Fragen & Antworten

Standdatum: 5. April 2026.

Autorinnen und Autoren:
Alexander Schnackenburg

Video

Mehrgenerationenhäuser führen idealerweise Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft zusammen.

Bild: Radio Bremen

Video-Ende

Mehrgenerationenhäuser vereinen Jung und Alt unter einem Dach. Sie sollen das Wir-Gefühl in Wohnvierteln stärken. Dafür fördert sie der Bund. So auch vier Häuser in Bremen.

Die Idee ist so alt wie die Menschen: Die Jungen lernen von den Alten. Umgekehrt helfen die Jungen den Senioren, wenn sie Hilfe brauchen. Mehrgenerationenhäuser (MGH) lehnen sich an das Prinzip der Großfamilie an: Von Kleinkindern bis zu Senioren verbringen alle unter einem Dach gemeinsam freie Zeit. So sollen MGH den sozialen Zusammenhalt in ihren Wohnvierteln stärken.

Um diese Idee voranzutreiben, fördert der Bund MGH seit 20 Jahren. Im Land Bremen profitieren davon derzeit vier Einrichtungen. buten un binnen erklärt, was sie auszeichnet.

Was für Mehrgenerationenhäuser gibt es in Bremen?

In der Stadt Bremen gibt es vier Mehrgenerationenhäuser, die von der Bundesförderung profitieren: Das Haus der Zukunft in Lüssum, das Familien- und Quartierszentrum Neue Vahr Nord, das Schweizer Viertel der Bremer Heimstiftung und das Mehrgenerationenhaus MOBILE in Hemelingen. Alle Häuser verfolgen, je nach Träger und Kooperationspartner, eigene Ansätze.

Sina Mayer, Projektkoordinatorin im Haus der Zukunft sagt dazu: „Mehrgenerationenhäuser arbeiten sozialraumorientiert. Wir gucken, was fehlt und versuchen, Lücken zu schließen.“ Im Falle des Hauses der Zukunft hat das zur Folge, dass das Haus viel für Senioren, für Neuankömmlinge und für Familien mit Kindern anbietet – aber eher wenig für Jugendliche. „Wir sind von zwei Jugendzentren umgeben“, nennt Mayer den Grund.

Eine Sonderstellung nimmt das von der Bremer Heimstiftung getragene MGH Bremen Schweizer-Viertel ein. Es ist aus der Altenhilfe heraus entstanden. Daher können Senioren hier sogar wohnen.

Frauen an Tischen mit Kaffeekannen in einem großen Saal, von oben fotografiert

Am Frauenfest im Haus der Zukunft nehmen viele muslimische Frauen teil. Es ist fast schon eine Institution in dem Mehrgenerationenhaus und findet wieder am 16. April statt.

Bild: Haus der Zukunft

Gibt es auch in Bremerhaven Mehrgenerationenhäuser?

Nein, zumindest keine, die der Bund fördert, sagt Laura Bohlmann, Sprecherin des Magistrats. Dafür gibt es in Bremerhaven-Lehe das Wohnprojekt Goethe43. Dort, in der Goethestraße 43, leben seit mehr als 15 Jahren junge und alte Menschen unter einem Dach, genauer: 19 Personen und fünf Tiere in zehn Haushalten.

Zwar legen die Bewohnerinnen und Bewohner Wert auf die Feststellung, dass sie sehr gut im Stadtteil vernetzt seien. Dennoch ist Goethe43, anders als die anderen Bremer MGH, eine rein private Initiative, in erster Linie ein Wohnprojekt. Die stadtbremischen MGH hingegen haben den Charakter von Quartierszentren. Sie werden von großen Vereinen, Institutionen, Kirchen und der öffentlichen Hand getragen oder zumindest unterstützt.

Nach welchen Kriterien und in welcher Höhe fördert die öffentliche Hand Mehrgenerationenhäuser?

Im Kern geht es bei der Förderung immer um soziale Teilhabe und generationenübergreifende Arbeit in strukturschwachen Gebieten, erklärt Bettina Paul-Renken, Geschäftsführerin des Vereins Freundeskreis Häuser der Familie und Familienbildung in Bremen. Der Verein trägt das Haus der Zukunft in Lüssum und das Mehrgenerationenhaus MOBILE in Hemelingen.

„Typische Themen für Mehrfamilienhäuser sind Bildung, Freizeitgestaltung und Begegnung“, so Paul-Renken weiter. MGH organisierten kulturelle Veranstaltungen ebenso wie Ausflüge oder auch Info-Abende zu Themen wie „Wie funktioniert mein Handy?“.

Der Bund fördert MGH seit 2006. Die aktuelle Förderperiode hat 2021 begonnen. Für acht Jahre unterstützt der Bund darin deutschlandweit 530 Mehrgenerationenhäuser mit jeweils bis zu 45.000 Euro jährlich. Die vier Bremer MGH erhalten Nina Willborn aus dem Sozialressort zufolge jährlich je 40.000 Euro vom Bund. Die Stadt Bremen steuere zudem weitere 10.000 Euro jährlich pro MGH als Kofinanzierung bei. Darüber hinaus erhielten die Häuser jeweils 15.000 Euro jährlich an Projektmitteln von der Stadt Bremen.

Plant Bremen weitere Mehrgenerationenhäuser?

Jein, sagt Nina Willborn aus dem Sozialressort. Bremen plane zwar kein neues Mehrgenerationenhaus. Wohl aber plane die Stadt den Umzug des Quartiersbüros Doventorsteinweg in das Q45 (das ehemalige Bundeswehrhochhaus). Damit werde das Quartierszentrum vergrößert, so Willborn.

Dazu muss man wissen: Die Quartierszentren verfolgen in Bremen ein Konzept, das dem der Mehrgenerationenhäuser sehr ähnlich ist. „Quartierarbeit bedeutet, Teilhabe zu ermöglichen, Armut lokal zu bekämpfen und Chancen gerecht zu verteilen“, so Willborn. In diesem Sinne werde das Q45 voraussichtlich im Frühsommer mit einem vergrößerten Angebot eröffnen.

Mehr zum Thema Wohnen:

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, 30. März 2026, 19.30 Uhr