Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die jüngste ukrainische Kampagne Russland deutlich härter trifft als frühere Angriffswellen. Laut Schätzungen der Nachrichtenagentur Reuters hat das Land allein im März etwa 40 Prozent seiner Exportkapazitäten für Rohöl eingebüßt. Nach Angaben des Experten für Russlands Energiewirtschaft, Boris Aronshtein, dürften die Einbußen sogar eher bei 50 Prozent liegen. Denn angesichts des Lieferstopps durch die Druschba-Pipeline nach Osteuropa und das verschärfte Vorgehen vieler Länder gegen Russlands Schattenflotte spitzt sich die Lage für Moskau zusätzlich zu.

„So gefährdet wie aktuell waren Russlands Ölexporte noch nie seit dem Kriegsausbruch 2022“, sagte Aronshtein kürzlich dem russischsprachigen US-Sender „Current Time TV“. „Die Planung, das Ausmaß und die abgestimmte Ausführung der jüngsten Angriffe haben zusammen eine Wirkung erzeugt, die es so in den mehr als vier Jahren Krieg nicht gegeben hat.“

Tatsächlich stauen sich seit voriger Woche Dutzende russische Öltanker in der Ostsee, die eigentlich in Primorsk oder Ust-Luga Rohstoffe aufnehmen sollten – aber das ist angesichts der brennenden Verladeanlagen dort unmöglich. Unklar ist allerdings, wie lange Russland braucht, um die Anlagen wieder instand zu setzen, so der Militärexperte Jan Matwejew. „Wir wissen, dass es in Primorsk und Ust-Luga schwere Schäden gegeben hat“, sagte er „Current Time TV“. „Sollte auch die Ausrüstung zum Verladen des Öls beschädigt worden sein, würde das zu einer längeren Unterbrechung des Betriebes führen.“

Ein Anhaltspunkt für die Dauer des Ausfalls könnte der Schwarzmeerhafen Noworossijsk sein, der nach einem Treffer mit Seedrohnen im November erst Ende Januar wieder den Betrieb aufnehmen konnte. Allerdings haben auch die Ukrainer die Taktung ihrer Angriffe verkürzt, wie der Rohstoffexperte Isaac Levy „Radio Free Europe“ erklärte. „Bislang konnte Russland seine Anlagen innerhalb von Wochen reparieren, doch inzwischen greifen die Ukrainer in zwei- bis dreiwöchigen Zyklen an, was die Anlagen dauerhaft außer Betrieb setzt“, so Levy.

Im Video | Drohnen setzen Ölexport-Hafen in Brand

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