Nachdem Serbien den Fund von Sprengstoff an einer Gas-Pipeline nach Ungarn gemeldet hat, richtet der ungarische Regierungschef Viktor Orban den Verdacht auf die Ukraine. Orban und sein Außenminister ließen nach einer Sondersitzung des nationalen Verteidigungsrats in Budapest durchblicken, dass sie die Ukraine verdächtigen, einen Sabotage-Akt an dieser Pipeline geplant zu haben. Nach Angaben des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic wurden an der Gas-Pipeline Balkan Stream nach Ungarn „Sprengstoff in verheerender Kraft“ sowie die dazugehörigen Zündschnüre gefunden. Die Pipeline bringt russisches Erdgas von der Türkei über Bulgarien und Serbien nach Ungarn. Vucic und Orban sprachen telefonisch über den Fall, wie beide bestätigten. Zu dem Fund sei es an einer Pumpstation nahe der ungarischen Grenze bei der serbischen Ortschaft Velebit gekommen, teilte Vucic mit.

Am kommenden Sonntag steht in Ungarn die Parlamentswahl an, die Orbans Partei Fidesz laut Umfragen verlieren könnte. Der Oppositionsführer und Spitzenkandidat der Partei Tisza, Peter Magyar, warf Orban vor, über das Thema eines angeblich geplanten Anschlags auf die Pipeline aus wahlkampftaktischen Gründen Panik schüren zu wollen.

Bereits seit Wochen habe er Signale bekommen, dass Aktionen „unter falscher Flagge“ in diese Richtung geplant seien, schrieb Oppositionsführer Magyar bei Facebook. Mehrfach habe man gehört, dass „zufällig“ eine Woche vor der Wahl, etwa an Ostern, an dieser Pipeline etwas passieren werde. „Außerdem rufe ich Viktor Orban dazu auf, (wenigstens während der Feiertage) mit der Panikmache und mit dem Stiften von Verwirrung aufzuhören, die russische Berater geplant haben“, schrieb Magyar weiter. Sollte Orban den Vorfall für Wahlkampfpropaganda nutzen, käme dies einem Eingeständnis dafür gleich, dass dies eine Aktion „unter falscher Flagge“ sei.

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben mit Syrien eine engere Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen vereinbart. Angesichts des Iran-Krieges wolle die Ukraine ihre militärische Expertise in der Region einbringen, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntag nach einem Treffen mit seinem syrischen Amtskollegen Ahmed al-Scharaa in Damaskus auf der Plattform Telegram. Es gebe ein großes Interesse am Austausch von militärischen Erfahrungen. Die Ukraine hat in ihrem Krieg gegen Russland weitreichende Kenntnisse in der Abwehr von Drohnen- und Raketen erlangt. Syrien verfügt über keine bekannte Luftabwehr, die etwa iranische Geschosse abfangen könnte. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran hat die Regierung in Teheran wiederholt US-Stützpunkte und US-Verbündete in der Region beschossen.

Neben Sicherheitsfragen erörterten die beiden Präsidenten den Angaben zufolge auch die Lebensmittelversorgung in der Region. Die Ukraine wolle als verlässlicher Getreidelieferant zur Ernährungssicherheit im Nahen Osten beitragen, erklärte Selenskyj. An den Gesprächen in Damaskus nahmen nach Angaben der Türkei auch der türkische Außenminister Hakan Fidan sowie die Außenminister Syriens und der Ukraine, Asaad al-Schibani und Andrij Sybiha, teil.