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Besondere Brisanz erhält der Angriff auf die „Kendil“ durch Berichte des russischen Journalisten Alexander Newsorow und des russischen Oppositionsmediums „Charter97“, laut denen hochrangige Vertreter des russischen Militärgeheimdienstes GRU an Bord gewesen sein sollen.
Mehrere russische Geheimdienstvertreter sollen laut „RFI“-Recherchen bei dem Angriff im Dezember ums Leben gekommen sein, unter ihnen auch General Andrej Awerjanow. Der Militär gilt als Kommandeur der GRU-Einheit 29155, die mit verdeckten Operationen, Sabotageakten und Anschlagsversuchen in Europa in Verbindung gebracht wird.
Er steht auf europäischen Sanktionslisten und gilt außerdem als Schlüsselfigur russischer Aktivitäten in Afrika, wo Russland seinen Einfluss über sogenannte „Afrika Corps“‑Strukturen ausbauen will. Das „Afrika Corps“ ist der inoffizielle Nachfolger der Söldnergruppe Wagner, Awerjanow galt laut verschiedener Medienberichte als Chef der Truppe. Ob er bei dem Angriff wirklich ums Leben kam, ist nicht bekannt, weder ukrainische noch russische Stellen machten dazu eine Angabe.
Dem „RFI“-Bericht zufolge sollen die ukrainischen Soldaten seit Ende 2025 in der Luftwaffenakademie Misrata stationiert sein. Libyens anerkannte Regierung in Tripolis, die sich seit dem Sturz des früheren Diktators Muammar al-Gaddafi im dauerhaften Konflikt mit einer Gegenregierung befindet, soll die ukrainische Militärpräsenz in Misrata dulden, da sie auch für die Ausbildung libyscher Soldaten zuständig ist.
Weitere Basen, in denen ukrainische Kräfte stationiert sein sollen, sind „RFI“ zufolge der Militärstützpunkt in Zawiya und eine Koordinierungszelle in Tripolis. Dort sollen Einsätze mit libyschen Partnern und westlichen Geheimdiensten abgestimmt werden, etwa zur Aufklärung russischer Aktivitäten auf See und zur Vorbereitung von Drohnenangriffen. Diese Informationen von „RFI“ lassen sich nicht unabhängig verifizieren und beziehen sich auf libysche Militärquellen, mit denen der Sender gesprochen haben will.
Russland stellt Libyen allerdings bereits seit Jahren als Teil eines erweiterten Konflikts mit der Ukraine dar. Moskau beschuldigt die Regierung von Premierminister Abdulhamid Dbeibah seit dem vergangenen Jahr öffentlich, „ukrainische Gruppen“ zu unterstützen. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, behauptete, libysche Stellen arbeiteten mit ukrainischen Akteuren zusammen und ermöglichten Ausbildung sowie Drohnenlieferungen. Öffentliche Belege legte Russland dafür nicht vor.