Standdatum: 5. April 2026.
Autorinnen und Autoren:
Matthias Röhrs
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Die Bibliothek erstreckt sich über drei Etagen.
Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs
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46.000 Medien auf drei Etagen: Eine Bibliothek im Schnoor bewahrt die Vielfalt der plattdeutschen Sprache.
Das Bremer Schnoorviertel ist eher dafür bekannt, dass dort alles klein ist. Aber mittendrin steht die größte Bibliothek der Welt – zumindest was die plattdeutsche Sprache angeht. In drei Häusern und drei Etagen sind etwa 46.000 Medien gelagert.
In den Regalen der Bibliothek findet man eigentlich alles, was es auf Plattdeutsch so gibt. Die Bibliothek bewahrt die Mundart buchstäblich mit allen Mitteln: Bücher, Zeitschriften, DVDs, Schallplatten und mehr. Von der Schwimmanleitung über die Bibel bis zum Theaterstück oder Erzählband mit Döntjes gibt’s hier alles – und nahezu alles ist auf Plattdeutsch.
Beitrag zur Wissenschaft
Nele Otten leitet die Bibliothek des Instituts für niederdeutsche Sprache.
Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs
Nele Otten ist die Leiterin dieser Bibliothek, die dem Institut für niederdeutsche Sprache, einem Verein mit etwa 300 Mitgliedern, gehört. Und die Sammlung sei unter anderem wichtig für die Wissenschaft, erklärt die 27-Jährige. Viele kämen vorbei, um Bachelor- oder Masterarbeiten zu schreiben.
Es ist ein wichtiger Ort, weil er die Literatur einfach bewahrt. Wenn wir das alles nicht haben, findet zum Beispiel keine Forschung mehr statt.
Nele Otten, Leiterin der Bibliothek
In der Bibliothek gibt es Altes und Neues
Das älteste Buch ist 175 Jahre alt, ein Vorläufer der Zeitschrift „Quickborn“. „Es markiert den Anfang einfach von dieser riesigen Sammlung, die wir hier haben“, sagt Otten. Von den 46.000 Medien sind etwa 30.000 Bücher. Jede Region kennt ihr eigenes Plattdeutsch, und jede Variante ist hier im Schnoor zu finden.
Nicht nur Altes gehört zum Bestand, vieles gehört noch heute zur Popkultur, zu finden in der „Abteilung für schöne Literatur“: Etwa Asterix-Hefte oder Harry-Potter-Bände, Kinderbücher. „Die schaffen einen ganz tollen Zugang zur Sprache“, so Otten. Deswegen würden auch häufig Familien vorbeischauen.
Den guten Zugang gibt es auch über die Musik. Die 27-Jährige sucht eine Schallplatte der Finkwarder Speeldeel mit Seemannsliedern hervor.
Plattdeutsch ist ein ganz großer Teil in der Seefahrt, es ist also eine Seefahrersprache, und dementsprechend darf so etwas nicht fehlen.
Nele Otten, Leiterin der Bibliothek
Alle Varianten sind vertreten
All diese Schätze sind im Grunde ordentlich, irgendwo aber doch ein wenig chaotisch untergebracht auf den drei Etagen, die über alte Treppen miteinander verbunden sind. Es ist nicht immer leicht, sich zurechtzufinden. Alles ist auf mehrere enge Räume verteilt, und manchmal muss man fürchten, beim Umdrehen mit dem Hintern alles umzuwerfen.
Im Lesesaal gibt es die „Abteilung für schöne Literatur“.
Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs
Nele Otten selbst hat erst im Studium in Oldenburg begonnen, Plattdeutsch zu lernen und sich mit der Sprache ihrer Großeltern tiefer zu beschäftigen. Nach einem Praktikum beim Institut für niederdeutsche Sprache ist sie schnell die Bibliotheksleiterin geworden. Dreieinhalb Jahre ist das jetzt her. Sie ist die einzige Festangestellte des Vereins.
Auch internationale Besucher werden fündig
Wenn Otten von der größten plattdeutschen Bibliothek der Welt spricht, macht sie das zwar mit einem Augenzwinkern. International braucht sich die Bibliothek aber nicht verstecken. In Brasilien und Amerika werde ebenfalls Platt gesprochen, so Otten. Kürzlich gab es Besuch aus Kanada. „In Kanada ist es dann Plautdietsch. Aber tatsächlich hat das ganz viel mit dem Plattdeutschen zu tun.“ Und tatsächlich gibt es auch in dieser Variante Wörterbücher und Romane in der Bremer Platt-Bibliothek. Kleines Kuriosum am Rande: Ein Wörterbuch mit Bremer Plattdeutsch hat Otten noch nicht auftreiben können.
Es ist ein sehr, sehr schöner Ort. Ein sehr besonderer Ort, den es sonst nirgendwo gibt.
Nele Otten, Leiterin der Bibliothek
Nele Otten hat noch viel vor mit der Plattdeutschen Bibliothek. Sie würde zum Beispiel gerne mehr Veranstaltungen machen. Mit mehr Hilfe könnte sie auch mehr Öffnungstage anbieten. Auch der Bestand soll weiterwachsen, selbst wenn die Bibliothek aus allen Nähten zu platzen scheint.
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Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
Bremen Zwei, 3. April 2026, 11:48 Uhr



