Es sind Bands aus der Rock-, Indie-, Punk- oder Metalszene, die das Publikum ins Backstage locken, die Aussicht auf ausgelassenes Feiern auf der Tanzfläche bei günstigem Eintritt oder auf die entspannte Atmosphäre im Biergarten, bei Diskussionen oder Rollschuhdisko. Das Kulturzentrum an der Friedenheimer Brücke, westlich des Münchner Stadtzentrums, ist ein Ort, an dem auch die Subkultur erfolgreich blüht.

Ein Großprojekt in München kommt dem Backstage in die Quere

In diesem Jahr wollten die Betreiber das 35-jährige Bestehen feiern und ihre Erweiterungspläne vorstellen. Nach mehrfachen Umzügen soll das Backstage an seinem jetzigen Standort zu einer langfristigen, nachhaltigen Event-Location ausgebaut werden, mit einem großen Parkhaus, einer Multifunktions-Arena, Bandproberäumen und einem unterirdischen Club. Doch nun kommt der Feierstimmung ein anderes Großprojekt in die Quere.

Auf dem Grundstück gegenüber nämlich plant die Büschl-Unternehmensgruppe, ein einflussreicher Akteur auf dem Münchner Immobilienentwicklungsmarkt, eine großflächige Neubebauung.

Die beiden Hochhäuser sollen mit 155 Metern auch die Frauenkirche überragen.

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Die beiden Hochhäuser sollen mit 155 Metern auch die Frauenkirche überragen.
Foto: Herzog & De Meuron

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Die beiden Hochhäuser sollen mit 155 Metern auch die Frauenkirche überragen.
Foto: Herzog & De Meuron

Auf dem Gelände, das früher von der Post genutzt wurde und auf dem die Pakethalle steht, sollen etwa 1200 Wohnungen – teure wie auch „preisgedämpfte“ –, Büros und ein Park entstehen. Das Herzstück des Quartiers sollen zwei gut 150 Meter hohe, spektakuläre Wohntürme bilden, entworfen vom Büro der Stararchitekten Herzog und de Meuron. Die denkmalgeschützte Paketposthalle wird, das stellen die Investoren zumindest in Aussicht, als „Halle für alle“ für verschiedene Kulturnutzungen geöffnet. Um das Projekt hat die Stadt lange gerungen. Insbesondere an den beiden Hochhäusern entzündete sich erbitterter Streit.

Hans-Georg Stocker hat das Backstage vor 35 Jahren mitgegründet. Er fürchtet, dass das alternative Kulturzentrum durch die Rekord-Hochhäuser – im Bild ein Modell davon – verdrängt werden könnte.

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Hans-Georg Stocker hat das Backstage vor 35 Jahren mitgegründet. Er fürchtet, dass das alternative Kulturzentrum durch die Rekord-Hochhäuser – im Bild ein Modell davon – verdrängt werden könnte.
Foto: Backstage

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Hans-Georg Stocker hat das Backstage vor 35 Jahren mitgegründet. Er fürchtet, dass das alternative Kulturzentrum durch die Rekord-Hochhäuser – im Bild ein Modell davon – verdrängt werden könnte.
Foto: Backstage

Nach mehreren politischen wie juristischen Volten gab die Mehrheit des Stadtrats Ende November 2025 schließlich grünes Licht für den Bau. Nun aber schlägt Backstage-Geschäftsführer Hans-Georg Stocker Alarm. Er sieht die Existenz seines Ladens in Gefahr, sollte die Stadt das Baurecht für das Paketpostareal in Kraft setzen, bevor eine bindende Vereinbarung zwischen der Unternehmensgruppe Büschl und dem Backstage geschlossen sei.

Hans-Georg Stocker und sein Team feiern heuer das 35-jährige Bestehen des Backstage.

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Hans-Georg Stocker und sein Team feiern heuer das 35-jährige Bestehen des Backstage.
Foto: Backstage

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Hans-Georg Stocker und sein Team feiern heuer das 35-jährige Bestehen des Backstage.
Foto: Backstage

Das Damoklesschwert, das die Backstage-Betreiber über sich schweben sehen, ist der Lärmschutz. Musik und Menschenmengen haben die Eigenschaft, auch einmal lauter zu sein, selbst wenn Stocker beteuert, man habe „so gut wie nie“ Lärmbeschwerden. Doch wenn die Wohnbebauung auf bis zu 40 Meter heranrückt, wie es die neuen Türme würden, fürchtet Stocker, könnten neue Bewohner sich gestört fühlen und gegen das Backstage klagen.

Auch Bands aus der Metal- und Mittelalterszene stehen im Backstage auf der Bühne. Hier: Feuerschwanz.

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Auch Bands aus der Metal- und Mittelalterszene stehen im Backstage auf der Bühne. Hier: Feuerschwanz.
Foto: Geisler-Fotopress, dpa

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Auch Bands aus der Metal- und Mittelalterszene stehen im Backstage auf der Bühne. Hier: Feuerschwanz.
Foto: Geisler-Fotopress, dpa

Deshalb müssten noch vor Erteilung der Baugenehmigung rechtssichere Vereinbarungen getroffen werden und sich auch der Investor zu nachhaltigem Schallschutz, etwa an den Fenstern der Wohnhäuser, verpflichten. „Wir brauchen Rechtssicherheit“, betont Stocker. Außerdem fordert der Backstage-Geschäftsführer eine Millionensumme als Ausgleich für die Einschränkungen des Kulturbetriebs durch die jahrelange Baustellenzeit, die beim Bau des neuen Quartiers zu erwarten ist.

Im Netz solidarisieren sich viele mit dem Backstage

Stocker hat seine Forderungen auf der Homepage des Backstage öffentlich gemacht und Unterstützerinnen und Unterstützer des Hauses aktiviert, die auf Online-Plattformen ihre Solidarität mit dem Kulturzentrum demonstrieren. Auch Kommunalpolitiker setzen sich für das Backstage ein. So verlangt die ÖDP in einem Antrag im Stadtrat, die Stadt solle „Kultur schützen statt Luxustürme durchdrücken“. Das Backstage sei „kein Störfaktor, sondern ein Herzstück der Münchner Kulturszene“.

Die Stadt steckt angesichts des Konflikts in einem Dilemma. Im Münchner Rathaus wünscht sich niemand eine öffentlich ausgetragene Schlammschlacht zwischen den potenziellen Nachbarn. Dafür sind beide Projekte zu wichtig für die Stadt. „Wir sind weiterhin an einer Lösung interessiert“, versichert auch Stocker. „Ich glaube, dass Wohnungen und ein Kulturzentrum hier nebeneinander existieren und sich sogar gegenseitig befruchten können – aber nur, wenn beide Parteien fair spielen.“

Für das Backstage drängt die Zeit. Die Baugenehmigungen für die Erweiterung sind befristet. Um die nötigen Kredite für den Ausbau zu bekommen, braucht Geschäftsführer Stocker die Sicherheit, seinen Betrieb klagefrei weiterführen zu können. Darum hofft er, dass die Stadt sich nun gegenüber dem Investor für das Backstage einsetzt. Die Stadtbaurätin hat sich bereits mit dem Thema befasst. „Es geht in die richtige Richtung. Ich hoffe, dass es jetzt bald Verhandlungen mit den Investoren gibt“, sagt Stocker. „Und es nicht nur bei Lippenbekenntnissen der Politik bleibt.“

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