Er ist immer noch eine imposante Figur. 2,06 Meter groß. Ein bisschen hat Louis Dunbar zugelegt, aber man sieht immer noch den Athleten in ihm. Im Maritim Hotel faltet er sich in den Sessel, der 72 Jahre alte „Sweet Lou“ so sein Kampfname hat für die Harlem Globetrotters alles gemacht, Spieler. Trainer, Manager; da kann er in Stuttgart auch noch ein bisschen Werbung machen für sein Team.

Die Globetrotters sind eine der bekanntesten Marken in der Unterhaltung und im Sport. Dieses Jahr gibt es sie seit exakt 100 Jahren. Knapp die Hälfte dieser Jahre hat Dunbar sie geprägt. Er ist einer dieser Amerikaner, die man einfach mögen muss. Freundlich, zugewandt, aufgeräumt. Und Profi durch und durch. Natürlich weiß er, was er sagen muss. Doch als wir ihm erzählen, dass die Globetrotters schon vor seiner Geburt in Stuttgart waren, und zwar in dem Stadion, in dem er nachher beim VfB zuschauen darf, nimmt das Gespräch eine sehr persönliche Wendung.

Lou Dunbar schwebt Foto: Harlem Globetrotters

Ape Saperstein gründete die Globetrotters 1926 in Chicago als Savoy Big Five. 1927 änderte er den Namen in Harlem Globetrotters. Ihr erstes Spiel hatten sie in Illinois vor 300 Zuschauern. Mittlerweile haben sie in praktisch allen Ländern dieser Welt zehntausende Spiele absolviert. Als sie 1951 erstmals nach Deutschland kamen, traten sie auch in Stuttgart auf: Am 12. August im Neckarstadion. Eine Sensation für die Schwaben. Erst einmal musste der „Kleine Sportbericht“ erklären, was es mit diesem Korbball auf sich hatte: „Am 28. Januar 1882 ließ der kanadische Turnlehrer Dr. James Naismith an der Galerie des Turnsaales der CVJM-Schule in Springfield zwei Pfirsichkörbe (natürlich leere) anbringen und damit das von ihm ersonnene Korbballspiel erstmalig ausführen.“ Nähere Feinheiten waren nicht bekannt. Weil es dem Globetrotter Marques Haynes bei den Spielen in England zu nass gewesen war, hielt er mit einer Hand einen Regenschirm – und versenkte mit der anderen den Ball. Also glaubte man in Deutschland tatsächlich, Basketball könne man nur bei Regen spielen.

Doch Zehntausende im Neckarstadion merkten alsbald, „die Globetrotters spielen viel lieber im Trockenen, da haben sie beide Hände frei.“ Der Chronist des „Sportberichts“ war begeistert: „Wollte man das trickreiche Spiel in Worte kleiden, so sind selbst Superlative zu schwach. Die Zuschauer lachten Tränen. Sie ließen den Ball über Arme und Beine laufen, drehten ihn tänzelnd auf Finger- und Zehenspitzen oder hielten ihn in ihren überdimensionalen Handflächen, als handle es sich um harmloses Kinderspielzeug. Wartete ein Gegner auf den Torwurf, so war plötzlich der Ball verschwunden und kam hinter dem Rücken eines Nebenspielers zur Verwunderung der Zuschauer wieder zum Vorschein.“ Die Gegner übrigens hatten die Globetrotters wie immer mitgebracht, wie auch den Zeremonienmeister, einen gewissen Jesse Owens, den vierfachen Olympiasieger von 1936.

Alles Show? Von wegen. Für schwarze Basketballer waren die Globetrotters die einzige Möglichkeit, mit ihrem Sport Geld zuverdienen. In der Profiliga durften nur Weiße spielen. Saperstein gründete die Globetrotter mit fünf arbeitslosen jungen Männern aus Chicago. Sie trampten durch die USA, spielten überall. Ihre Tricks bauten sie damals schon ein. Gleichzeitig waren sie so gut, dass sie 1949 den amerikanischen Meister Minneapolis Lakers besiegten. Auf der einen Seite die weißen Profispieler, auf der anderen die schwarzen Globetrotter, die in den Südstaaten angepöbelt, in den Restaurants nicht bedient und von Hotels abgewiesen wurden. Man kann sich leicht vorstellen,dass dies mehr war als nur ein sportlicher Sieg.

Die Globetrotters in der Messehalle auf dem Killesberg Ende der 50er Jahre. Foto: StN

Louis Dubar hat all dies am eigenen Leib erlebt. Er wuchs in Louisiana auf, mitten in Zeiten der Rassentrennung. Er kann sich noch gut daran erinnern, dass sogar die Trinkbrunnen nach Hautfarbe getrennt waren. „Uns wurde eingeschärft ja nicht aus dem für Weiße zu trinken“, sagt er. Obwohl oder gerade weil sein Vater der erste schwarze Polizist in seiner Heimatstadt hat er das verinnerlicht. „Wenn die Globetrotters in den Südstaaten unterwegs waren, übernachteten sie privat bei schwarzen Familien, ins Hotel durften sie nicht.“ International seien sie Superstars gewesen, umjubelt von Zehntausenden, wie in Stuttgart, „zuhause waren wir Bürger zweiter Klasse.“

Von der Polizei festgenommen

Das hat er selbst in späteren Jahren erfahren. Er war schon lange ein bekannter Basketballer, herausragend im College, gedraftet, NBA-Spieler, dann bei den Globetrotters, als er und zwei seiner Mitspieler auf Stadtbummel in Santa Barbara in Kalifornien vor dem Spiel waren. Plötzlich raste die Polizei heran, das Trio wurde mit Waffen bedroht, auf den Boden gezwungen, mit Handschellen gefesselt und abtransportiert. Sie sollten einen Juwelenladen überfallen haben. Beweis: Sie trugen wertvollen Schmuck. Das machte sie als Schwarze verdächtig. Relativ schnell war klar, das war völliger Blödsinn. Das Trio verklagte die Stadt, bekam Recht. Für Dunbar bleibt die Lehre, die er seinen Kindern weitergab: „Ihr müsst damit rechnen, anders behandelt zu werden!“

Die Chefs von den Globetrotters: Barry Hardy, Lou Dunbar, Jimmy Blacklock (von links) Foto: Harlem Globetrotters

Auch seinen Mitspielern erzählt er davon. „Die sind aber glücklicherweise in anderen Zeiten aufgewachsen“, Dunbar sorgt aber dafür, dass sie die Historie ihres Teams nicht vergessen. Manches kehrt ja leider mit Macht zurück. Doch über Politik mag Dunbar heute über sein persönliches Erleben hinaus nicht sprechen. Auch das ist vielsagend. Und er sagt: „Wir waren und sind Botschafter Amerikas“ Mit drei Teams reisen sie, 40 Mann und sechs Frauen sind unter Vertrag. Monatelang sind sie unterwegs, spielen jeden Tag gegen ihren ewigen Widersacher Washington Generals. So auch in Stuttgart in der Porsche-Arena am 6. Mai. Mit Sweet Lou an der Seitenlinie. Imposant wie eh und je.

Die Harlem Globetrotters in Stuttgart

Tickets
Die Harlem Globetrotters spielen am Mittwoch, 6. Mai, um 20 Uhr in der Porsche-Arena. Karten gibt es von 40,35 Euro an.