In Australien ist einer der höchstdekorierten Soldaten wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in Afghanistan festgenommen worden. Er soll mehrere unbewaffnete Zivilisten und Gefangene während seines Einsatzes zwischen 2009 und 2012 ermordet haben, teilte die australische Bundespolizei (AFP) mit. Australischen Medien zufolge handelt es sich bei dem Soldaten um Ben Roberts-Smith.

Der hochdekorierte Veteran wurde am Flughafen von Sydney von Beamten der Bundespolizei festgenommen, kurz nachdem er mit einem Flugzeug aus Brisbane gelandet war. Er befindet sich in Gewahrsam und sollte einem Gericht vorgeführt werden.

Die Opfer des australischen Soldaten hätten „zum Zeitpunkt ihrer mutmaßlichen Ermordung in Afghanistan nicht an Kampfhandlungen“ teilgenommen, sagte die australische Polizeipräsidentin Krissy Barrett. Sie sollen entweder von Roberts-Smith selbst oder von Soldaten unter seinem Befehl erschossen worden sein. Ihm werden Kriegsverbrechen und Mord in fünf Fällen vorgeworfen.

Jahrelange Ermittlungen

Vorausgegangen waren fünfjährige Ermittlungen, bei denen auch viele Aussagen von Augenzeugen aus den Reihen der australischen Spezialeinheit SAS gesammelt wurden. Ihnen zufolge soll Roberts-Smith unter anderem einen Zivilisten von einer Klippe gestoßen, dessen Erschießung angeordnet und mindestens einen Gefangenen selbst getötet haben. Auch sogenannte Blooding-Rituale, bei denen junge Soldaten auf Befehl Gefangene töten, werden ihm zur Last gelegt.

Als ehemaliges Mitglied des Special Air Service Regiment galt Roberts-Smith einst als der höchstdekorierte lebende Kriegsveteran Australiens. 2018 berichteten Medien erstmals, dass australische Soldaten unter anderem unbewaffnete afghanische Gefangene getötet haben sollen. Sie brachten damals Roberts-Smith damit in Verbindung. Er bestreitet die Vorwürfe bis heute und hat eine millionenschwere Klage gegen die Medien eingereicht, die zuerst darüber berichtet hatten.

© Lea Dohle

Newsletter
Was jetzt? – Der tägliche Morgenüberblick

Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie das Newsletter-Abonnement.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 schickte Australien etwa 39.000 Soldaten nach Afghanistan, um an der Seite der US-Truppen gegen die Taliban, Al-Kaida und andere islamistische Gruppen zu kämpfen. Seit der Rückkehr der Kampftruppen wurden mehrere Berichte veröffentlicht, die insbesondere die Spezialkräfte der Armee wegen oft brutalen Vorgehens kritisieren.

Ehemaligem Soldaten droht lebenslange Haftstrafe

Eine Untersuchung der Armee aus dem Jahr 2020 kam zu dem Ergebnis, dass Angehörige der Spezialeinheiten 39 afghanische Zivilisten und Gefangene „rechtswidrig getötet“ haben sollen. Die Untersuchung deckte außerdem Vorwürfe von außergerichtlichen Exekutionen und Folter durch australische Soldaten auf.

Sollte es zu einer Anklage und später zu einer Verurteilung kommen, droht Roberts-Smith eine lebenslange Haftstrafe. Außerdem könnte ihm rückwirkend seine militärische Auszeichnung aberkannt werden.

Ähnliche Fälle gab es zuletzt auch in anderen Ländern: In den USA wurde etwa der Navy-Seal-Soldat Eddie Gallagher wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Irak angeklagt. Später wurde er von einer Jury freigesprochen.

Mehr zum Thema

Kriegsverbrechen

Z+ (abopflichtiger Inhalt);

Krieg im Sudan:
Drei von mehr als 21 Millionen

Z+ (abopflichtiger Inhalt);

NS-Propaganda:
Wie aus Tätern Opfer werden sollten