Bielefeld. Seit Jahrzehnten leben neben Kängurus auch Papageien, Stachelschweine und Affen auf dem Campingplatz in Quelle. Vor etwa vier Monaten bekam die Kängurufamilie Zuwachs vom kleinen Dobby. Doch das Känguru hatte es die vergangenen Wochen nicht leicht: Es wurde von seiner Mutter aus dem Beutel geworfen, sodass es von nun an mit der Flasche aufgezogen werden muss.

Zehn Bennet-Kängurus finden seit etwa 15 Jahren neben den Stachelschweinen ihren Platz auf dem Gelände des Campingplatzes. „Die sind in den letzten Jahren echt schon zu einer großen Attraktion geworden“, sagt der Tierpfleger André Sieker (48). Mit einer Sondergenehmigung darf der Platz die exotischen Tiere halten. Die Bennet-Kängurus, auch Wallabys genannt, werden etwa einen Meter groß und wiegen 15 bis 20 Kilogramm.

Das kleine Känguru Dobby ist erst vier Monate alt und steht schon selbst auf den Beinen. - © Andreas Zobe

Das kleine Känguru Dobby ist erst vier Monate alt und steht schon selbst auf den Beinen.
(© Andreas Zobe)

„Sie fühlen sich in ihrem Gehege auch wohl. Jedes Jahr bringen sie zwei bis drei Junge zur Welt“, so der Tierpfleger. So kam vor rund vier Jahren ein besonderes Känguru in der Anlage zur Welt. Es ist weiß und hat Albinismus. Heute ist es bereits ausgewachsen und Teil der zehnköpfigen Kängurufamilie geworden. Der kleine Dobby kam jedoch erst vor vier Monaten auf die Welt und hatte einen schwierigen Start: Im Alter von drei Monaten fand der Tierpfleger das kleine Känguru bei einem Kontrollgang in der Anlage.

Mutter wirft Baby aus Beutel – kein Schlaf für den Tierpfleger

„Eigentlich strecken die Tiere frühestens nach fünf Monaten den Kopf aus dem Sack“, sagt er. Er vermutet, dass die Mutter das Baby aus dem Beutel warf, da sie sich selbst, nach einem Schreck, schützen wollte. Nachdem Dobby aus dem Beutel fiel, wäre er beinahe gestorben. Aber der kleine Racker gab nicht auf und kämpfte sich ins Leben zurück.

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So kümmert sich der 48-jährige Pfleger nun bereits seit sechs Wochen um das kleine Tier. Denn die Mutter des Kleinen nahm ihn selbst nach mehreren Annäherungsversuchen nicht wieder auf. „Zurzeit lebt Dobby bei mir zu Hause. Ich passe gut auf ihn auf. Alle zwei Stunden wird er gefüttert – auch nachts.“ Dem Tierpfleger mache der fehlende Schlaf aber nichts mehr aus. „Man gewöhnt sich dran“, sagt er gelassen. Auf dem Speiseplan stehen täglich spezielle Milch und Möhrenbrei.

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Außerdem ist ihm das kleine Känguru schon ans Herz gewachsen, denn „Kängurus sind meine Lieblingstiere“, sagt er. Das Jungtier trägt Sieker unter seiner Jacke herum, damit es nicht friert. Dick eingekuschelt streckt Dobby ab und zu seinen Kopf heraus, um die Umgebung zu erkunden. „Als der Campingplatz vor drei Jahren nach einem neuen Tierpfleger gesucht hat, habe ich mich sofort gemeldet. Ich kenne mich gut mit Tieren aus und wusste, dass mir der Job liegen würde“, ergänzt der 48-Jährige.

André Sieker hält Känguru Dobby unter seiner Jacke im Warmen. - © Andreas Zobe

André Sieker hält Känguru Dobby unter seiner Jacke im Warmen.
(© Andreas Zobe)

Harry Potter als Namensgeber

Känguru Dobby kann heute schon etwas wackelig auf den Beinen stehen. Vor Menschen fürchtete es sich nicht. Es sah aber auch einmal anders aus: „Er hatte, als ich ihn gefunden habe, noch kein Fell. Das hat mich so an den Elfen von Harry Potter erinnert, dass ich ihn Dobby getauft habe“, sagt der Ziehvater.

Sobald das Känguru fit genug ist, soll es in das Gehege mit seiner Mutter zurückkehren. „Falls Dobby von den anderen nicht angenommen wird, bekommt er ein eigenes Gehege.“ Das Halten von weiteren exotischen Tierarten sei auf dem Campingplatz vorerst nicht geplant.