Die Polizei sichert im Spiel zwischen Dresden und Hertha das Spielfeld (imago images/Jan Huebner)

Stand: 06.04.2026 • 17:21 Uhr

Nach den Fan-Krawallen bei Herthas Auswärtsspiel in Dresden zeigen sich DFB-Präsident Neuendorf und die Deutsche Fußball Liga entsetzt. Eine schnelle Aufarbeitung muss es laut DFL im Sinne aller 36 Profiklubs geben. Die Politik erhöht derweil den Druck.

  • DFB und DFL zeigen sich nach Krawallen bei Dynamo gegen Hertha entsetzt
  • Kontrollausschuss des DFB hat die Ermittlungen aufgenommen
  • Hertha BSC will Krawalle mit aktiver Fanszene „kritisch aufarbeiten“
  • Die Politik erhöht den Druck auf den Fußball
  • Fan-Organisation „Unsere Kurve“ wirft Verallgemeinerung vor

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Bernd Neuendorf, haben die Krawalle beim Zweitliga-Auswärtsspiel von Hertha BSC bei Dynamo Dresden am Samstag in großer Deutlichkeit verurteilt.

„Die einzigartige Fankultur in Deutschland gerät durch Gewalttäter wie beim Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC in Verruf“, sagte Neuendorf am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Szenen vom Samstagabend seien „vollkommen indiskutabel“. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bunds habe die Ermittlungen inzwischen aufgenommen.

DFL: „Vorfälle gefährden den gesamten Fußball“

Ähnlich deutlich wie Neuendorf äußerte sich die DFL. „Diese Krawalle haben nichts mit Fankultur zu tun. Wir setzen uns seit Monaten für sinnvolle und vertretbare Sicherheitsmaßnahmen ein, um die hohe Sicherheit in den Stadien zu stärken und die positive Fankultur zu wahren. Diese Vorfälle gefährden Fankultur und den gesamten Fußball.“

Eine schnelle und konsequente Aufarbeitung der Geschehnisse sei daher geboten und im Sinne aller 36 Klubs, die gemeinsam den deutschen Profifußball ausmachen, hieß es vom Ligaverband weiter.

Hertha will Ereignisse mit Fanszene „kritisch aufarbeiten“

Hertha BSC kündigte an, aktiv bei der Aufklärung mithelfen zu wollen. Der Klub werde die Maßnahmen der Sicherheitsbehörden dafür unterstützen. Man wolle den Ermittlungen aber nicht vorgreifen oder sich an Spekulationen beteiligen. „Eine sachgerechte Bewertung der Auslöser und Abläufe ist uns daher gegenwärtig nicht möglich und steht uns auch aus rechtlichen Gründen nicht zu.“

Hertha stehe im engen Austausch mit Dynamo, dem Deutschen Fußball-Bund und den Sicherheitsbehörden. „Darüber hinaus sehen wir einen Austausch mit der aktiven Fanszene, in dem die Ereignisse kritisch aufgearbeitet werden, als dringend geboten an“, hieß es.

Sachsens Innenminister Schuster: „Kein Pardon mehr“

Zuvor hatte die Politik bereits am Sonntag den Druck knapp drei Monate vor der nächsten Innenministerkonferenz erhöht. Inmitten der ohnehin schon emotional aufgeladenen Diskussionen rund um Fankultur und Sicherheit in Stadien droht dem deutschen Fußball nach dem Eklat ein Rückschlag am Verhandlungstisch.

„Nach diesem erneuten Skandalspiel kann es für die weiteren Verhandlungen oder Gespräche kein Pardon mehr geben. Meine Geduld hat hier endgültig ein Ende“, sagte Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorkommnisse stünden symbolisch für eine „Gewaltfolklore“ in deutschen Fußballstadien und stellten den gesamten bisherigen Verhandlungsweg mit dem DFB und DFL infrage, erklärte Schuster weiter.

„Die Ergebnisse einer präzisen Aufarbeitung dieses Spiels durch die Vereine und die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei lasse ich mir persönlich vorlegen“, betonte Schuster. Der Charakter einer kommenden Innenministerkonferenz werde auch maßgeblich davon geprägt sein, „wie drakonisch die Konsequenzen sind, die aus diesen Krawallexzessen gezogen werden“.

Fan-Organisation wirft Schuster Verallgemeinerung vor

Die Fan-Organisation „Unsere Kurve“ verwahrte sich dagegen, Pyrotechnik als Waffe einzusetzen. „Auch Gewalt ist im Stadion nicht zu tolerieren“, hieß es in einer Stellungnahme an die Deutsche Presse-Agentur. Es könne aber ebenfalls nicht sein, dass das Verhalten einiger weniger zum Maßstab für 25 Millionen Fußballfans in den Stadien gemacht werde.

Schusters Einordnung folge einem bekannten Muster. Einzelne, besonders prägnante Bilder würden herausgegriffen und anschließend zur allgemeinen Bewertung der Fankultur im deutschen Fußball überhöht.

„Fakt ist, dass unmittelbar vor den bekannten Bildern erneut Werbung für den deutschen Fußball und seine Fankultur gemacht wurde“, hieß es. Die Fan-Organisation nannte „sensationelle Choreografien auf beiden Seiten, mustergültig eingesetzte Pyrotechnik ohne Schäden oder gar Verletzte und eine Atmosphäre, um die man den deutschen Fußball im Ausland beneidet“.

Polizei: Zahlreiche Ermittlungsverfahren eingeleitet

Bei dem Topspiel unter Flutlicht war am Samstagabend zunächst aus beiden Fanlagern Pyrotechnik gezündet worden. In der 18. Minute kletterten dann Anhänger beider Teams über die Zäune. Dresdner Anhänger rannten vermummt entlang des Spielfeldes zum Hertha-Fanblock. Dabei kam es zu einem kurzen Aufeinandertreffen beider Fangruppen, bei dem es zum Einsatz von Pyrotechnik als Wurfgeschosse kam.

Schiedsrichter Sven Jablonski unterbrach die Partie und schickte die Teams nach den Krawallen in die Kabine. Polizisten drängten dann die Dynamo-Anhänger zurück in ihren Block. Dort wurde eine Hertha-Fahne abgebrannt. Die Polizei in Dresden hat mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Sendung: rbb|24, 06.04.2026, 15:15 Uhr

Audio: rbb|24, 06.04.2026, Johannes Mohren

Rundfunk Berlin-Brandenburg