Mannheim. (env) „Wir marschieren für die Welt, die von Waffen nichts mehr hält, denn das ist für uns am besten!“ – das Lied der Ostermarschbewegung hat in rund 50 Jahren nichts von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges waren bewaffnete Auseinandersetzung nie mehr so nah an den deutschen Grenzen. Rund 700 Menschen haben sich daher, nach Veranstalterangaben dem Aufruf für den Ostermarsch in Mannheim angeschlossen.

Ukraine, Israel und Gaza oder Iran – Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen gehen der Friedensbewegung nicht aus, seit sie in den 1980er Jahren zu Tausenden gegen die Stationierung von Atomwaffen auf deutschem Boden auf die Straße gegangen war. „Friedensthemen gehen nach Stimmung“, erklärte Roland Schuster. Vom Friedensbündnis Mannheim als Organisator des Mannheimer Ostermarsches. „Ich hätte gedacht, dass wir gerade mit dem Thema Wehrpflicht auch jüngere Teilnehmer ansprechen.“ Aber nach einigen spontanen Demonstrationen vor einigen Monaten sei gegenüber der Wiedereinführung des freiwilligen Dienstes an der Waffe offensichtlich wieder Gleichgültigkeit eingekehrt. „Man hat sich offenbar mittlerweile an viele Hämmer gewöhnt“, sagte er mit Blick auf die ähnlich große Teilnehmerzahl gegenüber den Vorjahren. Und auch die Parolen haben sich im Lauf der Jahre nur wenig geändert: „Lieber friedensfähig als kriegstüchtig“.

Ich bin hier, weil mir das Thema wichtig ist“, erklärte eine Teilnehmerin. Es war ganz offensichtlich nicht ihr erster Ostermarsch. Schuster und auch Moderator Klaus Weidenschlag begrüßten viele Marschierer persönlich. Friedensfreunde und Liebhaber der Gewaltlosigkeit kennen und erkennen sich schließlich. Die Stimmung zum Auftakt war dabei friedlich, aber auch kämpferisch. „Wir sind hier, weil wir etwas zu sagen haben“, so Weidenschlag. So seien die Nachrichten mit den Kriegen auf der Welt nicht mehr auszuhalten. Deutschland müsse dabei mit gutem Beispiel vorangehen, hat sich aber für den gegenteiligen Weg entschieden. „Wir schämen uns für eine Regierung, die das Völkerrecht ignoriert“, erklärte er in Anlehnung an das gewählte Motto „Frieden durch Völkerrecht“. Die Kriege Israels in Gaza und auch der USA im Iran seien völkerrechtswidrig, habe Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärt. „Aber wir werden durch einen Bundeskanzler beschämt, der sich in unveränderter Solidarität an der Seite eines verurteilten Kriegsverbrechers zeigt.“ Und nicht nur das. Anstatt den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu internationalen Polizeibehörden zu übergeben habe Friedrich Merz seinen Amtskollegen nicht nur zum Staatsbesuch eingeladen, sondern dafür auch noch freies Geleit zugesichert.

Gründe genug also, singend, trommelnd und vor allem protestierend durch die Mannheimer Innenstadt zu ziehen bis zur Abschlusskundgebung, wo unter anderem Felix Leonhardt aus dem Bundesvorstand der Falken, Sibylle Brosius vom Friedensbündnis Mannheim und Kerim Kurt vom Mesopotamischen Kulturzentrum die Bedeutung des Friedens auf der Welt und den Beitrag Deutschlands dazu einforderten. Als Hauptredner hatten die Mannheimer Organisatoren den Aktivisten und Autor Reiner Braun aus dem Bundesvorstand des Friedensbüros gewonnen. Sein Ziel ist es die „wahnwitzige Aufrüstungspolitik“ zu stoppen. „Deutschland gibt 85,5 Milliarden für Rüstung aus und zur gleichen Zeit werden alle Etatposten für Soziales, Bildung, Wissenschaft, Gesundheit, Umwelt teilwiese bis zu 30% gekürzt“, schimpfte er. Der Beifall der Ostermarschteilnehmer war ihm dafür sicher.