasifizierungs-Schiff (Floating Storage and Regasification Unit, FSRU) „Neptune“ im Hafen Mukran in der Gemeinde Sassnitz. © Stefan Sauer/dpaMosambik, Senegal, Nigeria: Wie Afrika den Iran-Schock an den Gasmärkten abfedern soll – und warum es dauert

Afrikas Erdgasvorkommen beziffert der Ölkonzern BP in einer statistischen Übersicht auf 12,9 Billionen Kubikmeter – knapp mehr als die der USA mit 12,6 Billionen. Und das könnte erst der Anfang sein. Dhesigen Naidoo, Energieanalyst des Instituts für Sicherheitsstudien Afrika, weist darauf hin, dass der Kontinent bislang nur unzureichend erkundet wurde: „Da Erdgas auf dem Kontinent bislang nur unzureichend erkundet wurde, könnte dieser Anteil deutlich höher liegen. Es besteht eine realistische Chance, dass er doppelt so hoch ist.“ Sein Fazit: „Afrika verfügt über mehr Potenzial als fast jeder andere Ort auf der Welt.“

Für Deutschland ist die Lage laut Bundesnetzagentur derzeit stabil. Gas vom Persischen Golf spiele für die deutsche Versorgung keine wesentliche Rolle; LNG beziehe man vor allem aus den USA. Den Großteil des Erdgases liefert Norwegen per Pipeline, ergänzt durch Lieferungen über die Niederlande und Belgien. Etwa zehn Prozent der Importe kommen über die neuen LNG-Terminals an der Nord- und Ostseeküste ins Land – darunter seit Anfang 2026 auch Mengen aus Kamerun und Gasfeldern vor Westafrika. Dennoch warnt die Behörde: Je länger der Konflikt andauert, desto spürbarer könnten die Preiseffekte auf den Weltmärkten auch in Deutschland werden.

Iran-Konflikt treibt Gaspreise hoch – jetzt rückt Afrika als Europas Energieretter ins Blickfeld

Strategisch im Mittelpunkt steht Mosambik. Die Internationale Energieagentur IEA sieht das Land auf dem Weg zu einem wichtigen globalen LNG-Standort. Projekte von TotalEnergies und ExxonMobil sollen dort mehr als 30 Millionen Tonnen Flüssiggas pro Jahr produzieren.

Islamistische Terroranschläge haben den Start mehrfach verzögert; erste Lieferungen werden nun ab 2030 erwartet. Analysten zufolge werden selbst riskante Projekte wie dieses in einem angespannten globalen Markt neu bewertet, solange langfristig große Liefermengen in Aussicht stehen.

„Afrika verfügt über mehr Potenzial als fast jeder andere Ort auf der Welt“: Warum Europa jetzt auf den Kontinent setzt

Auf der Seegrenze zwischen Mauretanien und Senegal geht derweil das von BP und Kosmos Energy betriebene Greater Tortue Ahmeyim-Projekt gerade in die Produktionsphase – mit einer Kapazität von bis zu zehn Millionen Tonnen LNG pro Jahr. Schwimmende Anlagen ermöglichen dort schnellen Einsatz und flexible Lieferung. Der Standort Westafrika punktet zudem mit kurzen Transportzeiten nach Europa. Pranav Joshi vom Dienstleister Rystad Energy sieht auch Projekte in Angola, der Republik Kongo, Kamerun, Gabun und Äquatorialguinea für Europa zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Die Risiken sind dennoch erheblich. Naidoo verweist auf fehlende Pipelines, Verflüssigungsanlagen und Exportterminals, die den Ausbau afrikanischer LNG-Exporte aktuell stark behindern. In Nigerias Nigerdelta führen Unruhen und Sabotage regelmäßig zu Produktionsunterbrechungen. Politische Instabilität, regulatorische Unsicherheiten und Korruption prägen viele potenzielle Lieferländer. Afrikanische LNG-Projekte seien besonders anfällig für wirtschaftliche Schwankungen und Finanzierungsprobleme, so Naidoo. Laut dem Forum Gas Exportierender Länder (GECF) könnte Afrika bis 2050 dennoch fast ein Viertel der weltweiten Investitionen für den Bau von LNG-Verflüssigungsanlagen auf sich ziehen. (Verwendete Quellen: dpa, AFP)