Die chinesische Wollhandkrabbe ist in der Weser in Bremen längst keine Seltenheit mehr. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat das Tier über Ballastwasser eines Frachters den Weg nach Norddeutschland gefunden. In heimischen Gewässern gilt sie als invasive Art und breitet sich erfolgreich aus – auch in der Weser. Dabei stellt sie das Ökosystem vor große Herausforderungen, insbesondere in Küstennähe. Der Grund ist die jährliche Wanderung von Millionen junger Wollhandkrabben aus dem Salzwasser der Meere die Flüsse aufwärts Richtung Süßwasser. Auf diesem Weg fressen sie alles, was ihnen vor die Scheren kommt. Die Tiere untergraben Uferstrukturen, schädigen Bodenlebewesen wie Würmer, Muscheln und Insekten und konnten auch mit dem Rückgang der Wasserpflanzenbestände in Verbindung gebracht werden.

Das EU-geförderte Forschungsprojekt „Clancy“ probiert sich mit einem innovativen Fallenkonzept im Weserwehr an einem ersten Lösungsversuch. „Die Falle nutzt die Migrationen der kleinen Krabben und die Tatsache, dass die Tiere nicht schwimmen können“, erläutert Björn Suckow, „Clancy“-Projektmitarbeiter und Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Die fest installierte Falle kann einen Großteil der wandernden Krabben abfangen, indem die Tiere in Rohre laufen und in einen Container fallen. So soll der Bestand reduziert werden.

Aufgestellt wurde die Falle im Juni vergangenen Jahres. In diesem Frühjahr wird im Labor des AWI geforscht, wie die Biomasse der chinesischen Wollhandkrabben weitergenutzt werden kann. „Derzeit werden die Tiere nur getötet und verbrannt“, sagt Suckow. Für eine Umsiedlung oder den Verzehr eignen sich die Tiere dem Wissenschaftler zufolge aus verschiedenen Gründen nicht. Angeknüpft an „Clancy“ erarbeitet das Projekt „InCraSus“ mögliche Nutzungskonzepte für die derzeit noch ungenutzte Biomasse: Fischfutter, das an Shrimps getestet wird. „In der Aquakultur müssen Aminosäuren zugefüttert werden, welche die chinesischen Wollhandkrabben liefern“, sagt Projektleiterin Hilke Alberts-Hubatsch. Aber auch die Gewinnung von Chitin aus Krabbenpanzern für die Pharmaindustrie sei eine Möglichkeit. „Aus der abgefischten Rohbiomasse sollen hochwertige Rohstoffe hergestellt werden. Daran forschen wir“, so Alberts-Hubatsch. Zum Projekt ergänzt Suckow: „Uns geht es momentan in erster Linie auch darum, für das Thema zu sensibilisieren.“

Zwischen der Fischtreppe am Weserwehr hat das AWI im Sommer 2025 eine Falle installiert, die ausschließlich die chinesische Wollhandkrabbe fängt.

Zwischen der Fischtreppe am Weserwehr hat das AWI im Sommer 2025 eine Falle installiert, die ausschließlich die chinesische Wollhandkrabbe fängt.

Foto:
BASTIAN BETZ

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