Herford/Höxter. Ostern muss Thorsten Behring zwar in der Reha in Bad Driburg verbringen. Trotzdem ist er unendlich dankbar – allen voran den Ersthelfern an seinem Arbeitsplatz beim weltbekannten Familienunternehmen Wemhöner. Denn: Sie retten ihm das Leben, als der 53-Jährige mit einem Herzinfarkt und Kammerflimmern zusammenbricht.

Es ist Freitag, der 13. Februar, – für den Herforder gleichermaßen ein Unglücks- und Glückstag. Erinnern kann er sich an den Moment nicht mehr, weiß nur aus Erzählungen, was passiert ist. Der gelernte Elektromechaniker geht um 8.15 Uhr nach draußen, will eine Zigarette rauchen. Noch bevor er sie anzünden kann, sackt er zusammen, fällt von einer der Sitzgelegenheiten in der Raucherecke.

„Ich hatte keinerlei Vorzeichen, keine Enge in der Brust oder Schmerzen“, erzählt er. Zwar ist er in diesem Moment alleine, aber nur Sekunden später kommen zwei Kollegen raus. Die alarmieren sofort die Ersthelfer. „Sie haben mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen, bis der Notarzt einige Minuten später kam“, weiß Behring heute.

Ersthelfer von Wemhöner starten Herzdruckmassage

Die beiden Helfer wissen genau, was zu tun ist. Wechseln sich ab, denn die Herzdruckmassage kostet Kraft. Da ziehen sich die Minuten hin. Als der Notarzt kommt, atmet der 53-Jährige schon wieder leicht. Sein Herz flimmert, es wird mit dem Defibrillator geschockt und wieder in den richtigen Rhythmus gebracht. Mit dem Rettungswagen geht’s sofort ins Klinikum.

Eine Ader sei verschlossen gewesen. Im Klinikum seien ihm Stents gesetzt worden. Doch es kommt zu Komplikationen. Für sechs Tage wird der Wemhöner-Mitarbeiter ins künstliche Koma versetzt. „Als ich wieder aufwachte, dachte ich erst, ich sei zu Hause. Dann sagten mir die Ärzte, was passiert ist und dass ich im Krankenhaus sei“, erzählt Behring.

An seiner Seite sind die ganze Zeit seine Frau und seine Familie. Behring ist Vater von zwei erwachsenen Kindern und hat auch schon ein Enkelkind. Vom Licht am Ende des Tunnels, wenn man den Tod vor Augen hat, oder vorbeirasenden Erinnerungsfetzen, wie es in Filmen oft dargestellt wird, hat Thorsten Behring nichts gesehen. „Ich kann mich auch einfach an rein gar nichts erinnern“, sagt er.

Im Video: Erste Hilfe beim Herzinfarkt

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Familie kann Herforder nach sechs Tagen Koma in die Arme schließen

Seine Familie ist froh, dass er wieder wach ist. Schließt ihn in die Arme. Bis zum 3. März muss er im Klinikum bleiben. Dann geht es für einige Wochen nach Hause, bevor es ab dem 23. März weiter zur Rehabilitation nach Bad Driburg im Kreis Höxter geht.

Und hat er keine Angst, dass sein Herz plötzlich wieder aussetzen könnte? Zu sagen, dass er sich gar keine Sorgen mache, wäre wohl gelogen. Aber der 53-Jährige ist guten Mutes. Denn zum einen seien die Verengungen behoben, das Herz genau untersucht. Außerdem trage er eine sogenannte Life-Vest – eine Defibrillator-Weste.

„Das sieht in etwa aus wie ein Sport-BH für Frauen, darin ist aber die entsprechende Technik. Würde ich wieder Kammerflimmern bekommen, würde das Gerät dreimal warnen. Dann kann man den Vorgang noch stoppen. Passiert das nicht, löst das Gerät den Schock aus“, sagt Behring. Die Weste trägt er 24 Stunden am Tag. Machbar, wegen des Gewichts aber auch nicht besonders bequem.

Herz-Reha in der Casper-Heinrich-Klinik in Bad Driburg

Sein Herz sei schwächer als normal, habe aktuell noch eine deutlich reduzierte Leistung. Mit der Reha in der Casper-Heinrich-Klinik in Bad Driburg soll sich das verbessern. Entsprechend ist diese auf passende Bewegungsmaßnahmen abgestimmt. Außerdem gibt es Kurse. Stichwort: Was tut dem Körper gut, was nicht.

„Läuft alles gut und mein Herz wird kräftiger, dann kann ich die Life-Vest wieder ablegen. Wenn sich das Organ nicht ausreichend kräftige, sei es wahrscheinlich, dass er einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator benötige. Das wolle er aber möglichst verhindern.

Mit einem Vorfall wie dem Herzstillstand hätte der Herforder nicht gerechnet. Behring: „Ich rauche zwar, bin sonst aber viel mit unserem Hund in Bewegung, habe auch kein Übergewicht.“ Das Rauchen hat Behring, der übrigens seit seiner Ausbildung schon bei Wemhöner tätig ist, nach dem Schockmoment nicht wieder angefangen. Und das soll auch so bleiben.

Seine Geschichte macht Thorsten Behring öffentlich, um auf die Wichtigkeit der Ersten Hilfe hinzuweisen. „Ich kann nur froh sein, dass Wemhöner hier so gut aufgestellt ist.“ Denn nur durch die raschen und richtigen Maßnahmen seiner Kollegen kann er nun Ostern feiern – zwar in Bad Driburg, aber im Kreise seiner Liebsten, die ihn an diesem Wochenende besuchen werden. Und ein leckerer Kuchen dürfte dann wohl auch erlaubt sein.